Hallo alle zusammen,
am Samstag durfte ich dann also endlich nach Hause.
Die drei Pakete für die Post hatte ich gepackt... eigentlich sollten es ja nur zwei werden, das dritte hatte ich nur als 'Sicherheitsreserve' mitgenommen, aber nachdem mir meine Schwester bei unserem letzten Telefonat eröffnet hatte, daß ihr in ihrem Wellneshotel, wo sie Urlaub machte, eine junge Katze zugelaufen war, die sie dann samt Katzenkörbchen mit nach Hause nehmen wollte, war mir klar, daß sie mir mit meinem Gepäck auch keine großen Hilfe würde sein können, wenn sie an der einen Hand ihr eigenes Gepäck hat und an der anderen das Katzenkörbchen...
Darum habe ich dann kurzerhand die Sachen, die ich eigentlich ihr zum tragen geben wollte in das dritte Postpaket gepackt...
Und die drei wollte ich dann am Samstag gleich nach dem Frühstück 'mal schnell' zur Post bringen... aber 'mal schnell'... das war nicht... denn als ich damit zum Bus ging, eröffnete mir der Busfahrer, daß die Busse am Samstag NICHT bis zum Hauptbahnhof fahren, sondern ein paar Stationen vorher (schätzungsweise einen halben Kilometer) Endstation ist...
Na toll... auf den Fahrplänen an der Klinik stand, daß Samstags alle halbe Stunde Busse fahren... daß die am Samstag nicht bis zum Bahnhof fahren, DAS stand da aber natürlich nicht...
Das war schon mal das erste Problem... Wohl oder übel bin ich trotzdem mitgefahren, was hätte ich auch sonst tun sollen, und stand dann irgendwo in der Stadt in der Pampa... gewissermassen...
Und als ob das alles nicht schon übel gewesen wäre schüttetet es auch noch wie aus Kübeln... und da ich natürlich nicht damit gerechnet hatte mit denen weite Strecken gehen zu müssen – die Post am Bahnhof ist ja nur ein paar Meter vom Busbahnhof entfernt – hatte ich meine Pakete natürlich auch nicht wasserdicht verpackt... und die waren bei dem Regen im Handumdrehen patschnass...
Bis zum Bahnhof und der Post dort wären die total durchgeweicht und unbrauchbar gewesen, aber... so ziemlich das einzig gute an dem Tag... gottseidank bin ich schon vorher über eine andere Postfiliale gestolpert... Dort habe ich die Pakete dann erstmal trockengewischt, mir dann eine Rolle dieses braunen Klebebandes gekauft und die Dinger damit ordentlich eingewickelt, damit sie obwohl sie ja nass geworden sind, zusammen halten...
Und beim Wiegen hat sich dann heraus gestellt, daß allein diese drei Pakete schon 15 Kilo wiegen... und dabei hatte ich immer noch mindestens so 10 Kilo Gepäck in der Klink liegen...
Soviel hätte ich eigentlich gar nicht tragen dürfen... schon gar nicht am Tag der Entlassung... und ich bin heilfroh, daß ich das überhaupt überstanden habe... Viel mehr hätte aber auch nicht mehr kommen dürfen...
Dann hatte ich aber als nächstes das Problem, wie ich wieder heim kommen sollte.
Ich bin dann das restliche Stück zum Bahnhof gegangen, dort fuhren aber wie befürchtet auch keine Busse zurück zur Klinik...
Und weil etwas mehr als eine Stunde später sowieso schon meine Schwester dort ankommen sollte, habe ich sie angerufen. Ich dachte da warte ich dann am besten gleich auf sie am Bahnhof und wir schauen dann gemeinsam wie wir zurück zur Klinik kommen....
Es kam dann aber alles anders als geplant...
Am Telefon sagte sie mir dann nämlich, sie sei schon in Osnabrück, eine Bekannte, die sie in ihrem Hotel kennengelernt hatte, hätte sie mit dem Auto gefahren... und so trafen wir uns da wenige Minuten später am Bahnhof...
Aber wegen der Katze wollte meine Schwester dann gar nicht mehr mit mir den ganzen Weg zur Klinik hoch... ich musste ja aber nochmal zurück, denn die Hälfte meines Gepäcks war ja noch dort... und meine Entlassungspapiere hatte ich auch noch nicht...
Netterweise hat mich die Bekannte meiner Schwester dann dort hoch und samt dem Gepäck wieder zurück zum Bahnhof gefahren... Mit dem Bus wäre das auch eine Tortur gewesen... erst einen halben Kilometer zu der Bushaltestelle von der aus sie zur Klinik fahren... und auf dem Rückweg die ganze Strecke dann nochmal mit Gepäck...
