Hallo zusammen,
hier also die Geschichte, wie ich überhaupt erst zu Frau G gekommen bin und das ist eine reichlich seltsame Sache...
Da sie direkt mit der Geschichte von S zusammenhängt werde ich hier öffentlich aber nicht alles schreiben...
Diejenigen von euch, die schon länger bei mir mitlesen werden sich ungefähr denken können, was in die Lücken gehört, die ich hier beim erzählen lasse...
Es begann im Herbst 1993.
Damals ging es mir so schlecht, daß ich nicht mehr so weiter machen konnte. Die Frage war also: schluss machen oder etwas grundsätzlich an meinem Leben ändern.
Aber das ist eine andere Geschichte, die vielleicht ein anderes mal erzählt werden wird... um mit Michale Ende zu reden...
Natürlich war das Ergebnis damals, daß ich mich dazu entschlossen habe, mein Leben zu ändern, sonst wäre ich jetzt nicht hier.
Eine der Dinge, die ich in Zukunft anders machen wollte, war, mit den Menschen, die mir wichtig sind zu reden, auch und gerade über meine Probleme...
Damals gab es herzlich wenige Menschen, mit denen ich überhaupt hätte reden können, nur S und - mit Einschränkungen M.
Warum und worüber ich gerade und vor allem mit S reden wollte, das ist eine andere Geschichte, die vielleicht ein anderes mal erzählt werden wird...
Den Versuch mit den beiden zu reden habe ich Anfang 1994 gemacht... und mich dann doch nicht getraut... weil das oder vielmehr die Themen über die ich reden wollte einfach zu schwierig waren...
Und genau da kommt Frau G in's Spiel.
Es war entweder noch am selben Tag oder spätestens am Tag nachdem ich vergeblich versucht hatte mit S und M zu reden, da kam im Fernsehen ein kurzer Bericht - nur so ein, zwei Minuten - über Frau G und ihren Laden in Schduargard.
Und ich hatte gleich dieses seltsame Gefühl, das ich nur ganz selten im Leben habe, etwa als ich zum ersten mal von Transsexualtität oder das erste mal vom Bloggen hörte, das Gefühl: "Das ist es!"
Aber... der Bericht war so kurz und schon wieder vorbei, bevor ich auch nur Zeit hatte mich dazu zu entschliessen mir etwas zu schreiben zu holen, um mir Notizen zu machen... Nicht mal den Namen von Frau G hatte ich mir damals merken können...
Nur wie ihr Laden hiess hatte war mir im Gedächtnis geblieben... und das Bild des Eckhauses in dem er war und ist...
Kein Problem sollte man meinen. Schließlich, wozu gibt es die Auskunft? Nur, als ich dort anrief und nach diesem Laden fragte, bekam ich zwar eine Auskunft... aber wie sich herausstellte die Falsche...
Der Laden, der mir genannt wurde war ein Neubau irgendwo am Rande von Schduargard und kein altes Eckhaus aus dem 19.Jahrhundert...
Damit hätte die Geschichte dann auch schon zuende sein können... und mein Leben hätte einen VÖLLIG anderen Verlauf genommen, wenn ich Frau G nie kennengelernt und als Folge davon nie mit S geredet hätte... aber es sollte anders kommen...
Das Bild ihres Hauses, diesen alten Eckhauses, das ließ mich nicht los...
Irgendetwas in mir sprach dieses Bild an, irgendwie kam es mir seltsam vertraut vor, als würde ich es irgendwoher kennen...
Rückblende...
So ein, zwei Jahre vorher war ich in H studieren.
Auch das - der geneigte Leser ahnt es schon ;) - eine andere Geschichte, die vielleicht ein anderes mal erzählt werden wird...
Das Entscheidende dabei: H liegt, von mir aus gesehen, genau auf der anderen Seite von Schduargard.
Damals hatte ich noch ein Auto und ein paar mal bin ich nach dem Studium damit nach Schduargard gefahren, weil ich mich dort nach Büchern oder sonstwas umsehen wollte...
