Donnerstag, 9. Februar 2006

Meine Lebensgeschichte - Kurzfassung ;)

HINWEIS: Dies ist ein ehemaliger Teameintrag

Hallo,

dies kann und soll natürlich nur eine ganz kurze Lebensgeschichte sein (na ja, oder was Aurisa halt so unter 'kurz' versteht ...).
Ich habe nicht vor, hier meine Autobiographie zu schreiben ... und anderswo auch nicht.

Also... als ich darüber nachgedacht habe, was ich hier über mein Leben schreiben soll, ist mir klar geworden, daß meine Lebensgeschichte leider vor allem eine Krankheitsgeschichte ist...

Mein Leben ist solange ich denken kann geprägt von psychischen Erkrankungen, von Ängsten, Depressionen und der Transidentität... (na gut, ob das letztere jetzt auch eine Krankheit ist oder nicht, darüber kann man sich streiten, aber das wäre eine andere Geschichte...).

Und weil ich deshalb mein ganzes Leben lang damit zu kämpfen hatte, mit diesen drei Dingen irgendwie klar zu kommen um überhaupt (weiter)leben zu können war für vieles andere, was für andere Menschen selbstverständlich ist in meinem Leben weder Zeit noch Kraft übrig...

Aber der Reihe nach...

Geboren wurde ich 1968, hier wo ich jetzt immer noch wohne, damals als Klaus, wie ihr ja wisst.

An meine Kindergartenzeit habe ich fast keine Erinnerung mehr. Die war aber meines Wissens nach noch relativ normal. Aber auch schon damals war ich relativ isoliert unter den Kinder, soweit ich weiss...

Die Hölle auf Erden begann für mich aber dann mit der Schule.
Dort war ich ein absoluter Aussenseiter und ein 'beliebtes' Opfer für Hänseleien... Bulling nennt man das heute, was in der Schule so abgeht und was im Beruf Mobbing heisst...
Warum das so war, das kann ich im nachhinein und nur auf meine unzuverlässigen und verblassten Erinnerungen angewiesen nur vermuten...
Es lag sicher teilweise daran, daß ich schon immer introvertiert und leicht verletzlich (neurotisch sagt der Fachmann...) war...
Jemand der so introvertiert ist wie ich, der hat es schwer Anschluss zu finden...
Und wer keinen Anschluss findet ist sowieso das ideale Opfer, weil er niemand hat, der ihm hilft...
Ja und wer so sensibel ist wie ich, den kann man prima fertig machen, weil er ja so leicht zu verletzen ist.. Auch darum war ich das ideale Opfer...
Inwieweit meine Transidentität da auch eine Rolle gespielt hat, ist schwer zu sagen...
Durch sie war ich immer schon anders als die anderen Jungs. Und wer irgendwie anders ist, als die anderen wird gemieden, ausgegrenzt, gemobbt... Das ist bei Kindern nicht anders als bei den Erwachsenen...

Weil die Frage häufig kommt:
Nein, ich habe mich damals noch nicht als Mädchen gefühlt. Es gibt auch Transidente, die wissen schon vor der Einschulung, daß sie kein Junge sodern eigentlich ein Mädchen sind, aber das ist leider längst nicht bei allen so früh so klar, bei mir auch nicht.
Ich habe mich aber auch nie als Junge gefühlt. Und das ist sicher auch ein Grund für meine Isolation damals. Ich gehörte nicht zu den Jungs, das spürte ich schon... aber zu den Mädchen auch nicht...
Ich wusste nur, daß ich irgendwie anders war ohne das näher benennen zu können...

