Samstag, 18. Februar 2006

Die GA-OP: richtige und falsche Gründe dafür...

Hallo zusammen,
Gründe dafür etwas zu tun oder zu lassen gibt es eigentlich immer...
Die eigentliche Frage ist, ob es die richtigen oder die falschen Gründe sind...

*ein falscher Grund mich für die Operation zu entscheiden wäre es, weil ich so lange darauf hin gearbeitet habe, weil es mich so viel Zeit und Mühe gekostet hat soweit zu kommen die Operation machen lassen zu dürfen... und weil das nicht alles 'vergeblich' gewesen sein soll...
Wer A sagt muss eben NICHT auch B sagen!
Wenn sich die Umstände ändern oder wenn man sich selber ändert, die eigenen Ansichten und Prioritäten, dann muss man auch dazu fähig sein sich der neuen Lage anzupassen.
Etwas zu machen, obwohl es einem heute nicht mehr wichtig ist oder nicht mehr richtig erscheint, nur weil es einem früher mal wichtig war, nur weil man schon viel dafür investiert hat... das ist einfach nur dumm...

*ein falscher Grund mich dafür zu entscheiden wäre es, weil 'das einfach dazu gehört', weil Frau ohne die Operation 'gar keine richtige Transidente und auch keine richtige Frau sei', so die Meinung mancher Leute, vor allem die vieler operierter und die Operation anstrebender Transidenten...
Kaum zu glauben, daß ich selber früher auch mal so einen Unsinn gedacht habe *kopfschüttel*... Das ist allerdings schon ziemlich lange her...
Nein, ob man TI und Frau ist, das entscheidet sich im Kopf... und nicht daran was man zwischen den Beinen hat oder an sonstigen Äußerlichkeiten...

*ein falscher Grund wäre es auch, wenn ich es machen lassen würde, weil ich es vorher angekündigt habe, daß ich sie machen lasse... und darum das Gefühl habe, ich müsste sie jetzt auch wirklich machen lassen...
Das nur deswegen machen zu lassen, weil irgendjemand es von mir erwartet, nachdem ich jetzt so lange davon geredet habe, das wäre wirklich unglaublich dumm...
Schließlich ist es mein Leben und ich muss entscheiden, wie ich es leben will... Was 'irgendjemand' davon hält und ob man sich über mich lustig macht oder sonstwas, weil ich die OP eventuell nicht machen lasse... das muss mir egal sein...

*ein falscher Grund wäre es auch, es machen zu lassen, weil ich jetzt seit fast drei Jahren einen Blog zur Transidentität führe und ich in diesem natürlich gerne über die ganze Geschlechtsangleichung schreiben würde, einfach um die Sache wirklich rund zu machen und nicht mittendrin mit diesem Blog aufzuhören...
Aber... auch wenn man als Schreiber sich seinen Lesern irgendwo verpflichtet fühlt... mich nur deshalb operieren zu lassen, weil das einen hohen Informations- und Unterhaltungswert für das Bloggen hätte... soweit will ich dann doch nicht gehen ;)...
SO bescheuert, DAS zu tun, nur um hinterher darüber bloggen zu können bin ich dann doch nicht ;)...
Immerhin muss ich mit dem Ergebnis den Rest meines Lebens verbringen...

*ein ganz falscher Grund die OP machen zu lassen wäre zu glauben, die Akzeptanz der Umwelt würde nach der Operation größer werden...
Das wird sie nicht. Ob man operiert ist oder nicht sieht normalerweise kein Mensch. Dadurch sieht man im Alltag auch nicht weiblicher aus. Und normalerweise ist man auch nicht dazu verpflichtet jemand zu sagen, ob man operiert ist oder nicht...

*ein falscher Grund die Operation machen zu lassen wäre es auch, weil ich dann wieder jahrelang auf einen neuen Termin warten müsste, falls ich es mir später doch noch mal anders überlegen sollte, wenn ich den Termin nicht wahrnehme...
Das wäre immer noch besser als eine Operation machen zu lassen und später festzustellen, daß man die falsche Entscheidung getroffen hat...

