Montag, 4. September 2006

Richtige und falsche Fragen...

Hallo alle zusammen,
im letzten Eintrag hier ('Alles wird gut?') habe ich darüber geschrieben, wie hilfreich es ist, in seinem Leben einen Sinn sehen zu können. Da diese beiden Einträge inhaltlich eng zusammenhängen empfehle ich zum besseren Verständnis darum zuerst den anderen Eintrag und dann erst diesen hier zu lesen...

Wie dort gesagt halte ich es für sehr hilfreich ja eigentlich unverzichtbar für ein erfülltes Leben, daß man in der Lage ist, in seinem Leben einen Sinn sehen zu können.

Die Frage ist nur: wie macht man das...?

Meine persönliche Antwort – es mag noch andere Antworten geben... - darauf ist:

Indem man das tut, was man für sich selbst im jeweiligen Moment für richtig hält...

Ich denke, das ist absolut unverzichtbar dafür...

Warum ich das denke...?

Nun ich glaube, daß es kein richtiges Leben im falschen gibt... und damit meine ich, daß es nicht richtig sein kann, wenn man im Leben die falschen Dinge tut... jedenfalls was die wesentlichen Dinge im Leben angeht...

Ich kann mir nicht vorstellen, daß man einerseits ständig Dinge tun kann, die dem eigenen Wesen zuwiderlaufen... und gleichzeitig ein glückliches erfülltes und eben auch ein als sinnvoll empfundenes Leben führen kann...

Oh... das heisst nicht, daß man nicht die für sich falschen Dinge tun und dabei Spass haben könnte... kurzfristig... aber ein solches Leben kann davon bin ich fest überzeugt nur hohl und leer sein... egal wie schillernd und schön es nach außen auch wirken mag...

Auch in dieser Beziehung war mir Moira eine hervorragende Lehrmeisterin... Moira die hundert mal mehr Fun-Aktivitäten hatte als ich... und die ihr Leben doch nur als leer, einsam und sinnlos empfand...

'Tu was du willst', hat Michael Ende in seiner 'Unendlichen Geschichte' geschrieben... und genau das hat der Held der Geschichte dort dann auch gemacht... er hat das getan wonach ihm gerade der Sinn stand... und wurde nicht glücklich damit... bis ihm klar wurde, wie diese Aussage wirklich gemeint war, nämlich als: 'Tu, was du WIRKLICH willst!'
Es geht also gerade NICHT darum den spontanen Wünschen, Trieben usw. nachzugeben um glücklich zu werden im Leben... nein das ist der falsche Weg... das ist eine Sackgasse, die nirgendwohin führt...
Worum es geht im Leben ist das zu tun, was man WIRKLICH will... das was dem eigenen Wesen entspricht... das von dem einem das Herz sagt, daß es das Richtige ist...

Warum aber ist das so wichtig...?

Ganz einfach... weil das die einzig richtige Möglichkeit ist... denn die Alternativen dazu sind:
*entweder man tut etwas, obwohl man genau weiss, daß es das Falsche ist...
oder:
*man tut gar nichts...

Und beides wird man bereuen... garantiert!

Nichts zu tun ist sowieso die schlechteste aller Möglichkeiten...
Es gibt Untersuchungen, nach denen die Menschen das am meissten bereuen... was sie NICHT getan haben... Es ist unendlich viel besser, etwas zu tun... und es nicht zu schaffen... als es gar nicht erst zu versuchen!

Das Falsche zu tun ist auch kaum besser... denn wenn man weiss, daß man das Falsche tut – und nur wenn man WEISS, daß man das falsche tut und es trotzdem tut ist es richtig schlimm – dann wird dieses Wissen immer an einem nagen... sogar wenn dieses Falsche, für das man sich entschieden hat einem viele Vorteile einbringt... aber es ist und bleibt das Falsche und dieses Wissen verleidet einem die Freude an dem was man getan hat...
Mag man beispielsweise als Manager noch so viel Geld verdienen... man wird nie glücklich mit diesem Leben werden, wenn man eigentlich Maler werden wollte... sich aus Angst vor Armut aber nicht getraut hat, diesen Weg zu gehen...

Es ist gar nicht so einfach das zu tun, was man für das Richtige hält...

Viele Menschen wagen es nicht ihrem Herzen zu folgen und diesen oft steinigen Weg zu gehen... aus Angst davor, was er ihnen alles abverlangen würde...