Jedenfalls ging es mir seit Beginn der Grundschule einfach nur miserabel...
Und meine Noten waren dementsprechend.... Für das Lernen hatte ich schlicht keinen Kopf. Und es hat sich auch zuhause niemand darum gekümmert, daß ich beispielsweise meine Hausaufgaben mache, geschweige denn, daß jemand mit mir gelernt hätte...
Das lieblose und gleichgültige Elternhaus ist sicher auch ein Grund dafür, daß es mir von Anfang an so schlecht ging...
Auch dort bekam ich keine Hilfe. Entweder ich kam alleine mit meinem Problemen klar oder ich hatte halt Pech gehabt.
Zähne putzen, Schuhe zubinden, Schwimmen, Radfahren... all das musste ich mir beispielsweise alleine beibringen, weil ich keiner darum gekümmert hat, ob ich das kann oder nicht, und dementsprechend spät habe ich es erst gelernt...
Aber ich schweife ab...
Jedenfalls hatte ich einfach nur Angst vor den 'lieben' Mitschülern sosehr, daß ich nachts stundenlang nicht einschlafen konnte, aus Angst vor dem nächsten Schultag. Aber daß DAS der Grund für meine Schlafstörungen war, das wusste ich damals noch nicht, das wurde mir erst viel später klar...
Damals habe ich mir meine Angsstörungen eingehandelt. Ich war immer schon ein ängstlicher Typ. Ich schätze, das ist angeboren. Aber diese Sozialphobie habe ich erst seit meiner Grundschulzeit.
Ja und aus Angst davor, noch mehr verletzt zu werden, habe ich mich noch mehr in mich zurückgezogen, mich verschlossen und bin gar nicht mehr aus mir heraus gegangen...
Damals habe ich gelernt mir einen Schutzpanzer zuzulegen... mir nicht mehr anmerken zu lassen, wenn mich etwas verletzt, mich zu beherrschen und keine Gefühle mehr zu zeigen, damit man mich nicht mehr treffen kann... Aber damit habe ich natürlich gleichzeitig meine Isolation noch mehr verstärkt...
Diese Rüstung war gleichzeitig mein Schutz und mein Gefängnis...
Ach ja und von damals kommt wohl auch meine Neigung mir Kummerspeck anzufressen... was dann wieder ein Grund mehr für meine Mitschüler war, mich zu verspotten...
Was habe ich den Sportunterricht gehasst, wo ich wegen meinem Übergewicht immer Ziel meiner Mitschüler war... Der Sport war das schlimmste von allen...

Ja und wegen all dem landete ich schließlich auf der Hauptschule, obwohl ich ganz sicher nicht dumm bin...
Auch dort ging es zunächst so weiter für mich, aber allmählich bahnte sich die Wende an...
Ich lernte dort, daß Lernen Freude machen kann und in der Folge verbesserte sich mein Notenschnitt von 4,0 im fünften Schuljahr auf 2,1 im neunten Jahr... trotz weiter miserabler Sportnoten...

Und damit konnte ich auf die Realschule gehen um die mittlere Reife nachzuholen...
Und dort ging es mir fast von heute auf morgen viel besser. Die Schlafstörungen waren innerhalb weniger Wochen verschwunden, für immer... weil mich dort niemand kannt und niemand plagte...
Dort konnte ich neu Anfangen... Für mich war das fast wie ein neues Leben...
Die Realschulzeit und danach die Zeit auf dem Gymnasium waren im Nachhinein gesehen fast problemlose Zeiten und die besten meines Lebens...
Aber das war nur die Ruhe vor dem Sturm... denn wie ich heute weiss, waren meine Probleme ja nicht gelöst. Auch weiter hatte ich keine richtigen Freunde, weil ich nie gelernt hatte aus mir heraus zu und auf andere Menschen zuzugehen. Stattdessen hatte ich in der Grund- und Hauptschule das genau Gegenteil gelernt, nämlich mich zu verschliessen. Und wenn man Auster spielt ist es sehr schwer Freunde zu finden... von einer Partnerschaft ganz zu schweigen...

Ich habe mich damals übrigens überhaupt nicht für Männer interessiert, sondern ausschließlich für Frauen. Die Frage ob ich vielleicht homosexuell bin, habe ich mir selber in diesem Alter gestellt, weil ich schon merkte, daß ich irgendwie anders bin als die anderen Jungen. Aber diese Frage konnte ich eindeutig mit nein beantworten.
Aber ich eine Frau hätte ich niemals angesprochen... Dafür war ich viel zu ängstlich und verschlossen... Und für mich hat sich nie eine interessiert und so blieb ich nicht nur ohne Freunde sondern auch ohne Beziehung... Ich habe auch nie mit einer Frau (oder einem Mann) geschlafen oder auch nur jemand geküsst, nicht mal das... Freunde habe ich inzwischen aber alles andere bis heute nicht...

Ach ja, in der Zeit habe ich (vermutlich 1984) auch zum ersten mal was von Transsexualität gehört und hatte sofort das Gefühl 'Das ist es!'. Aber da ich mir damals beim besten Willen nicht vorstellen konnte, daß ich jemals als Frau würde leben können, bzw. daß man mich als Frau würde leben lassen - wie sollte ein solches angstgeplagtes Sensibelchen wie ich, das damals heilfroh war der Mitschüler-Höllen entkommen zu sein, erst mit dem Hohn und Spott der Mitmenschen leben, wenn ich versucht hätte als Frau zu leben - verdrängte ich den Gedanken daran wohl oder übel wieder...