*ein falscher Grund wäre auch, die OP machen zu lassen, weil ich ohne nicht mehr schwimmen gehen oder mich sonst entblössen mag...
Entweder man meidet solche Situationen dann halt eben oder man gewöhnt sich daran... aber das alleine kann kein Grund sein, die OP machen zu lassen, denn damit würde man sagen: Ich mache die Operation wegen den Mitmenschen, deren Reaktionen mir unangenehm sind.
Aber das ist falsch! Die Operation sollte man für sich selber machen, nicht wegen den Reaktionen der Leute!

*ein falscher Grund die Operation machen zu lassen wäre auch die Sexualität. Die Hoffnung, danach wieder mehr zu spüren kann kein Grund für die Operation sein, schleßlich wusste ich vorher schon, daß ich für die Transidentität zumindestens einen Teil meiner Sexualität, schlimmstenfalls die ganze opfern muss.
Das ist ein Teil des Preises, den ich dafür bezahlen muss und weil ich mich für die Transidentität und damit gegen die Sexualität entschieden habe, bedeutet das, daß die TI mir wichtiger ist. Darum kann die Sexualität bei der Entscheidung für oder gegen die Operation keine entscheidende Rolle spielen.

*ein falscher Grund mich für die Operation zu entscheiden wäre auch die Rechtssicherheit die ich dadurch bekäme... die rechtliche Anerkennung als Frau...
Sicher wäre das schön und manchmal vielleicht auch hilfreich... aber entscheidend für mich ist nicht, was im Gesetzt steht... entscheidend ist, als was ich mich fühle...
Schließlich haben sich früher Transidente auch operieren lassen, als es noch keine gesetzliche Anerkennung als Frau gab...

*ein falscher Grund, die OP machen zu lassen wäre es auch, weil ich mir so wie ich jetzt bin kaum eine Beziehung vorstellen kann und in der Hoffnung, daß ich nach der Operation freier wäre mich auf irgendetwas einzulassen... und daß sich vielleicht irgendwann dann auch tatsächlich etwas ergeben könnte...
Letztlich muss ich - gerade als TI-Frau! - in der Lage sein auch alleine klar zu kommen, keine Beziehung zu brauchen. Und das kann ich. Man sollte sein Lebensglück nicht an andere Menschen hängen...
und schon gar nicht die Operation in der vagen Hoffung machen lassen, das sich dann vielleicht doch irgendwann mal eine Beziehung ergeben könnte...

*ein falscher Grund wäre es auch, sich zu operieren, weil man glaubt es tun zu müssen...
Auch wenn unser 'freier Wille' wohl nicht so frei ist wie wir glauben oder es uns wünschen würden... aber zumindest eine gewisse Wahlfreiheit haben wir doch immer... Wir können uns unsere Zwänge aussuchen wie es Anja so treffend formulierte...
Und sich deswegen operieren zu lassen, weil man glaubt man müsste das tun, das halte ich für den ganz falschen Ansatz... auch und gerade weil ich selber das früher auch mal geglaubt habe...
Sterben müssen wir alle irgendwann... ansonsten hat man immer die Wahl zwischen mehreren Alternativen...
Und sich einzureden: Ich MUSS diese Operation jetzt machen lassen, weil ich sonst nicht weiterleben kann und mir das Leben nehmen muss! Das halte ich heute für ausgemachten Unsinn... Ich denke es gibt immer Alternativen, immer andere Möglichkeiten...
Aber viele Betroffene sind emotional so unter Druck, haben sich selber so sehr eingeredet, daß sie das machen müssen, daß sie sich gar keine Alternative dazu mehr vorstellen können und wollen...
Aber sich nur wegen einem solchen selbstgemachten Druck operieren zu lassen, nein das kann nicht richtig sein...
Nur wenn man eine echte Wahl hat, kann man eine echte Entscheidung für oder gegen etwas treffen!
Wenn ich etwas nur tue, weil ich glaube, es tun zu müssen, dann ist das ebensowenig eine freie Entscheidung, als wenn mir jemand eine Pistole an den Kopf hält und mich zwingt etwas zu tun!
Und so eine Entscheidung unter Zwang, egal ob fremden oder selbstgemachten - kann nie frei sein... und ist daher nicht gut!
Denn das bedeutet doch, daß ich irgendwann später erkennen kann, daß ich das gar nicht tun musste, daß ich auch eine andere Wahl gehabt hätte... und dann bereut man seine Entscheidung...
Das kann man nur vermeiden, wenn man vorher wirklich die Wahl hatte und ganz bewusst seine Wahl zwischen den verschiedenen Möglichkeiten getroffen hat...