Ja und ich als echte Schwäbin bin natürlich zu
geizig sparsam ;) um ohne Not Gebühren für ein Parkhaus zu bezahlen - wundert mich, daß es in Schwaben überhaupt Parkhäuser gibt ;)... - also bin ich auf dem Weg von H nach Schduargard dort oben in der Stadt nicht geradeaus weiter in die Stadt rein gefahren, sondern einmal links abgebogen, dann wieder rechts, dann noch ein Stück den Berg runter und haben das Auto dort dann dort am Berg auf einem KOSTENLOSEN Parkplatz stehen lassen. Ja da lacht das Schwabenherz ;)... Weiter unten gab es entweder gar keine freien Parkplätze mehr oder nur noch kostenpflichtige... Und von dort aus bin ich dann die ein, zwei Kilometer bis zur Innenstadt den Berg runter gelaufen.
Und - man ahnt es schon - auf diesem Weg bin ich damals DIREKT an Frau G's Geschäftshaus vorbeigekommen... dem besagten Eckhaus aus dem 19.Jahrhundert...
Damals Jahre bevor ich im Fernsehen den Bericht von Frau G gehört habe, habe ich dieses Haus überhaupt nicht beachtet, ja nicht einmal bewusst wahrgenommen.
Schließlich war das lange VOR dieser Nacht im Herbst 1993 (siehe oben) und meinem folgenden Entschluss, daß ich mit dem als Frau leben ernst machen wollte...
Damals als ich dort vorbeikam war noch gar nicht daran zu denken, jemals als Frau zu leben und dementsprechend uninteressant war ein Beautygeschäft für mich... Dafür hatte ich keine Verwendung damals...
Aber... offenbar sah mein Unterbewusstsein das etwas anders... den irgendwie war das Bild dieses Eckhauses bei mir hängen geblieben... und als ich es dann in dem Fernsehbericht sah, regte sich eine vage Ahnung in mir, daß ich das doch irgendwoher kenne...
Diese Ahnung war allerdings so vage, daß ich ehrlich gesagt damals dachte, ich würde mir da was einreden...
Ich weiss schließlich wie unzuverlässig das Gedächtnis sein kann... Und wenn man sich etwas dringend wünscht, dann redet man sich auch schon mal gerne selber was ein, was überhaupt nicht stimmt...
Trotzdem bin ich dieser Ahnung gefolgt... und siehe da, dort wo ich es schon mal gesehen zu haben glaubte gab es nicht nur ein ähnlich aussehendes, sondern genau dieses Haus...
Das fand ich doch schon sehr seltsam...
Da kommt zufällig genau dann, als ich es brauchte, ein Bericht im Fernsehen mit zufällig genau dem, was mir in der Situation weiterhalf, mit Frau G, (die sich dann zufällig als die Richtige herausstellte...) die nicht irgendwo sondern ausgerechnet zufällig hier in Schduargard ihren Laden hat.
Ein Laden den ich sonst NIE gefunden hätte - weil er in einer Gegend Schduargards liegt, in die ich sonst nie gekommen wäre - wenn ich nicht zufällig Jahre vorher in H studiert hätte und wenn ich nicht zufällig von dort aus nach Schduargard gefahren und genau an dieser Stelle einmal links und einmal rechts abbog und dann zufällig mein Auto genau so stehen ließ, daß ich von dort aus direkt an ihrem Laden vorbeikam... und mich dann zufällig Jahre später noch an den Laden erinnerte, der im Fernsehbericht nur Sekunden zu sehen gewesen war...
Oh ja so viele Zufälle fand ich wirklich sehr seltsam...
Zufall...? Schicksal...?
Ich weiss es nicht... Rein mit dem Verstand betrachtet waren das alles natürlich nur Zufälle.
Aber mir erschien es damals fast so, als würde mir da jemand einen Weg zeigen... und es lag an mir ihn zu gehen... oder davor zurückzuschrecken...
Ich habe mich dann dazu entschlossen, einfach so zu tun als ob es tatsächlich ein Wink des Schicksals gewesen wäre... und diese Gelegenheit, die sich da auf so seltsame Weise ergeben hatte am Schopf zu packen... diesen Weg zu gehen...
Ich habe mich dann wirklich dazu durchgerungen, mich dort hinein zu wagen, nachdem ich vorher ewig mit mir gerungen habe, und Frau G erklärt, warum ich gekommen bin und was ich von ihr möchte und warum...