Immerhin war ich in der Realschule und im Gymnasium in der Klasse eingebunden und akzeptiert.
Dadurch hatte ich immer ein bisschen menschliche Kontakte.

Aber damit war es schlagartig vorbei, als ich nach dem Abitur studieren ging...
Das war ein böser Fehler... Ich hätte nicht an die Uni gehen sollen, sondern an eine Fachhochschule. Soweit ich weiss ist dort der Unterricht viel mehr verschult. Dort währe ich nicht so mutterseelenallein gewesen wie im Studium, wo ich mit meinen massiven Kontaktschwierigkeiten wirklich gar keine Kontakte mehr hatte... Dazu kam noch erschwerend dazu, daß man in der Schule auch nicht lernt selbständig zu lernen, was mir auch alles andere als leicht fällt... Und natürlich hatte ich niemand, den ich irgendetwas fragen konnte, wenn ich Probleme hatte...
Die Folge war, daß ich langsam aber sicher in die Depression abrutschte... Und damit ging dann im Studium natürlich gar nichts mehr...
Ich habe dann, weil ich nicht mehr weiter wusste auch das Studium gewechselt - mehrfach...
Geholfen hat das natürlich auch nicht gegen die Depressionen und die Einsamkeit...

Irgendwann ging dann gar nichts mehr... Ich wusste nicht mehr, wie es noch weitergehen sollte....
Was für einen Sinn sollte mein Leben noch haben... Wozu sollte ich so alleine noch weiterleben... nur für weitere Jahrzehnte Einsamkeit bis zum Tod...?
Damals muss ich wohl so 25 gewesen sein, als ich an dem Punkt war, entweder ich mache jetzt schluss... oder ich ändere etwas ganz grundsätzliches an meinem Leben... So wie es bis dahin war konnte ich es nicht noch länger ertragen...
Also habe ich mich in dieser Nacht gefragt, was ich in meinem Leben so furchtbar schief gelaufen ist...
Und ich bin zu dem Schluss gekommen, daß ich zwei Dinge ändern muss in meinem Leben, wenn es besser werden soll. In dieser Nacht habe ich mir vorgenommen:
*zu kämpfen und nicht wie bisher so oft zu schnell aufzugeben...
*und mich zu öffnen, mit den Menschen, die mir wichtig sind über meine Probleme zu reden...

Und an diese Vorsätze habe ich mich gehalten... bis heute...

Ja und (spätestens) an der Stelle kommt Auris in's Spiel...

Wer den Eintrag 'Auris und Aurisa' hier im Klaudia-Blog gelesen hat, der wird sich vielleicht daran erinnern, daß ich ihr - schon einige Jahre VOR dieser Nacht (!) - genau diese beiden Eigenschaften mitgegeben habe, als ich sie mir ausgedacht habe...
*zu kämpfen
*und sich anderen Mensche öffnen zu können...
Damals hatte ich ihr unbewusst genau die Fähigkeiten gegeben, von denen mir erst jahre später bewusst wurde, daß ich sie dringend für mein Leben brauchte...

Durch sie hatte ich beides jahrleang im Fantasy-Rollenspiel ausleben und ausprobieren können.
All das wurde mir nach dieser Nacht langsam klar...
Und wenn Auris mir anfangs unbewusst ein Vorbild und eine Hilfe war, so kann ich sie ganz bewusst dafür einsetzen mir zu helfen, seit mir das klar geworden ist.

In der Zeit danach ging es mir vielleicht nicht gut, aber auf jeden Fall deutlich besser als in den Jahren davor...

Da gäbe es noch viel zu erzählen, aber das ist eine andere und zu lange und sehr persönliche Geschichte, die bisher darum nur ganz wenige hier kennen...
Vielleicht erzähle ich sie ein andermal...

Von damals stammt auch mein Entschluss es doch zu wagen als Frau leben zu wollen, aber auch das gehört zu der anderen Geschichte...

Jedenfalls ging es mir nach dieser Nacht 2 1/2 Jahre besser... bis jemand starb, der damals der wichtigste Mensch für mich in meinem Leben war...

Danach begann für mich dann die zweite Hölle auf Erden, die tatsächlich noch schlimmer war als die erste, die Depri-Hölle...

Der Verlust dieses Menschen wäre schon schlimm genug gewesen, aber dadurch habe ich mich nach dem warum gefragt... dem großen WARUM sozusagen... der Frage nach dem Sinn von allem...

Und die einzige Antwort, die ich finden konnte war, daß es kein warum gibt, daß es keinen Plan hinter all dem gibt, keinen Gott, kein Schicksal, keinen Sinn, keine unsterbliche Seele, die nach dem Tode weiterlebt...