*ein falscher Grund sich operieren zu lassen wäre auch zu glauben, danach würde alles gut...
Das wird es nicht werden. Die Probleme die man vorher hatte bleiben einem auch hinterher erhalten. Die lassen sich nicht wegoperieren. Und die Enttäuschung ist dann vorprogrammiert.
Je größer die Erwartungen sind mit denen jemand in so eine Operation geht, desto größer wird die Enttäuschung sein und umso sicherer wird sie kommen...

All das sind die FALSCHEN Gründe, sich für die Operation zu entscheiden... und vielleicht fallen mir später noch mehr ein...

Ich glaube es gibt eigentlich NUR falsche Gründe sich für diese Operation zu entscheiden... mit einer einzigen Ausnahme...

Der einzige richtige Grund, sich operieren zu lassen ist meiner Meinung nach es wirklich zu WOLLEN - wie gesagt nicht zu müssen, sondern zu wollen... -, von ganzem Herzen und nicht nur halbherzig, das sichere Gefühl zu haben, daß die geschlechtsangleichende Operation das RICHTIGE für einen ist... und daß einem die Operation so WICHTIG ist, daß man bereit ist dafür alle Konsequenzen in kauf zu nehmen...

Darum habe ich die Operation in Essen nicht machen lassen... weil ich erkannt habe, daß all die oben genannten Sachen die falschen Gründe wären sich für die Operation zu entscheiden...
Schon kurz vor Essen erkannt hatte ich erkannt, daß ich die Operation NICHT machen muss, wie ich früher geglaubt hatte, sondern, daß ich sie machen lassen KANN... oder eben auch darauf verzichten kann...
Aber da dachte ich noch, daß ich sie auch machen lassen WILL... sonst wäre ich gar nicht erst nach Essen gefahren...
Oh ja, ich hatte gewisse Zweifel, ob ich wirklich das richtige tue... aber ich dachte das wäre normal, vor so einer großen Operation und das ist es sicher auch...
Erst in Essen ist mir dann klar geworden, daß ich die Operation nicht nur nicht mehr machen muss, sondern, daß auch der Wunsch sie machen zu lassen längst nicht mehr so stark ist wie früher... weil ich erkannt habe, daß es wichtigeres gibt für mich im Leben, weil es für mein TI- und Frausein, für mein Selbstbild und Selbstbewusstsein nicht mehr entscheidend ist, ob ich operiert bin oder nicht...
Erst in Essen ist mir also klar geworden, daß diese Operation nicht mehr so wahnsinnig wichtig für mich ist... und darum kamen mir Zweifel ob es unter diesen Umständen wirklich richtig ist sie machen zu lassen...
Ein so großer unumkehrbarer Eingriff für eine Sache die einem nur noch mittelprächtig wichtig ist...???
Nein, dazu konnte ich guten Gewissens nicht mehr ja sagen...
Und darum war es in Essen die einzig richtige Entscheidung NEIN zu sagen und unverrichteter Dinge wieder heim zu fahren...
Bei so einer Sache muss man mit dem ganzen Herzen dabei sein... oder es lassen...

Und seither versuche ich mir in Ruhe darüber klar zu werden, ob ich mich doch noch dafür entscheiden oder das alles vergessen soll...

Ich kann guten Gewissens nur dann ja sagen, wenn mein Herz JA sagt...
Darauf kommt es an... und nur darauf... alle anderen Gründe für die Operation sind falsche Gründe!
So etwas kann man nicht mit dem Kopf entscheiden... und man sollte seine Entscheidung schon gar nicht von irgendwelchen falschen Gründen beeinflussen lassen...

Und bisher ist mein Herz noch unentschlossen...
Will ich das wirklich? Ist es mir den Preis wert, den ich dafür zahlen muss?

Das versuche ich seit Essen herauszufinden...