Tja... eigentlich wollte ich ja mit meiner Schwester zusammen heim fahren... aber jetzt waren wir ja wegen all dem mehr als drei Stunden zu früh am Bahnhof... und so lange dort rumsitzen und dann noch ewig mit dem Zug fahren... das wäre mir gestern beim besten Willen zuviel gewesen...
Ich hätte sowieso nur eine Stunde gemeinsam mit meiner Schwester fahren können, denn sie hat sich einen IC für die Strecke rausgesucht – weil es dafür ein günstiges Angebot gab – mit dem wir erst tief in der Nacht zuhause gewesen wären und – noch schlimmer – es gab dort für mich keinen einzigen freien Sitzplatz mehr zu reservieren, wie ich am Freitag erfahren hatte... und die ganze Strecke stehen... das konnte ich nicht...
Darum hatte ich sowieso vor den größten Teil der Strecke im ICE, damit aber zwangsweise ohne meine Schwester zu fahren, weil das schneller ging und weil ich für den auch noch eine Reservierung bekommen hatte...
Ja und jetzt kam es nochmal anders... ich fuhr dann schon drei Stunden früher ab, weil wir wie gesagt diese drei Stunden zu früh am Bahnhof waren...
Meine Schwester konnte ihr Ticket leider nicht umbuchen... und es tat mir auch wirklich leid, daß sie jetzt wegen mir – denn nur wegen mir hatte sie ja diesen langen Zwischenstopp in O eingelegt – dort so lange für nichts und wieder nichts saß... aber daß ich an diesem Samstag schon heim darf, das war ja auch nicht vorherzusehen gewesen, als sie ihren Zug buchte... und mir wäre es gestern wirklich zuviel gewesen dort noch Stundenlang sinnlos in O rumzuhängen... schließlich stand mir noch eine – trotz ICE - lange Bahnfahrt bevor...
Und die hatte es dann auch in sich... Zwar hatte ich zum Glück noch eine Sitzplatzreservierung für diesen Zug bekommen am Samstag morgen, stehen hätte ich die Strecke nicht können, aber das Sitzen fällt mir momentan ja auch nicht gerade leicht... ja und dann war ausgerechnet gestern auch wieder eine Bombenwarnung im frankfurter Flughafenbahnhof... und darum wurden wir umgeleitet, statt's über Mannheim tuckerten wir endlos lange nach Heidelberg und kamen schliesslich mit einer ¾ Stunde Verspätung in Schduargard an...
Dort wartete schon Anja auf mich, die mir angeboten hatte mich vom Hauptbahnhof dort abzuholen und mich bis nach hause zu begleiten... und angesichts meines derzeitigen Zustandes habe ich dieses Angebot dankbar angenommen...
Sie hat mir dann das Gepäck abgenommen und gemeinsam sind wir mit der S-Bahn bis nach D gefahren und dort habe ich uns dann ein Taxi vom Bahnhof bis zu mir nach Hause gegönnt...
Und meine Mutter hat tatsächlich, trotz ihrer Drohung mich rauszuschmeissen, wenn ich mich operieren lasse, KEINE Probleme gemacht, sondern mich anstandslos rein gelassen und kein Wort gesagt... Die war wohl wirklich einfach nur froh, daß ich wieder da bin....
Stattdessen wurde dann beklagt, was mein Bruder in der Zeit so alles falsch gemacht hat...
Anja hat dann noch mein Gepäck für mich hoch getragen und sich dann verabschiedet...
Ach Anja... was würde ich auch ohne dich machen...
Tja... das war wahrlich kein leichter Tag für mich gestern... eigentlich habe ich mir da mit Gepäck zur Post und sonstwohin schleppen und mit so langen Reisen machen zuviel zugemutet, aber es ging ja nicht anders... und zum Glück bin ich gut zuhause angekommen...
Wenn da nicht die Sache mit der Neoklitoris wäre, würde ich sagen, ich bin zwar KO, aber sonst geht es mir gut... so aber fühle ich mich momentan doch ziemlich bedrückt deswegen...
Aber auf jeden Fall bin ich einfach froh wieder zuhause zu sein...
Viele Grüßle
Aurisa
Bericht aus dem Krankenhaus
Freitag, 25.August
Hallo alle zusammen,
bis Donnerstag habe ich alle Berichte aus dem Krankenhaus, die ihr hier lesen konntet, auch noch dort geschrieben, am Freitag und Samstag dagegen habe ich kein einziges Wort mehr geschrieben...