Andere wissen vielleicht noch nicht mal, was sie wirklich wollen...

Aber ich bin fest davon überzeugt, daß jeder das kann... wenn er es denn wirklich will...
Doch viele Menschen wählen stattdessen den leichten Weg... den Weg des geringsten Widerstandes... den Weg der schnellen Bedürfnisbefriedigung des oberflächlichen Vergnügens...
Doch der Weg des geringsten Widerstandes kennt, wie man an jedem Bach und Fluss sehen kann, nur eine Richtung: abwärts...
Auf diesem Weg ist kein seelisches Wachstum, keine innerliche Reifung, möglich und weder Glück noch Sinn im Leben zu finden...

Andererseits kann ich es schon verstehen... Ich weiss schliesslich aus eigener Erfahrung WIE schwer es sein kann, das zu tun, was man für richtig hält... und in welche scheinbaren Katastrophen das führen kann...
Aber ich weiss inzwischen auch, daß es der einzig richtige Weg ist... weil man nur so niemals eine Entscheidung bereuen muss...

Damals, als ich mich dazu entschlossen habe mit S zu reden, ihm zu erzählen, daß ich ihn liebe, und von meiner Transidentät und als ich mich damals entschlossen habe, den Weg zur Frau gehen zu wollen... da hat das bei mir so richtig angefangen...
Damals habe ich mich ganz bewusst dafür entschlossen das zu tun, was ich für das Richtige hielt... in dem naiven Glauben, wenn ich nur das Richtige täte, würde alles gut werden... allerdings auch wohl wissend, daß das verdammt schwer werden würde... aber nicht ahnend WIE schlimm dann tatsächlich alles kommen würde...
Und es kam schlimmer als ich mir jemals hätte vorstellen können...
Da hatte ich also das getan was ich für richtig hielt... und mich damit direkt in die Depri-Katastrophe manövriert...

Die damalige Lektion lautete also: Riskier etwas... und du wirst ganz furchtbar bestraft dafür!

So gesehen ein guter Grund nur ja nicht zu riskieren seinem Herzen zu folgen...

Aber... wie im vorherigen Eintrag geschildert... hat sich dann irgendwann viele Jahre später herausgestellt, daß es DOCH richtig war, genau das zu tun, was ich getan habe... und da erst habe ich verstanden, daß weder 'alles wird gut' noch 'riskier etwas und du wirst furchtbar bestraft dafür' richtig sind... nein stattdessen heisst es:

'Tu was du für richtig hältst. Dann wird zwar nicht alles Gut werden... und es wird auch oft ganz anders kommen als du dir erhofft und erwartet hast, vielleicht wird es zeitweise auch ganz schlimm sein... aber letztlich wird wird dann alles seinen Sinn ergeben für dich... auch wenn du diesen Sinn manchmal erst nach Jahren erkennen können wirst.'

Ja und nachdem ich das endlich verstanden hatte kann ich nur sagen:
Es war der einzig richtige Weg, damals zu tun, was ich für richtig hielt, auch wenn ich mich damit zuerst erst mal ganz gewaltig in die Sch***e gesetzt habe...
Aber jeder andere Weg wäre der falsche gewesen und hätte mich nicht weiter gebracht...
Nur auf diesem harten Weg konnte ich zu mir selber finden und in all dem (wieder) einen Sinn sehen...

Ja und damit bin ich endlich bei den richtigen und den falschen Fragen aus der Überschrift angelangt...

Wie schon mehrfach geschrieben habe ich mich vor der geschlechtsangleichenden Operation gefragt:

1.Bin ich mir sicher, daß ich die OP wirklich von ganzem Herzen will...?

2.Ist es mir wichtig genug, um dafür die Risiken, Schmerzen, Einschränkungen und das ungewisse Ergebnis in kauf zu nehmen...?

3.Wird es mir damit/danach besser gehen als ohne?

Und wie ich auch schon geschrieben hatte, lauteten die Antworten:

*in Essen: dreimal JEIN... ich war mir nicht sicher... bei keiner der Fragen, wesewegen ich die OP dann auch abgesagt habe...

*in O vor der Operation: dreimal ein klares JA... wesewegen ich die OP dann ja auch habe machen lassen...