Und habe dabei ein Problem...
Ich hätte ja im August noch einen Ausweichtermin für die Operation...
Ja und darum sollte ich rechtzeitig vorher wissen, was ich will... möglichst bis spätestens Mitte Juni...
Denn ich möchte nicht, daß es mir noch einmal wie in Essen geht, ich will nicht noch einmal im letzten Moment Zweifel bekommen und dann die Operation absagen...
Es war mir gar nicht recht in Essen Umstände gemacht, Kosten verursacht und einen Termin blockiert zu haben, so daß andere Betroffene wegen mir länger warten mussten, wenn auch nur wenige Wochen...
Aber es ging nunmal nicht anders... Ich konnte guten Herzens nicht ja zur Operation sagen und da mir das erst in Essen klar wurde konnte ich auch erst dort absagen...
Und es wäre auch einer der ganz falschen Gründe gewesen, die OP trotzdem machen zu lassen, nur weil es einem unangenehm ist unnötige Umstände gemacht zu haben und man darum das Gefühl hat, man müsste deswegen die OP jetzt auch machen lassen...
Jedenfalls will ich es vermeiden, daß mir im August nochmal dasselbe Passiert wie in Essen...
Ich will nicht nochmal unnötige Umstände verursachen...
ABER... falls mir im August wieder im letzten Moment Bedenken kommen sollten, dann müsste und würde ich die OP wieder kurzfristig absagen... denn wie gesagt wäre es einfach FALSCH sie machen zu lassen, wenn man sich nicht sicher ist!
Weil ich so eine Situation aber wenn irgend möglich nicht noch einmal erleben will, sollte ich mich eben möglichst bis Juni entschieden habe, ob ich die OP machen lassen will oder nicht...
Falls ich bis dahin immer noch zu keiner Entscheidung finden konnte, oder selbst dann, wenn ich zwar JA sage, aber trotzdem noch Zweifel habe, dann werde ich die OP rechtzeitig vorher, also im Juni absagen... auch wenn das bedeutet, daß ich sie dann für sehr lange, wenn nicht für immer nicht mehr machen lassen werde...
weil ich dann wieder jahrelang auf einen neuen Termin warten müsste...

Also sollte ich eben bis Juni wissen, was ich will... oder eben nicht will...

Nicht einfach, denn so eine Herzensentscheidung kann man nicht erzwingen...

Und auf Probe operieren geht nun mal leider nicht...

Darum habe ich im Dezember zuerst ganz klein damit angefangen, wie sich typische Frauensachen für mich anfühlen...
Zuerst war ich bei der Kosmetikerin um zu sehen wie es sich für mich anfühlt mir die Wimpern färben und die Augenbrauen auszupfen zu lassen... gut oder schlecht?
Fühlt es sich für mich gut und richtig an, mich ein wenig weiblich zurecht zu machen...?
Und wie fühlt es sich an, eher neutral bis männlich rumzulaufen...?
Die Antwort war ebenso klar wie eindeutig und eigentlich auch wie schon bekannt und erwartet...
Je weiblicher die Klaudia, die ich im Spiegel sehe rüberkommt, desto wohler fühle ich mich...

Mit der Operation würde es mir sicher auch so gehen, aber wäre sie mir wichtig genug, um mich dafür operieren zu lassen...?
Diese Frage ist leider nicht so einfach zu beantworten...

Und darum war mein nächster Schritt, mir das permanent Make-Up machen zu lassen...
Auch das keine Operation... aber immerhin ein, wenn auch kleiner, körperlicher Eingriff... unangenehm und schmerzhaft und zwar nicht für immer aber trotzdem recht dauerhaft...
Alles nicht mit der Operation vergleichbar, aber es geht in dieselbe Richtung, wenn auch in viel kleinerem Maßstab...
Und es ist etwas, was mich ein wenig fraulicher macht, weil ich damit für jeden aufmerksamen Beobachter sichtbar ständig 'geschminkt' bin...
Und... auch wenn das permanent Make-UP noch nicht ganz fertig ist... ich kann jetzt schon sagen, daß ich mich damit wohl fühle...
Das ist noch kein Ja zur Operation, aber ein Indiz dafür, daß wahrscheinlich auch diese sich gut und richtig für mich anfühlen würde, wenn ich sie machen lassen sollte...

Aber noch habe ich keine Entscheidung dafür oder dagegen getroffen...