Und damit ist mir die Basis für mein Leben unter den Füssen zerbrochen und zerbröselt, bis nur noch Staub übrig war davon...

Ich war zwar nie so wahnsinnig gläubig, aber es war doch immer ein wenig Glaube und Hoffnung da, daß da doch mehr ist als nur das materielle um uns herum...

Von diesem Glauben ist danach nichts mehr übrig geblieben und darum machte für mich nichts mehr einen Sinn... Wozu auch leben wenn alles nur Zufall ist und keine tiefere Bedeutung hat...

Fast drei Jahre haben diese tiefen Depressionen gedauert...

Und wieder war es Auris die mir da raus geholfen hat... und der Wunsch und die Hoffnung doch irgendwann in der Zukunft als Frau leben zu können...

Das erste was ich gemacht habe um etwas gegen die Depressionen zu unternehmen war dann auch mir das Schminken beibringen zu lassen. Von damals sind die drei Bilder von 1998 im Fotoblog...

Außerdem habe ich damals dann in einem Volkshochschulkurs auch meinen späteren Therapeuten kennengelernt, der mich so von 1999 bis 2001 begleitet hat und diese Verhaltenstherapie war auch sehr wichtig für mich...
In dieser Zeit habe ich mein Studium wieder aufgenommen und ich habe angefangen als Frau auszugehen, aber noch nur außerhalb meines Heimatortes...

Doch dann 2001, als die Therapie fast schon zuende war, und es mir wieder recht gut ging, kam der nächste Tiefschlag... Bei mir wurde eingebrochen und das hat mich sehr zurückgeworfen...
Mehr will ich hier dazu gar nicht schreiben...

Erst Anfang 2003 war ich dann in der Lage wieder voranzukommen... auch da erst nachdem es mir so schlecht ging, daß ich wusste, so kann es nicht weitergehen und daß ich entweder etwas ändern oder schluss machen muss, weil es nicht mehr zu ertragen war...

Also begann ich damals die Geschlechtsangleichung endlich ernsthaft anzugehen.
Vorher hatten mir sowohl die nötigen Informationen als auch die Kraft dazu gefehlt.
Aber jetzt endlich ging es... Ich suchte mir meine Gutachter und stellte bei Gericht den Antrag auf Vornamensänderung...
Und kurz darauf kam ich dann zu 20six, wo ich gleich wieder das Gefühl hatte 'Das ist es!', nämlich das richtige für mich. Und das Gefühl hat mich nicht getrogen ...

Der Rest der Geschichte ist (mehr oder weniger) bekannt...

Inzwischen heisse ich seit Juli 2004 auch offiziell Klaudia Cornelia Aurisa, nehme ungefähr genauso lange Hormone und wenn nichts dazwischen kommt wird im November meine Operation sein.
Dann wird mein unfreiwilliges Leben als 'Mann' endgültig Vergangenheit sein...



Die Ängste und Depressionen habe - dank Auris - überwunden. Meinem Leben konnte ich für mich wieder einen Sinn geben. Und mit der Transidentität habe ich zu leben gelernt.

So, jetzt habe ich erwartungsgemäß doch wieder ziemlich viel geschrieben... und doch vieles ausgelassen...
Also falls ihr noch Fragen habt, nur zu.

Viele Grüßle

Aurisa

EDIT:
Da es sich hier um einen alten 20six-Eintrag handelt, sind ein paar Dinge nicht mehr ganz aktuell:
*Was es mit Auris und Aurisa auf sich hat muss ich hier demnächst erst noch erklären...
*Und die Operation im letzten November habe ich ja erstmal abgesagt... Ob ich sie dieses Jahr doch noch machen lasse ist derzeit noch offen...

LINKS:

*Zum Blog-Starteintrag:
http://aurisa.twoday.net/stories/1504914/comment

Häufige Fragen zur TI

Was ist Transidentität?
Transidentität, besser bekannt als Transsexualität, ist ein Störung der Geschlechtsidentität.
Menschen die körperlich ganz normale Männer sind fühlen sich trotzdem als Frauen oder umgekehrt.
Das gefühlte Geschlecht, das im Gehirn festgelegt wird, widerspricht also dem körperlichen Geschlecht.
Transidente Menschen empfinden einen starken Drang in dem Geschlecht zu leben, dem sie sich zugehörig empfinden, obwohl das ihrem körperlichen Geschlecht widerspricht.