Die Zeit dazu hätte ich zwar gehabt, aber mir war absolt nicht nach schreiben zumute... und das hat natürlich seine Gründe...
Erstmal war da meine Zimmermitbewohnerin, die, wie ich erfahren habe wohl aus dem Pflegeheim in's Krankenhaus gekommen ist, die unter Betreuung steht und die offenbar geistig auch mehr oder weniger stark verwirrt ist... und die solange sie Wach ist ständig vor sich hin redet... egal ob jemand da ist oder nicht, die einen auch anspricht, aber gar nicht erkennt mit wem sie da redet...
Jedenfalls... es war schwer zu ertragen auf die dauer mit ihr im Zimmer zu sein... und darum habe ich die meisste Zeit seit Donnerstag Nachmittag tagsüber draußen auf dem Gang im Aufenthaltsraum verbracht... und darum eventuell auch den einen oder anderen Anruf von euch verpasst, weil ich es nicht immer geschafft habe rechtzeitig wieder im Zimmer zu sein...
Vor allem aber hat mir das letzte Gespräch mit Dr A zu schaffen gemacht...
Er hat sich nochmal alles angeschaut und gemeint, die Neoklitoris sei schlecht durchblutet und sich skeptisch über ihre Überlebenschancen geäußert... was für mich ein ziemlicher Schock war, weil er sich die letzten beiden mal ja schon fast euphorisch darüber geäußert hat, daß doch alles gut angewachsen sei...
Und ich habe sie mir dann auch selber angeschaut und sie sieht wirklich alles andere als gesund aus... und ganz ehrlich... ich rechne danach nicht mehr damit, daß sie das überlebt... und das wäre natürlich ein herber Verlust...
Ich soll dann Anfang Oktober nochmal außerplanmäßig nach O kommen deswegen, wobei mir nicht so ganz klar ist wozu... denn entweder ist sie bis dahin abgestorben, dann kann er sowieso nichts mehr machen, oder sie lebt dann doch noch, dann braucht es auch keine Nachkontrolle...
Ja und mit dieser Nachricht wurde ich dann entlassen... sprich durfte Samstags heim...
Am Freitag war ich danach dann noch schnell in der Stadt, Fahrkarten und Platzreservierungen besorgen und drei große Postpakete besorgen für die Wäsche, die ich per Post heim schicken wollte...
Falls sonst noch was war am Freitag habe ich das jetzt inzwischen vergessen oder es erscheint mir schlicht nicht mehr wichtig, nach dieser Eröffnung von Dr. A...
Viele Grüßle
Aurisa
Bericht aus dem Krankenhaus
Donnerstag, 24.August
Hallo alle zusammen,
heute Nacht konnte ich zwar ziemlich schnell einschlafen, dafür war ich dann um 1:00 Uhr aber auch schon wieder wach und konnte nicht mehr schlafen... wegen der unbequemen Schlafhaltung und wegen den Schmerzen. Auch wenn die wie gesagt nicht so schlimm sind, wie ich sie mir vorgestellt hatte, es ziept und drückt und sticht doch immer noch ganz ordentlich – vor allem, wenn man sein Schmerzmittel zur Nacht weggelassen hat, so wie ich gestern, weil ich der Meinung war, das jetzt so langsam nicht mehr zu brauchen... Nun ja, war vielleicht ein wenig voreilig... aber nach einer Weile hat es dann doch noch geklappt mit dem Weiterschlafen und das ohne Unterbrechungen bis fast 7:00 Uhr. Für meine Krankenhausverhältnisse war das eine fast schon ruhige Nacht... Morgens konnte ich dann endlich wieder mein obligatorisches Sitzbad machen, was gestern nicht ging, weil sie den erwähnten Notfall mangels freiem Platz in das Badezimmer quartiert hatten... Jetzt ist er wieder weg, keine Ahnung ob schon wieder entlassen oder anderswo untergebracht... Bei der Visite wurde mir dann angekündigt, daß Dr. A heute mal bei mir vorbeischauen würde und wenig später hiess es dann, daß bei mir heute der letzte Katheter raus kommen würde. Zum Frühstück gab es übrigens diesmal wieder Müsli (anstelle des Obst, das ich gewollt hatte) und wieder Tee anstelle der Milch, die ich gestern ja wie gewünscht bekommen hatte und heute ging das auf einmal nicht mehr... Nun gut, ich habe einmal danach gefragt, ein zweites mal werde ich nicht danach fragen... sondern den Kram in Zukunft einfach stehen lassen...