*ja und NACH der OP... und nach den unvorhersehbaren Komplikationen mit denen ich vorher nicht rechnen konnte und die ich darum auch nicht in meine Überlegungen mit einbeziehen konnte... da lauteten die Antworten:
+JA zur 1.Frage...
+ich weiss nicht zur 2.Frage...
+und NEIN zur 3.Frage... und diese hielt ich ja für die Entscheidende... denn was für einen Sinn macht die OP, wenn es einem danach SCHLECHTER geht, als vorher...???
Ja und darum war meine bisherige OP-Bilanz eindeutig negativ, auch wenn es sich dabei erstmal nur um eine ZWISCHENbilanz handelt...

Aber heute ist es mir dann klar geworden... daß ich die Fragen falsch gestellt... und darum auch die falsche Antwort bekommen hatte...

Nachdem ich in Essen war und dort die OP abgesagt habe, habe ich ja zuerst versucht hier so eine Art positiv/negativliste zu machen, nach dem Motto, was spricht für und was gegen die OP...?
Aber mir ist bald klar geworden, daß das absoluter Blödsinn ist...
Wenn ich danach gehen würde, dürfte ich die OP NIEMALS machen lassen... denn die Liste der Argument, die gegen die OP sprechen ist ellenlang... Kein vernünftiger Mensch würde sich freiwillig sowas antun... außer... wenn es für ihn das Richtige ist... TROTZ alledem was dagegen spricht... denn das wiegt mehr als alle noch so vernünftigen Argumente zusammen...

Also habe ich versucht herauszufinden, ob die OP für mich wirklich das Richtige ist... bin dabei aber ein wenig von der 'reinen Lehre' abgekommen... denn die Fragen zwei und drei sind ja eigentlich auch wieder solche rationalen Fragen... Rückversicherungen gewissermaßen ob man auch wirklich das Richtige tut... wenn man das tut, was man für das Richtige hält...

Ja und damit ist klar, daß NICHT Frage 3 ('Wird es mir mit der OP besser gehen als ohne?') die Entscheidende ist, wie ich bis gestern noch dachte...

Anders herum wird ein Schuh draus...

Die entscheidende und letztlich einzig wichtige Frage ist die erste:
'Bin ich sicher, daß ich es wirklich von ganzem Herzen will...?'

Und die Antwort darauf lautete vor der OP und lautet jetzt immer noch: JA!

Das ist und bleibt der einzig richtige Weg, die einzig richtige Entscheidung für mich...

Oder hätte ich wirklich den Rest meines Lebens als körperlich überwiegend Mann weiterleben wollen...???

Nein... ganz bestimmt nicht...

Und dank S und Moira habe ich ja inzwischen gelernt:

'Tu was du für richtig hältst. Dann wird zwar nicht alles Gut werden... und es wird auch oft ganz anders kommen als du dir erhofft und erwartet hast, vielleicht wird es zeitweise auch ganz schlimm sein... aber letztlich wird wird dann alles seinen Sinn ergeben für dich... auch wenn du diesen Sinn manchmal erst nach Jahren erkennen können wirst.'

Ja und so kam es auch diesmal... Ich habe wieder einmal getan, was ich für richtig hielt... und wie bei S habe ich mich damit ganz gewaltig in die Nesseln gesetzt... aber inzwischen weiss ich ja, daß es seinen Preis kostet diesen Weg zu gehen... daß es nicht immer so kommt, wie man es erwartet und erhofft, wenn man das tut, was man für richtig hält... daß die Sache auch ganz gewaltig daneben gehen kann... so wie diesmal mit der OP... und daß man trotzdem in all dem seinen Sinn sehen kann, wenn auch oft erst später... und daß es letztlich der einzig richtige Weg ist das zu tun, was man für richtig hält...

So und nur so kann ich mit mir im reinen sein... und meinem Leben einen Sinn geben, indem ich das tue, was ich für richtig halte... und es nicht aus Angst vermeide... nur um das dann später zu bereuen...

Ja und wenn man das tut, was man wirklich will... und das habe ich mit dieser OP getan... dann spielen die beiden anderen Fragen keine Rolle mehr... dann ist man auch bereit dafür die ganzen Risiken, Schmerzen usw. auf sich zu nehmen... auch unvorhersehbare... und dann wird es einem damit auch besser gehen, als wenn man diesen Weg nicht gegangen wäre... sondern stattdessen einen von dem man genau weiss, daß es der falsche für einen ist...