Was sind die Ursachen von Transidentität?
Die Ursachen von Transidentität sind noch nicht ausreichend erforscht.
Sicher ist, daß Transidentität nicht erblich ist.
Aber Transidentität ist auch nicht anerzogen, sonst wäre es möglich sie auch wieder 'abzuerziehen'. Das ist aber gerade nicht möglich.
Es wird vermutet, daß Transidentität durch ein Ungleichgewicht der Sexualhormone der Mutter - zum Beispiel durch Stress - während der Schwangerschaft entsteht.
Diese mütterlichen Sexualhormone beeinflussen die Gehirnentwicklung des Fötus und können möglicherweise das Gehirn des Kindes dauerhaft so verändern, daß dieses später Transident wird oder auch Homosexuell, je nachdem in welchem Stadium der Gehirnentwicklung das Hormonungleichgewicht auftritt.
Diese Forschungsergebniss sind meines Wissens aber bisher noch nicht gesichert.
Bei erwachsenen Transidenten wurde außerdem festgestellt, daß bei ihnen ein bestimmtes Hirnareal das bei Männern und Frauen verschieden groß ist, jeweils der Größe ihres gefühlten Geschlechtes entspricht und eben nicht ihrem körperlichen Geschlecht.
Es wird vermutet, daß dieses Hirnareal der Sitz der Geschlechtsidentität ist.
Falls das stimmen sollte, hätten körperlich männliche Transidente also tatsächlich ein weibliches Gehirn und umgekehrt.



Ist Transidentität eine Krankheit?
Die Weltgesundheitsorganisation stuft sie als Krankheit ein.
In Deutschland ist gilt Transidentität rechtlich nicht als Krankheit, hat aber krankheitswert, was für alle Betroffenen in der Praxis auf dasselbe hinausläuft.
Die Transidenten selbst fühlen sich selbst meisst nicht krank sondern leiden einfach nur unter der Diskrepanz zwischen ihrem empfundenen und dem körperlichen Geschlecht, sowie unter den Reaktionen der Mitmenschen.



Ist Transidentität heilbar?
Man kann Transidentität nicht durch Psychotherapie (weg)therapieren, da sie nicht erlernt sondern viel tiefer in der Persönlichkeit verankert ist. Auch eine medikamentöse Behandlung oder (Gehirn-)operation ist nicht möglich. Die einzig mögliche 'Therapie' ist die Geschlechtsangleichung.
Dadurch wird die Transidentität zwar nicht geheilt, aber das Leiden der Betroffenen an ihr zumindest gemildert.



Was sind die Unterschiede zwischen Transidenten, Transsexuellen und Transgendern?Transidente ist der neuere Begriff für Transsexuelle.
Im Deutschen wird, im Gegensatz zum Englischen leider nicht zwischen dem körperlichen Geschlecht (englisch: sex) und dem seelischen Geschlecht also der Geschlechtsidentität (englisch: gender) unterschieden. Darum wurden die Transidenten früher einfach Transsexuelle genannt, ohne zu bedenken, daß das '-sexuell' missverständlich und auch diskriminierend ist, da es bei Transidenten ja nicht um sexualität sondern um Geschlechtsidentität geht.
Darum wird heute in Deutschland bevorzugt der Begriff Transident anstelle des veralteten Transsexuell verwendet.
Das englische Transgender wird dagegen in Deutschland weiter verstanden als das Transident, d.h. Unter Transgender fallen alle 'Zwischenformen' zwischen 'normalen' Frauen und Männern, also nicht nur Transidente, sondern z.B. auch sogenannte 'Shemales', also körperliche Männer die ihren Penis noch haben (und ihn manchmal auch behalten wollen), aber gleichzeitig auch weibliche Rundungen besitzen.
Da der Begriff Transgender aber sehr schwammig ist, ist oft unklar wer alles dazu gehört und wer nicht.
Intersexuelle etwa, also die Menschen, die man früher Zwitter nannte, d.h. Menschen mit von Geburt an nicht eindeutigem Geschlecht sehen sich oft nicht als Transgender und wollen dann auch nicht so bezeichnet werden.
Somit sind alle Transidenten auch Transgender, aber nur ein Teil der Transgender sind auch gleichzeitig Transident.