Und nein, ich werde keinen Tee mehr trinken, solange ich in O bin. Davon habe ich jetzt wirklich genug... Stattdessen habe ich mich ein wenig davon gemacht um nochmal eine Flasche Cola zu besorgen – scheint ja zu helfen – und einen Schokoriegel – schliesslich muss ich meinen Körper allmählich wieder an ungesunde Kost gewöhnen ;), sonst bekommt der einen Schock, enn ich aus dem Krankenhaus komme und erst dann plötzlich wieder damit anfange – und anschliessend war ich nochmal im Restaurant, mein Eishunger war mit dem einen Eis von gestern noch nicht gestillt ;), aber so alleine, ohne Schlafmütze war es nicht mal halb so schön, das zu geniessen...
Ich weiss, das alles ist nicht sonderlich gesund, aber ich habe inzwischen einfach die Nase voll von Krankenhauskost... und derzeit brauche ich weniger Nahrung für den Körper als vielmehr solche für die Seele...
Wieder zurück in meinem Zimmer kam dann bald relativ kurz und schmerzlos der Katheter raus. Jetzt muss nur noch das mit dem Wasser lassen auch weiter klappen... falls nicht habe ich ein Problem...
Die Ärztin, die das gemacht hat meinte übrigens, ich hätte 'alles gut geschafft', wobei ich nicht weiss worauf genau sich dieses Aussage bezog. Ich meinte dann, ich könnte das nicht beurteilen, weil ich ja keinen Vergleich zu anderen transsexuellen Patienten hätte, worauf sie dann meinte: 'ich aber'. Offenbar habe ich das alles also besser überstanden als die meissten Anderen...
Bei uns war heute schon wieder 'Schichtwechsel' angesagt. Die ältere Frau aus Russland, die erst am Dienstag kam, durfte heute schon wieder gehen.
Die freie Zeit in der ich allein war, habe ich dann dazu genützt, mal meinen Epilierer auszupacken, damit ich den nicht ganz umsonst mitgeschleppt habe... Ich wusste ja schon vorher, daß die Haare ein Problem werden würden – und so kam es dann auch. Im Gesicht ging es ja gerade noch. Sich da zu rasieren das geht schnell und einfach. Und wenn sich die Gelegenheit ergab hab ich auch hin und wieder ein wenig Barthaare – und die auf der Brust – gezupft. Das ist schon schwieriger, weil man dazu eigentlich einen Standspiegel und das richtige Licht von der richtigen Seite, nämlich von unten, haben sollte, damit man die Dinger überhaupt findet... Mit einem Badezimmerspiegel mit schummriger Beleuchtung an den man wegen dem Waschbecken auch nicht nah genug heran kommt und wo das Licht nur von oben kommt... das geht nur mit Einschränkungen...
Aber das wäre trotzdem alles kein so großes Problem, wenn das alles nicht heimlich passieren müsste.... Ich bin ja derzeit nur 'Gast' im Frauenzimmer. Noch bin ich rechlich Mann und habe darum keinen rechtlichen Anspruch darauf dort zu liegen. Solange sich niemand darüber beschwert ist das alles kein Problem, aber falls das jemand tun sollte, DANN hätte ich ein echtes Problem...
Mit einem Mann auf ein Zimmer, DAS will ich ganz bestimmt nicht! Also sollte ich tunlichst alles vermeiden, was mich als transsexuell outet – eben beispielsweise mir im Gesicht oder sonstwo wo Frauen keinen oder kaum Haarwuchs haben, die Haare 'öffentlich' zu entfernen... Dummerweise ist man im Krankenhaus aber selten 'nichtöffentlich', sprich längere Zeit alleine... Ich kann mich ja beispielsweise schlecht stundenlang auf der Toilette einschliessen um mich mal gründlich zu enthaaren... Und nach der OP konnte ich mich ja fast eine Woche so gut wie gar nicht regen, an Haarentfernung außer im Gesicht war da gar nicht zu denken... Dazu kam erschwerend hinzu, daß ich zwar eigentlich vor hatte direkt vor der Abreise nach O nochmal gründlich 'Kahlschlag' zu betreiben, dann wegen der Reise mit F an die Nordsee aber überhaupt keine Zeit mehr für sowas blieb, so daß ich da nur das Gröbste noch auf die schnelle wegmachen konnte... Ja und dementsprechend erschrocken bin ich, als ich dann bei einem der ersten Sitzbäder nach der OP, wo ich dann auch mal wieder meine Brille auf hatte, in den großen Spiegel dort im Badezimmer schaute.... Ansonsten kam das, was ich da sah, jetzt nach der OP, meinen Vorstellungen wie es sein sollte schon recht nahe... aber diese Haare... grauenvoll... DAS ist etwas, was ich auf jeden Fall noch ändern lassen muss... Na jedenfalls habe ich nach diesem wenig erbaulichen Blick in den Spiegel vor ein paar Tagen die Haare an den schlecht zugänglichen Körperstellen erstmal abrasiert und heute hab ich die Zeit des Alleinseins im Zimmer, bevor die neue Patientin kam, dazu genutzt, jetzt auch noch die Beine zu epilieren. Damit bin ich jetzt endlich wieder halbwegs 'kahl' und so fühle ich mich einfach wohler...