Das war sicher eines der schwersten Dinge, die ich jemals getan habe in diesem Leben...
Das war - nach der Nacht im Wald im Herbst 1993 und dem damaligen Entschluss mein Leben zu ändern - der zweite ganz wichtige Schritt auf meinem Weg zu einem Leben als Frau...
Frau G ist der erste Mensch überhaupt, dem ich jemals etwas von meiner Transidentität erzählt habe...
Einige Zeit später... im Herbst 1994 war es dann soweit...
Frau G hat mich am Vormittag, wie abgemacht als Frau zurechtgeschminkt, nachdem ich vorher noch beim Frisör war um mir die Haare blondieren zu lassen...
Und so vorbereitet habe ich mich dann am Nachmittag mit S und M getroffen und mit ihnen geredet...
Warum ich das alles gemacht habe und was daraus geworden ist, das ist eine andere Geschichte, die - zumindest vorläufig - hier nicht erzählt werden soll...
SCHNITT....
Jahre später... Ende 1998... hinter mir liegen fast drei Jahre schwerste Depressionen... auch das eine andere Geschichte, die vielleicht ein andermal erzählt werden wird...
Bei Frau G war ich seither nicht wieder gewesen, außer einmal kurz nach dem Gespräch mit S und M um mich bei ihr zu bedanken...
Ich hatte in den Jahren ganz andere Sorgen...
Daran "in Sachen Frauenleben" voranzukommen war in dieser Zeit gar nicht zu denken...
Ende 1998 war ich dann wieder an dem Punkt, wo ich Ende 1993 schon mal gewesen war, nur war 1998 alles noch viel schlimmer...
Also wieder einmal die Frage: schluss machen oder noch einmal einen neuen Anfang versuchen....?
Sich wieder aufraffen, wieder kämpfen...?
Und ja wieder habe ich mich dafür entschieden... denn zu kämpfen, nicht aufzugeben, das gehörte ja zu den Dingen, die ich mir damals im Herbst 1993 vorgenommen hatte...
Und das erste, was ich gemacht habe um aus den Depressionen wieder raus zu kommen... das war zu Frau G zu gehen... zum zweiten mal... ihr wieder zu erklären was los ist und sie zu bitten mir beizubringen, wie man sich schminkt... Davon hatte ich bis dahin ja noch keine Ahnung... und das gehört ja zu den Dingen, die man einfach können muss, wenn man sich als TI-Frau auf die Straße wagen will...
Für mich war das damals sehr sehr wichtig.
Wenn man Depressiv ist, dann ist einem nichts mehr wichtig, nichts macht einem mehr Freude - jedenfalls fast nichts... Auch wenn man depressiv ist, gibt es zumindest noch das eine oder andere, was einem wenigstens noch ein klein wenig etwas bedeutet...
Und für mich war das vor allem die Transidentität... der Wunsch, die Sehnsucht irgendwann vielleicht doch als Frau leben zu können, war trotz den Depressionen immer noch da... Und das hat mir ein Ziel gegeben... etwas mit dem ich mich selber aus dem Depri-Sumpf ziehen konnte...
Zu Frau G zu gehen um mir das Schminken beibringen zu lassen, war vielleicht der wichtigste Schritt dazu...
Drei mal war ich bei ihr... um es zu üben... drei mal bin ich danach - zum ersten mal in meinem Leben - als Frau zurechtgemacht in die Öffentlichkeit gegangen... einmal war ich danach noch in einem Volkshochschulkurs zu einem Frauenthema, ein anderes mal war ich danach seit langem wieder mit Anita, der einzige Mensch -außer Frau G - mit dem ich damals reden konnte...
Aber all das sind schon wieder andere Geschichten, die vielleicht ein andermal erzählt werden...
Das war der Beginn...
Danach habe ich langsam angefangen als Frau zu leben, habe mich erst noch heimlich außerhalb meines Heimatortes geschminkt und manchmal auch im Rock unter Menschen gewagt... später habe ich nach und nach Bekannte eingeweiht... seit ich 2001 Internet habe, hatte ich dann im Chat sehr viel Gelegenheit mit Menschen zu reden, nicht nur aber auch über meine Transidentität...