Was ist der Unterschied zwischen Transidenten und Intersexuellen?
Transidente sind vor der Geschlechtsangleichung körperlich eindeutig männlich oder weiblich. Nur ihr Gehirn hat ein anderes Geschlecht.
Intersexuelle dagegen sind körperlich gerade nicht eindeutig männlich oder weiblich sondern stehen körperlich von Geburt an mehr oder weniger stark zwischen den Geschlechtern.
Intersexualität ist ein medizinisches Ausschluskriterium für Transidentität.
Wer Transident ist kann also nicht gleichzeitig Intersexuell sein und umgekehrt. Beides schliesst sich aus.
Die Grenzen verschwimmen allerdings manchmal, wenn ein körperlich weitgehend eindeutiger Intersexueller sich dazu entschliesst eine Geschlechtsangleichung zum entgegengesetzten Geschlecht vornehmen zu lassen...



Was ist der Unterschied zwischen Transvestiten und Transidenten?
Im Gegensatz zu Transidenten fühlen sich Transvestiten nicht als Frauen, sondern haben nur das Bedürfnis zeitweise in deren Rolle zu schlüpfen, sprich sich als Frauen zu verkleiden.
Die Motive dafür sind in der Regel sexueller Natur, d.h. es macht Transvestiten an, sich selbst als Frau zurechtgemacht zu erleben.
Dagegen ist es das Ziel von Transidenten als Frauen zu leben, weil sie sich als solche empfinden.
Transvestiten sind oft schrill und übertrieben weiblich gekleidet und geschminkt, und da es sehr viel mehr Transvestiten als Transidente gibt, und in der Öffentlichkeit die Unterschiede wenig bekannt sind, prägen und verzerren die Transvestiten auch das Bild von den Transidenten mit, oft zum Ärger der Transidenten.
Während es bei den Transvestiten – vereinfacht gesagt - vor allem um Spaß (und Sex) geht, geht es den Transidenten um ein ernstes und für sie lebenswichtiges Thema, und darum sehen sie es äußerst ungern, wenn sie mit den Transvestiten in einen Topf geworfen werden und so in der 'Schmuddelecke' landen. Allerdings sind die Grenzen zwischen Transvestiten und Transidenten nicht eindeutig festzulegen, es gibt da sehr viel Grau...
So manche Transidente macht am Anfang eine transvestitische Phase durch in der die Sexualität im Vordergrund steht.



Sind Transidente dasselbe wie Homosexuelle?
Nein, das was eine Transidente ausmacht, ist daß ihre Geschlechtsidentität nicht zu ihrem biologischen Geschlecht, also dem körperlichen Geschlecht mit dem sie geboren wurde passt.
Diese Geschlechtsidentität hat aber wenig zu tun mit der Geschlechtspartnerwahl.
Es gibt viele transidente Frauen, die sich schon immer nur für Männer interessiert haben. Sie sehen sich selber aber nicht als Homosexuell, weil sie sich ja als Frauen fühlen, nur eben im falschen Körper. Umgekehrt sind die Transidente, die sich nur für Frauen interessieren nach der Operation gewissermaßen lesbisch...



Wie spricht man Transidente an, als Herr oder Frau?
Es ist üblich eine Transidente entsprechend ihrem gefühltem, also dem Zielgeschlecht anzusprechen, eine transsexuelle Frau also mit Frau X oder ihrem weiblichen Vornamen, je nachdem. Das gilt auch dann, wenn die Transidente noch nicht offiziell Frau ist, d.h. Der neue Vorname wird auch dann benützt, wenn er noch nicht im Pass steht, und die Anrede Frau wird auch schon vor der Personenstandsänderung.
Das ist rechtlich zwar keine Pflicht, aber die Höflichkeit erfordert es. Wer eine Transsexuelle absichtlich und obwohl sie darum gebeten hat als Frau angesprochen zu werden weiter als Mann anspricht zeigt damit daß er sie nicht respektiert.
Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist, wenn die Transsexuelle selber darum bittet, noch nicht als Frau angesprochen zu werden, z.B. weil sie noch nicht soweit ist, immer und überall als Frau aufzutreten.

Wann merken Transidente, daß ihr gefühltes Geschlecht nicht zu ihrem körperlichen passt?
Es gibt unter den Transidenten zwei Gruppen. Die einen wissen schon im Alter von etwa 3-5 Jahren, also noch vor Beginn der Schulzeit, daß sie keine Jungen sondern Mädchen sind, oder umgekehrt.
Die anderen verspüren in der Kindheit nur ein diffuses Unsicherheit, ein ungewisses Unbehagen, das Gefühl, daß irgendetwas mit ihnen nicht stimmt ohne, daß sie benennen könnten was.
Bei dieser zweiten Gruppe wird erst in der Pubertät klar, was mit ihnen los ist. Die Transidentität war aber schon vorher da. Sie haben schon vorher entsprechend dem körperlich anderen Geschlecht gedacht und gefühlt, nur war dies weniger offensichtlich als bei der ersten Gruppe.