Tja... und meine neue Nachbarin ist diesmal noch deutlich älter als die letzten beiden – die beide schon im Rentenalter waren – und sie ist kaum ansprechbar und ebensowenig versteht man, was sie sagt bzw. meint... Und sie sagt oft etwas... Bedrückend... Man hat das Bedürfnis ihr zu helfen, weil es ihr nicht gut zu gehen scheint, aber ich verstehe ja nicht einmal, was sie hat....
Liebe Grüßle euch allen
Aurisa
Bericht aus dem Krankenhaus
Mittwoch, 23.August.
Hallo alle zusammen,
also ich weiss nicht, was heute hier los ist... Hier geht heute alles irgendwie drunter und drüber.
Das fing schon nachts an... Ok, dafür, daß ich gestern lange nicht einschlafen konnte, kann keiner was... aber so ein dauerndes Gerenne, so lautes Gerede, daß das halbe Krankenhaus mithören kann, Türen schlagen, ständiges Wasser laufen lassen – obwohl man mir gesagt hat, wir sollten das vor 6:00 Uhr unterlassen... - das habe ich hier noch nicht erlebt...
Und heute morgen ging es dann munter weiter so... Normalerweise werden so gegen 7:00 Uhr die Betten gemacht, um 8:00 Uhr gibt es Frühsück, um 9:00 Uhr ist Visite und um 10:00 Uhr kommt die Putzfrau. Natürlich nur ungefähr, aber bisher konnte man sich ungefähr auf diese Zeiten verlassen... aber heute wurden die Betten erst so viertel vor 8:00 Uhr gemacht, danach kam überpünktlich gleich schon das Frühstück, kaum war das gegessen stand schon die Visite vor dem Bett und um 9:00 Uhr war schon die Putzfrau da...
Was sich sonst auf 3-4 Stunden verteilte fand heute in gerade mal 2 statt... und dementsprechend kam man kaum zum Luftholen dazwischen.... Ja und dafür stehen die Reste meines Frühstücks, die sonst schon seit mindestens einer Stunde abgeräumt wären, jetzt um 10:00 Uhr immer noch hier...
Ein neues Glas – gibt's sonst morgens immer – bekam ich auch erst auf Nachfrage und zum Frühstück jetzt zwar Milch statt's Tee, aber immer noch Müsli anstelle von Obst, was ich lieber gewollt hätte... Und mein Sitzbad konnte ich heute früh auch nicht machen, weil im Badezimmer ein Bett stand und immer noch steht, in dem jemand schläft... Vielleicht ist derjenige ja heute Nacht hier als Notfall eingeliefert worden und es war darum so laut hier nachts...
Na ja, ansonsten.... Fieber hab ich heute zum Glück keines mehr, aber wirklich besser als gestern geht es mir auch nicht... Dann hiess es noch der Blasenkatheter sei vielleicht verstopft, weil sich nachts kaum Urin im Beutel angesammelt hatte und ich trotz nächtlicher Ableitung heute morgen sogar Wasser lassen konnte, aber der Katheter ist nicht verstopft wie sich bei einer Spühlung schnell herausstellte... Dafür weiss ich jetzt zumindest sicher, daß ich tatsächlich eine Harnwegsinfektion habe, daß es mir deswegen in den letzten Tagen so mies ging und daß es deswegen auch gar nicht richtig klappen kann mit dem Wasser lassen, weil die Schleimhäute dadurch angeschwollen sind, wie mir die eine Ärztin heute morgen sagte. Tja... heute ist schon Mittwoch, wasser lassen geht immer noch nicht bzw. mal geht es, mal nicht, die Infektion ist auch noch nicht auskuriert... Ich fürchte am Samstag heim fahren dürfen – das kann ich vergessen...
Vielleicht am Montag, wenn alles gut geht...