Anfang 2003 war es dann endlich soweit... nachdem ich wieder mal am toten Punkt angelangt war, wieder bei der Frage: Schluss machen oder etwas grundsätzlich ändern? Anfang 2003 habe ich dann endlich den Antrag bei Gericht auf Vornamensänderung gestellt, mich bei den Gutachtern vorgestellt und alles andere, was dazugehört in die Wege geleitet. Und fast gleichzeitig habe ich dann mit dem Bloggen angefangen, damals noch bei 20six.
Von dem was seither passiert ist, vom langen Prozess der Geschlechtsangleichung handelt dieser Blog...
Aber all das sind viele andere Geschichten, die anderswo in diesem Blog erzählt werden...
Schließlich Ende November 2005... der lange ersehnte Operationstermin für die geschlechtsangleichende Operation in Essen...
Und ich habe ihn abgesagt... nicht aus Angst, sondern weil mir dort in Essen so einiges klar geworden ist... daß die Operation längst nicht mehr so wichtig für mich ist wie sie es früher mal gewesen war beispielsweise...
Aber auch das ist wieder mal eine andere Geschichte, die ich anderswo erzählt habe...
Danach im Dezember 2005 hat uns 20six vergrault... und so bin ich jetzt hier und eben dabei meinen Blog neu zu sortieren...
Dabei werde ich auch die alten "anderen Geschichten", aus den letzten drei Jahren die vom Prozess meiner Geschlechtsangleichung erzählen hier nach und nach einstellen und soweit sinnvoll miteinander verlinken...
Und jetzt im neuen Jahr und neuen Blog hier bei twoday stellt sich mir die Frage, ob ich mich doch noch operieren lassen will... den Prozess der Geschlechtsangleichung also zuende bringe, oder ob ich so weiter lebe wie ich jetzt bin... irgendwo zwischen den Geschlechtern...
Und an dieser Stelle hat es sich jetzt ergeben, daß ich wieder bei Frau G gelandet bin... jetzt schon zum dritten mal... wieder an einem entscheidenden Wendepunkt meines Lebens...
Diesmal bin ich bei ihr um mir Permanent Make-Up machen zu lassen... und das mache ich vor allem um herauszufinden, wie sich das für mich hinter anfühlt...
Ist es für mich ok, so einen, wenn auch nur kleinen, körperlichen Eingriff, machen zu lassen und bin ich nachher glücklich damit das Ergebnis dann für jeden sichtbar im Gesicht zu tragen oder nicht...?
Ich denke das kann mir bei der Entscheidung helfen, ob ich bereit bin dann auch diesen großen Eingriff, eben die Operation machen zu lassen oder ob ich das nicht will...
Zufall... oder Schicksal, daß ich jetzt wieder bei Frau G gelandet bin....?
Ich weiss es nicht, aber wie Auris sagen würde:
Es spielt keine Rolle!
Hauptsache ich nütze die Gelegenheit die sich mir so bietet, mir über eine wichtige Frag klar zu werden...
So habe ich es bisher immer gemacht... und es war immer die richtige Entscheidung und hat mich weitergebracht...
Darum bin ich jetzt schon zum zweiten mal nach Jahren zu Frau G zurückgekehrt um mir wieder einmal von ihr helfen zu lassen meinen Weg zu einem Leben als Frau zu finden...
Ende offen...
Viele Grüßle
Aurisa
Nachtrag:
Wie man sieht ist das jetzt mal wieder ein typischer gaaanz 'kurzer' Aurisa-Beitrag geworden ;)...
Genau aus diesem Grund - und nicht etwa um die Leser zu ärgern - habe ich hier so oft geschrieben, etwas sei "eine andere Geschichte".
Denn wenn ich hier die GANZE Geschichte erzählen wöllte, dann müsste ich euch meine ganze Lebensgeschichte erzählen - buchstäblich!
Ja und so einen 'kurzen' Eintrag wollte ich euch dann doch nicht zumuten ;)...
Soweit möglich werde ich zu den "anderen Geschichten" von denen ich bei 20six schon erzählt hatte, dann später verlinken, sobald ich die hier alle eingestellt habe... was noch ein ganzes Weilchen dauern kann...
LINKS:
*Zum Blog-Starteintrag:
http://aurisa.twoday.net/stories/1504914/comment