Wirklich schade, daß man sich nicht auf Probe operieren kann...
Nein, DAS kann man tatsächlich nicht... aber... ich habe da so eine gewisse Idee ;)... wie ich mir über meine Entscheidung für oder gegen die Operation möglicherweise klar werden könnte...

Was für eine Idee das ist, das wird jetzt noch nicht verraten... nicht solange ich noch nicht weiss, ob es wirklich klappt...
Aber ich kann euch sagen, daß Tante Aurisa momentan wieder dieses gewisse schelmische Funkeln in den Augen hat ;)...

Das werde ich schon noch hinbekommen mich bis Juni für oder gegen die Operation zu entscheiden...

Viele Grüßle

Aurisa

Tuntenfische und anderer tierischer Schweinkram ;)...

Hallo zusammen,
ja ihr habt schon richtig gelesen... nicht Tinten- sondern Tuntenfische ;)...

Diesen lustigen Begriff hat ein P.M. Autor für einen Artikel über die Zukunft der Liebe geprägt...

Gemeint sind damit männliche Exemplare einer australischen Tintenfischart... und dabei die kleinen Männchen...
Da diese sonst keine Chance hätten, sich gegen die größeren Exemplare beim Kampf um die weibchen durchzusetzen, greifen sie zu einem Trick.
Sie wechseln die Farbe und täuschen so vor Weibchen zu sein... Wenn sie sich so getarnt an den Konkurrenten vorbei zu den Weibchen geschlichen haben, wechseln sie wieder zu ihrer männlichen Farbe (wie immer die aussehen mag... Es wurde leider nicht gesagt, ob männliche Tintenfische babyblau und weibliche rosa sind ;) oder welche Farben bei diesen Tieren sonst geschlechtstypisch sind...) und kommen zur Sache...

Darum also Tuntenfische... das Wort finde ich zum kringeln :)....

Ja die Natur... auch und gerade in Sachen Sexualität gibt es dort fast nichts, was es nicht gibt...

Daß Homosexualität bei Tieren häufig vorkommt ist so ein alter Hut, daß ich es hier kaum zu erwähnen wage ;)...

Unsere Verwandten, die Bonobos machten wohl schon 'make love, not war', als wir noch auf den Böumen saßen ;)... sprich sie nutzen Sex um die Harmonie in der Gruppe aufrecht zu erhalten und um bei Konflikten wieder Frieden zu schaffen...
Ein durchaus sympathischer Zug finde ich... jedenfalls allemal besser als Kriege zu führen...
Außerdem scheint es gerade denen auch ziemlich egal wer mit wem, ob Männlein oder Weiblein, womit wir also auch die Bisexualität im Tierreich wiedergefunden hätten...

Andere Arten - ich glaube es waren die Schleimpilze, könnte das jetzt aber nicht beschwören - beschränken sich nicht auf nur zwei Geschlechter, sondern haben ein halbes Dutzend oder mehr davon...
Man mag sich gar nicht die Verwicklungen ausmalen, die es gäbe, wenn das bei uns auch so wäre *g*...

Hyänenweibchen wieder sind durch die vielen männlichen Hormone, die sie haben um aggressiv genug zu sein um sich in der Gruppe durchzusetzen, stark vermännlicht, haben darum eine stark vergrößerte penisartige Klitoris und sind darum äußerlich kaum von Hyänenmännchen zu unterscheiden...
Sie sind also gewissermaßen eine Art 'natürliche Transsexuelle' ;)...

Noch weiter geht eine bestimmte Fischart... dort gibt es jeweils nur ein Männchen und sonst nur Weibchen...
Und der Clou ist... wenn das Männchen stirbt, oder sonstwie aus der Gruppe verschwindet, dann wird das stärkste Weibchen zum Männchen!
Eine natürliche perfekte Geschlechtumwandlung...
Von sowas kann ich leider nur träumen *seufz*...
Da ist uns die Natur weit voraus... Wir schaffen bei aller Medizintechnik nur eine ANGLEICHUNG an das andere Geschlecht, aber keine echt UMWANDLUNG...
Darum schreibe ich hier ja auch immer GeschlechtsANGLEICHUNG, weil GeschlechtsUMWANDLUNG falsch oder zumindest unpräzise und übertrieben ist...