Der Nachmittag verlief dann heute ganz anders. Wie sie es angekündigt hatte, kam schlafmütze zu einem zweier-F2F zu besuch. Über was wir geredet haben wird, wie immer, hier natürlich nicht verraten, nur daß es natürlich auch um Transsexualität ging, aber auch um alles mögliche andere.
Wir hätten sicher noch viel länger reden können, ohne, daß uns die Themen ausgegangen wären, aber leider leide, die Zeit verflog viel zu schnell, wie immer eben bei angenehmen Dingen und dann war es auch schon wieder Zeit für sie zu gehen...
Liebe XXXXXX (zensiert, da schlafmütze – im Gegensatz zu mir Doofine ;).... - schlau genug ist, hier nicht unter ihrem richtigen Namen zu bloggen und auch weiter anonym bloggen möchte), ich danke dir ganz herzlich für deinen Besuch!
Es war einfach schön, mit dir ein wenig aus der Klinik raus zu gehen – für mich das erste mal wieder seit Samstag – im Freien ein bisschen rum zu laufen, mit dir im Restaurant zu sitzen, bei Kaffee und Kuchen und Eis ein wenig solidarisch zu sündigen ;), dabei die Sonne und die frische Luft zu geniessen und vor allem natürlich dich auf diese Weise kennenzulernen, mit dir zusammenzusitzen und mir dir zu plaudern :).
Für mich war es wie ein kleiner Urlaub vom Krankahausalltag. In der Zeit hatte ich so gut wie keiner Schmerzen gespürt, gar nicht groß daran gedacht, was da sonst so alles weh tut beim sitzen und beim gehen. Und während es mir am Vormittag noch reichlich mau ging – so mies, daß ich mir fast schon gewünscht habe, du würdest doch nicht kommen, weil mir heute früh einfach alles zuviel war, aber zum Glück ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung... - geht es mir seit dem Treffen mit dir wieder richtig gut. Sowohl die restlichen Kopfschmerzen, als auch die Schwäche sind komplett weg. Dein Besuch hier hat mir richtig gut getan. Ja und ich hoffe ich habe – trotz Trainingsanzug-Schlabberlook ;)... - deinen Erwartungen entsprochen ;). Normalerweise ziehe ich mich zu solchen 'Erstkontakten' ja ein wenig besser und vor allem auch weiblicher an, aber dafür ging es mir heute morgen einfach zu mies... da brauchte ich praktische und warme Kleidung.
Du jedenfalls bist bei mir auch real genauso rübergekommen, wie ich dich bisher nur virtuell kennengelernt hatte: als sehr liebenswerter, sympathsicher Mensch, mit dem man gerne seine Zeit verbringt :).
Ich weiss nicht, was die Zukunft bringt und wir wohnen nun mal nicht gerade Tür an Tür, aber wenn es mir möglich ist, würde ich sehr gerne irgendwann dein Angebot annehmen und dich besuchen kommen, oder dich bei mir zuhaus als gern gesehenen Gast begrüßen, damit wir das Gespräch von heute noch ein wenig weiterführen können...
Noch ein letztes Wort zur Nacht...
Ich weiss nicht, ob die Cola tatsächlich geholfen hat – nachdem sie das gestern zu tun schien habe ich heute dann doch noch mal einen Liter gekauft, zumal mein Körper wohl immer noch ziemlich 'trocken' ist – oder ob es einfach daran liegt, daß die Infektion jetzt allmählich nachlässt, aber heute hat es tatsächlich zweimal geklappt mit dem Wasser lassen, morgens und abends, und mittags ging es wohl nur nicht, weil die Blase fast leer war. Fast leer blieb heute dann auch der Urinbeutel. Und heute Abend war es zum ersten mal ein richtig ordentlicher Strahl und eine größere Menge. Und auch der Stuhlgang war heute fast normal. Jetzt werde ich den Urinbeutel sicherheitshalber noch einmal für die Nacht dran machen, aber hoffentlich zum letzten mal, vorausgesetzt morgen gehte es so gut weiter... und vielleicht – hoffentlich – werde ich dann bald auch endlich diesen Katheter los...
Liebe Grüßle euch alle
Aurisa
Bericht aus dem Krankenhaus.
Dienstag, 22.August
Hallo alle zusammen,
der Dienstag begann besser als die beiden Tage zuvor. Endlich hatte ich mal wieder eine Nacht (fast) durchschlafen können. Die Kopfschmerzen hatten auch deutlich nachgelassen und ich fühlte mich auch nicht mehr so fiebrig und krank, allerdings immer noch reichlich schwach.
Aber dann der Schreck, beim Blick auf's Thermometer: 38,6 Grad, noch mehr als gestern!