Stehen Transidente auf Männer oder auf Frauen?
Bei Transidenten ist das wie bei allen anderen Menschen auch, manche stehen auf das andere Geschlecht, einige aber auch auf das eigene, oder auf beide.
Ein paar Unterschiede gibt es aber doch.
Zum einem gibt es recht viele transidente Frauen, die auch als noch 'männliches' Kind/Jugendlicher immer schon auf Männer standen. Das gilt besonders oft für die Transidente, die sich schon im frühen Kindesalter als Mädchen gefühlt haben.
Dann gibt es die anderen, die sich noch nie etwas aus Männern machten, und die auch nach der Geschlechtsangleichung nur Frauen attraktiv finden. Diese finden sich vor allem in der Gruppe der Transidenten, die erst in der Pubertät ihre Transidentität als solche erkannten.
Es gibt aber bei den Transidenten auch eine große dritte Gruppe, bei denen sich auch die sexuelle Orientierung im laufe der Geschlechtsangleichung ändern kann, hin zum ehemals 'eigenen' Geschlecht. Dabei kann diese Änderung erst nach der abgeschlossenen Angleichung eintreten, aber auch ganz am Anfang oder irgendwo mittendrin.



Wie läuft eine Geschlechtsumwandlung (besser: Geschlechtsangleichung) ab?
Die Transidente muss durch mehrere Gutachten Nachweisen, daß sie wirklich Transident ist, außerdem muss sie durch einen sogenannten mindestens einjährigen Alltagstest nachweisen, daß sie auch in der Lage ist, als Frau zu leben, d.h. Sie muss in dieser Zeit ständig als Frau leben.
Das ist Voraussetzung um überhaupt eine Geschlechtsumwandlung vornehmen zu dürfen, und um nach dem Transsexuellengesetz Vornamen und Personenstand ändern zu dürfen.
Wobei der Alltagstest nicht im Gesetz steht. Er wird aber allgemein vorausgesetzt, weil er in den amerikanischen 'Standarts of care' zur Behandlung von Transidentität steht. Diese sind in Deutschland zwar nicht verbindlich, aber schon aus haftungsrechtlichen Gründen werden Ärzte normalerweise auf der Einhaltung dieser Regeln der ärztlichen Kunst bestehen.
In der Regel bekommen die Transidenten erst danach Hormone des anderen Geschlechtes.
Dadurch entwickeln sich bei transidenten Frauen Brüste und die anderen weiblichen Rundungen.
Die zu tiefe, männliche Stimme ändert sich nach dem Stimmbruch durch die weiblichen Hormone aber nicht mehr, da die Stimmbänderdabei durch das männliche Testosteron gewachsen sind, und durch weibliche Hormone nicht mehr kleiner werden.
Es bleibt nur die Möglichkeit, zu lernen weiblicher zu sprechen (z.B. beim Logopäden), oder schlimmstenfalls eine Stimmband-Verkürzung per Operation. Diese ist aber riskant und die Ergebnisse oft unbefriedigend bis katastrophal.
Außerdem werden Bart- und andere männliche Behaarung entweder per elektrischer Verödung entfernt (jedes Haar einzeln mittels einer Nadel die in den Haarkanal gestochen wird... und das oft mehr als einmal...), oder mittels Laser oder Blitzlampe verbrannt (und die Haut natürlich mit...).
Umgekehrt kommen transidente Männer durch die Gabe männlicher Hormone in den Stimmbruch und bekommen dadurch eine tiefere Stimme. Außerdem wachsen ihnen dadurch die Bart- und Körperhaare.Als letztes folgt schließlich die geschlechtsangleichende Operation (s.u.).



Zahlt die Kasse das alles?
Das lässt sich leider nicht so klar beanworten...
Transidentität wird medizinisch als Krankheit betrachtet. Dabei passen bekanntermaßen der eigene Körper und die Geschlechtsidentität im Kopf nicht zusammen. In der Vergangenheit wurde vergeblich versucht, diese Krankeit weg zu therapieren, also die Geschlechtsidentität dem Körper anzupassen.
Da das aber nicht funktioniert, bleibt als einzige Therapie nur den Körper der seelischen Geschlechtsidentität anzugleichen. Das ist zwar keine Heilung, aber es ermöglicht, wenn alles gut geht der Transidenten anschließend ein leidensfreieres, oder überhaupt ein weiterleben.
Jetzt sind die Kassen aber zwar verpflichtet für die Behandlung von Krankheiten zu bezahlen, aber nur das medizinisch notwendige und ausreichende, d.h. Sie zahlen (oft) nicht alles, bzw. es werden eventuell Zuzahlungen fällig. Das ist aber von Fall zu Fall, und vor allem von Kasse zu Kasse verschieden.
Probleme macht vor allem immer wieder die Haarentfernung per Laser. Obwohl es diese Methode schon lange gibt behaupten die Kassen immer noch es sei keine erprobte Methode und weigern sich darum, sie zu bezahlen. Bezahlt wird stattdessen oft nur die Laserepilation die nicht nur viel schmerzhafter ist und viel länger dauert sondern in aller Regel auch noch deutlich teurer ist als die Laserepilation...