Ja und dann waren da noch die Tiefseefischmännchen die im Vergleich zu ihren Weibchen winzig sind und fast ihr ganzes Leben als Anhängsel der Weibchen verbringen, mit diesen verschmolzen und durch deren Blutkreislauf ernährt...
Auf diese Weise vermeiden die beiden sich in der lichtlosen Tiefsee zu verlieren und vielleicht nie wiederzufinden...
Es gibt sogar Tiere (Tiefseewürmer, soweit ich mich erinnere), wo die viel kleineren Männchen IN den Weibchen leben...
Und ich habe auch schon mal die Meinung gehört, daß das männliche Y-Chromosom nichts anderes als die Reste eines Bakteriums sei, das irgendwann in die bis dahin rein weibliche Zelle eingedrungen sei mit dieser verschmolzen sei und es erst seither überhaupt Sexualität und Männer gibt... aber ich glaube das ist genauso ein Mythos wie die Sache mit der Rippe, aus der angeblich die Frauen erschaffen wurden ;)...
Jedenfalls, mit dem Sexualpartner buchstäblich zu verschmelzen und ihn immer 'zur Verfügung' zu haben, davon können wir Menschen auch nur träumen ;)... obwohl mir persönlich das dann eine doch ZU symbiotische Beziehung wäre ;)...

Und auch sonst gibt es noch viel mehr sexuelle Besonderheiten im Tierreich... und nicht nur dort...
Auch die Pflanzen treiben es teilweise ziemlich bunt...
Ich glaube das mit den Bienchen und den Blümchen muss ich hier nicht nochmal extra erklären, oder ;)...?
Ja und nicht nur, daß Blumen mittels Bienchen sexeln ;)... nein es gibt sogar eine Blume, die - ähnlich wie die Tuntenfische - ein Weibchen einer Bienenart (ich glaube es waren Bienen...) imitiert... Das Bienenmännchen fliegt dann das scheinbare Bienenweibchen an, versucht sich mit ihm zu paaren, natürlich vergeblich... und wenn es von dem blumigen Gummipuppenäquivalent ;) ablässt, dann nimmt es den Pollen der Blume mit und lässt ihn beim nächsten vergeblichen Paarungsversuch bei der nächsten Pseudobienenblume...
Zumindest die Blume kommt auf diese Weise auf ihre Kosten... ob die Biene auch ihren Spaß hatte oder eher gefrustet war ist leider nicht überliefert ;)...

Das sind jetzt die Beispiele, die mir so spontan einfallen, aber es gibt ganz sicher noch viel mehr...

Wie man sieht ist die Natur in Sachen Sexualität wirklich sehr einfallsreich ;)...

Ach ja... um noch kurz auf den P.M.-Artikel zurückzukommen...
Der Autor nutzte die Tuntenfisch-Story als Aufhänger für seine These, daß Männer auch Frauen heute - ähnlich wie die Tuntenfische - immer mehr zwischen den Geschlechtsrollen wechseln würden... Frauen sind emanzipiert und übernehmen immer mehr früher typisch männliche Tätigkeiten und Verhaltensweise... und Männer sind im Extremfall Metrosexuell...
Wir alle leben heute, mehr als früher, wo die Rollen klar verteilt waren, mal in männlichen, mal in weiblichen Geschlechtsrollen... ohne deswegen Transident zu sein ;)...

Eine androgyne Gesellschaft, wo jeder Männer- und Frauenrollen übernehmen darf ohne schief angesehen zu werden und männliche und weibliche Anteile haben und leben darf... das wurde uns ja schon länger prophezeit...
Ich habe hier ein Buch zu genau dem Thema stehen, das immerhin schon 20 Jahre alt ist...
Ob es soweit kommt... wer weiss...
Ich finde eine Gesellschaft, wo jeder so sein darf, wie er sich fühlt zumindest keine unsympthische Utopie...
Wer weiss, vielleicht gäbe es dann auch weniger Transidente, wenn der Druck so sein zu müssen, wie man nunmal NICHT ist weg wäre, dann würden möglicherweise viele es gar nicht mehr nötig finden diesen steinigen Weg zu gehen... oder zumindest nicht mehr bis zum Ende...

Viele Grüßle

Aurisa

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