Essen konnte ich dann, wie auch schon den ganzen Montag, kaum etwas. Ich brachte einfach nichts runter und mir war immer noch übel, aber immerhin wurde mir vor Schwäche nicht mehr schwarz vor Augen, beim Aufstehen, wie gestern noch. Ja und dann die Erleichterung: mit jeder Messung wurde meine Temperatur niedriger: 37,1... 36,6... 35, 6 Grad, damit war dann um 10:00 Uhr das Minimum erreicht, volle drei Grad niedriger als nur wenige Stunden zuvor und weit entfernt von Fieberwerten. Und auch sonst ging es mir heute im laufe des Tages allmählich immer besser. Jetzt hoffe ich nur, daß das Fieber nicht nochmal zurückkommt und daß es endlich mit dem Wasser lassen klappt, damit ich endlich heim darf...
Ach so und eine neue Zimmermitbewohnerin habe ich heute auch bekommen.
Noch ein Nachtrag: weil es mir nicht gut ging konnte ich gestern und auch heute nicht viel essen.
Bei vielem wurde mir schon übel, wenn ich nur daran dachte. Darum habe ich heute morgen auch gefragt, ob ich morgens in Zukunft an Stelle von Müsli – das bekomme ich momentan nicht runter – Obst bekommen kann, und Milch an Stelle des Tees – den kann ich inzwischen nicht mehr sehen, zumal ich sowieso kein Tee-Fan bin. Ich denke mal ich spüre momentan ziemlich gut, was mein Körper derzeit braucht und was ich momentan gar nicht vertragen kann. Fleisch und Wurst etwa sind mir derzeit sowas von zuwieder... und würden mir sicher auch schwer im Magen liegen... Mit trinken habe ich mich in den letzten Tagen auch schwer getan und das obwohl es mir immer heiss war... aber ewig nur Tee und Sprudel... das kann man irgendwann nicht mehr sehen und wenn einem dann auch noch übel ist... da habe ich kaum was runter gekriegt. Und am viel zu dunklen Urin habe ich gestern schon gesehen, daß ich ein Flüssigkeitsdefizit habe und das ist nicht gut... schon gar nicht, wenn man sowieso schon krank ist... und darum bin ich heute zum Kiosk gegangen und habe mir eine Literflasche Cola besorgt. Nicht, daß ich ein großer Cola-Fan wäre, nein das bin ich nicht, meine Großmutter meinte mal, das würde wie Medizin schmecken und ich bin manchmal geneigt, ihr da zuzustimmen, aber ich wollte einfach mal was ANDERES zu trinken und Orangensaft oder ähnliches haben sie da am Kiosk nunmal nicht. Außerdem habe ich mir noch gewisse andere Effekte davon erhofft... Ich darf ja seit Montag letzter Woche wieder feste Nahrung zu mir nehmen, also seit 8 Tagen. Ja und danach haben sie jeden Tag gefragt, ob ich Stuhlgang hätte und als das nicht gleich der Fall war bekam ich ein Abführmittel – schon wieder... Ich glaube seit ich hier in der Klinik zu Anfang 4 Liter Abführmittel trinken musste habe ich eine ausgesprochene Abführmittelallergie entwickelt ;)... und dementsprechend wenig begeistert war ich dann auch schon wieder so Zeug nehmen zu müssen, wenn auch nur ein Schnapsgläschen voll... aber dann immer dieses Bauchgrummeln, das schnell auf's Klo rennen müssen, dieser buchstäbliche Dünnschiss eben... Das nervt! Und viel (hinten) raus kam diesmal auch nicht dabei... und danach wieder gar nichts, nachdem das Abführmittel seine spärliche Wirkung entfaltet hatte... Das war mir dann manchmal schon ein wenig unheimlich... Ich meine da isst man auch Tage lang täglich morgens, mittags und abends (ok, anfangs waren die Portionen nicht so groß und gestern und heute konnte ich ja kaum was essen, aber trotzdem...) und das alles ist in einem drin und fast nichts davon kommt wieder raus... Da sieht man mal, wieviel Platz so ein Dickdarm hat... Aber... ich weiss nicht, ob es die Cola war, würde aber zumindest nicht ausschliessen, daß sie daran beteiligt war, heute ging es dann endlich wieder auf natürlichem Wege, ohne Abführmittel und so ganz nebenbei – als wäre das ganz selbstverständlich, was es in letzter Zeit für mich ja leider gerade nicht war – ging e dann auch mit dem Wasserlassen... Mein erster fast normaler Toilettengang seit der OP...