Wie ist das alles juristisch geregelt?
Seit 1980 ist die Änderung des Vornamens und des Personenstandes bei Transidentität im Transsexuellengesetz geregelt.
Darin werden den Transidenten zwei verschieden Möglichkeiten eingeräumt:
1.Kann die Transidente sich mit der sogenannten 'kleinen Lösung' begnügen.
Bei der kleinen Lösung werden nur die Vornamen geändert, die Transidente bleibt aber offiziell ein Mann. Gedacht ist diese Variante vor allem für Menschen, bei denen einen vollständige Geschlechtsangleichung aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, sinnvoll kann sie aber auch als Kompromiss für diejenigen sein, die nicht oder noch nicht den großen Schritt zur Frau gehen wollen.
2.Die Grosse Lösung umfasst neben der Vornamensänderung auch die Personenstandsänderung, d.h. Die Transidente ist dann auch juristisch eine Frau. Voraussetzung ist aber die vorhergehende geschlechtsangleichende Operation.
Soviel in Kürze. Das Ganze ist natürlich viel komplizierter. Ich habe hier eine juristische Dissertation, in der der Verfasser über die 16 Paragraphen des Transsexuellengesetzes fast 300 Seiten geschrieben hat, und da ist durchaus nichts überflüssiges dabei!
Das Transsexuellengesetz gilt allgemein als veraltet, was man schon am Namen sehen kann.
Aus Sicht der Betroffenen besteht daran in vielen Punkten dringender Reformbedarf.
In der letzten Legislaturperioder gab es auch einen gesetzgeberischen Ansatz dazu, der aber im Sande verlaufen ist. Eine Neuregelung ist darum nicht in Sicht.



Was wird bei der Operation (Mann zu Frau) gemacht?
Vereinfacht gesagt, wird dabei dem 'besten Stück' der Transidenten das 'Fell', sprich die Haut, über die 'Ohren' gezogen. Die Hoden werden ebenso wie die Schwellkörper des Penis entfernt und landen im (Sonder-)Müll der Klinik, falls die sie nicht gerade in Formalin einlegen wollen.
Dann wird dort, wo später die Vagina sitzen soll, ein Hohlraum geschaffen, und mit der nach innen gestülpten Haut des Penis ausgekleidet. Die Haut der Hoden wird für die Schaffung der Schamlippen verwendet. Viele Operateure verwenden außerdem die Eichel oder Teile davon als Klitoris.



Wie ist das mit der Sexualität?
Auch ohne Penis und Hoden soll ein Orgasmus möglich sein. Natürlich gibt es ohne Schwellkörper keine Erektion mehr, die währe auch mehr als unerwünscht, und ohne Hoden logischerweise auch keinen Samenerguss mehr. Die Prostata wird jedoch nicht entfernt, und daher kann auch eine Transidente Frau 'feucht' werden.
Da das größte Geschlechtsorgan des Menschen bekanntlich nicht zwischen den Beinen sondern zwischen den Ohren sitzt scheint es mir durchaus glaubwürdig, daß es einen Orgasmus auch nach der Operation geben kann, allerdings habe ich auch schon anderes gehört.
Und Voraussetzung ist auf jeden Fall, daß die Operation auch gut verlaufen ist, daß insbesonders die Vagina nicht wieder zuwächst, und die Nerven in der Haut nicht zerstört werden, sonst kann die Vagina gefühllos bleiben, oder schlimmstenfalls kann sie sogar absterben oder auch einfach wieder zuwachsen.
Zur Erfolgsquote kann ich nichts sagen, da bei so intimen Dingen naturgemäß keine Statistiken geführt werden, und auch nicht unbedingt jede ehrlich antwortet, falls das Ergebnis der Operation nicht so ist, wie sie sich das gewünscht hätte. Wer gesteht sich schon gerne ein, daß das alles nicht so toll geworden ist...

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