Bisher ging allenfalls eines von beiden und das nur gequält... oft aber auch rein gar nichts... Ich glaube den Tag werde ich mir im Kalender rot anstreichen müssen...
Ach ja und meine neue Zimmermitbewohnerin ist übrigens vermutlich Russlanddeutsche.
Ich kann zwar kein Russisch, aber ihre Aussprache, auch wenn sie deutsch spricht, klingt mir doch ziemlich deutlich nach russischer Herkunft. Ansonsten ist sie eine ziemlich ruhige Zeitgenossin, sieht kein Fernsehen, redet nicht viel, sogar schlafen tut sie ganz ruhig... Nur ihr 'Nachtmarsch' , wo sie heute nachdem sie das letzte Licht bereits gelöscht hatte dann bestimmt so eine halbe Stunde im Dunkeln durch's Zimmer gewandert ist, der hat mich dann schon ein wenig irritiert...
Liebe Grüßle euch allen
Aurisa
P.S: Heute kamen dann auch noch zwei Briefe hier bei mir an, einer von Conni (mit i ;)...) mit einem lieben Kärtchen mit einem Hund, mi bandagierten Schwänzchen (wie passend ;)...)und dazu ein Brief 'zur Kenntninahme' (ist ein Insidergag ;)...). Vielen Dank dir dafür liebe Coni :)!
Und dann kam noch ein Brief von den 'Kellerkindern' der (meiner) Bibliothek und dazu noch eine Postkarte , die die Bibliothek zeigt, damit ich auch wieder dahin zurück finde ;)...
Ach, allein schon bei dem Bild bekomme ich Heimweh...
Bericht aus dem Krankenhaus.
MONTAG, 21.August
Hallo alle zusammen,
heute war kein guter Tag für mich. Nachts bin ich irgendwann gegen 3:00 Uhr aufgewacht und vor lauter Kopfschmerzen war an Weiterschlafen dann gar nicht zu denken.
Um 4:00 Uhr bin ich dann aufgestanden und habe mir eine Kopfschmertablette geben lassen.
Der Blutdruck wurde bei der Gelegenheit auch gleich gemessen – und war völlig normal, aber trotzdem war ich reichlich wacklig auf den Beinen. Die Kopfschmertablette hat auch nicht wirklich viel gebracht aber irgendwie habe ich die Zeit bis zum Aufstehen dann auch noch überstanden...
Immerhin ein positives Erlebnis brachte der Tag dann doch noch. Ich musst dann nochmal in die urologische Ambulanz um die letzte Klammer zu entfernen, die Dr. A am Freitag noch drin gelassen hatte und noch ein paar Fäden zu ziehen. Jetzt müssten alle draußen sein, nehme ich an. Und da meinte die Assistentin (?), die auch die beiden vorherigen Male, als ich bei Dr. A war, nach der OP, daß dieser sehr zufrieden mit sich und regelrecht begeistert vom Ergebnis gewesen sei.
Die Neoklitoris habe alles gut überstanden, die Tiefe sei gut, alles sei bisher gut verheilt und auch sonst seit alles gut geraten... Den Eindruck, daß Dr. A von seinem Werk bei mir richtig begeistert ist hatte ich zwar zuvor auch... aber ich kenne den Mann ja nicht. Es wäre ja auch denkbar gewesen, daß er immer so reagiert, aber nein offenbar ist dem nicht so, wenn es auch für seine Mitarbeiterin so ungewöhnlich ist, daß sie es ganz ausdrücklich als nicht alltäglich betont... Zumindest was das Äußere angeht brauche ich mir also wohl keine Sorgen mehr zu machen... Da scheint alles in bester Ordnung zu sein. Und was die Gefühle angeht... das wird Frau dann schon noch sehen, bzw. spüren...
Der Rest des Tages war dann aber weniger schön. Beim Temperatur messen am Nachmittag hiess es: 38,1 Grad. Sch...e, jetzt hatte ich doch noch Fieber bekommen, mir also wohl irgendeine Infektion eingefangen :(... Deswegen wurde dann Blut abgenommen eine Urinprobe durfte ich auch noch abgeben und dann bekam ich ein anderes Antibiotikum und Tropfen gegen das Fieber, die allerdings eine sehr schweisstreibende Nebenwirkung haben, wie mir gleich gesagt wurde – und tatsächlich lag ich dann beim ersten nächtlichen Aufwachen mit klatschnass geschwitzten Sachen im Bett... Tja, so wenig erfreulich endete dieser Montag für mich...
Liebe Grüßle euch allen
Aurisa