Also... egal ob die Neoklitoris überlebt oder nicht... es war trotz allem die RICHTIGE Entscheidung die OP machen zu lassen... es war für mich der einzig richtige Weg... und ich würde es darum wieder tun... das ist mir jetzt klar geworden...

Alles weitere wird die Zeit zeigen...

Viele Grüßle allerseits

Aurisa

Alles wird gut...?

Hallo alle zusammen,
'alles wird gut'... diesen Spruch, den eine bekannte Fernsehmoderatorin so gerne verwendet... den hielt ich immer schon für einen der dümmsten Sprüche der Welt...

Alles wird gut... ALLES... wirklich...???

Oh sicher, das eine oder andere wird tatsächlich gut... aber alles...?
Das kann ich von meinen Leben nun wahrlich nicht behaupten... und ich bezweifle, daß es irgendjemand auf dieser Erde gibt, der das kann... dazu müsste man schon eine mächtig rosarote Brille auf der Nase haben...
Wie schon Budda erkannte: Jeder wird einmal krank... jeder wird einmal alt... und jeder wird einmal sterben...
Das Leben... jedes Leben verläuft letztlich immer zu 100% tödlich... und in der Zeit davor ist es eher selten leicht... dafür häufig verdammt hart...

Da davon zu reden, daß alles gut würde... das halt ich unter diesen Umständen für gelinde gesagt ziemlich... gewagt... höflich ausgedrückt... außer natürlich man glaubt an eine besseres Leben nach dem Tode... aber darum soll es hier in diesem Eintrag nicht gehen... Mir geht es hier um das Leben VOR dem Tode...

Also Optimismus in allen Ehren... aber 'alles wird gut', das halte ich für reichtlich naiv-positives Denken im schlechtesten Sinne...

Und ich spreche da aus Erfahrung... denn 'alles wird gut'... das ist genau das, was ich damals auch gedacht habe, vor inzwischen über einem Jahrzehnt...

Wenn ich nur meinen Gefühlen folge... wenn ich das tue, was ich für richtig halte, wenn ich diesem Weg folge, den irgenjemand mir da aufzuzeigen schien, wenn ich mit S rede und ihm gestehe, daß ich ihn liebe und wenn ich den Weg zu einem Leben als Frau gehe... dann wird alles gut...

Wie dumm von mir das zu glauben...

Mächtig schwerer Fehler...
Da hatte ich mich doch tatsächlich, trotz aller Zweifel, die ich damals schon daran hatte, darauf eingelassen so zu tun als hätte dieses Leben einen Sinn, als gäbe es einen guten Gott, eine unsterbliche Seele, ein Leben nach dem Tode und so etwas wie eine Bestimmung...

Und ich hatte tatsächlich geglaubt, wenn ich nur das Richtige tue, dann wird alles gut... zumindest hatte ich es gehofft und für möglich gehalten und trotz aller Zweifel darauf gebaut...

Aber natürlich kam es ganz anders... S starb... und damit war klar, daß es kein 'alles wird gut' geben würde... niemals wieder...
Und das hat mir damals den Boden unter den Füssen weg gezogen... denn ich hatte ja darauf vertraut, hatte mich darauf eingelassen zu glauben, daß das alles einen Sinn hat... und daß eben alles gut wird, wenn man nur das Richtige tut im Leben...

Und das Ergebnis war stattdessen die größte Katastrophe in meinem Leben, obwohl ich aus meiner Sicht das einzig richtige getan hatte...

Plötzlich machte überhaupt nichts mehr Sinn für mich...

Warum musste S sterben...? Das gab nicht den geringsten Sinn...

Ich hatte viel Zeit darüber nachzudenken... sehr viel... und die einzige Antwort, die ich damals darauf finden konnte war, daß es keinen Sinn macht, weil das Leben keinen tieferen Sinn hat... sondern alles blosser Zufall ist...
Das war der Zeitpunkt wo ich meinen naiven Kinderglauben an Gott, den Sinn des Lebens und alles andere endgültig verloren habe...

Die Folge davon waren jahrelange tiefste Depressionen...
Wozu sollte ich auch noch weiterleben, wenn sowieso alles keinen Sinn machte...?
Dann war es völlig gleichgültig was ich tat... denn nichts würde auch nur den geringsten Sinn machen...

In dieser Zeit war ich auch weder bereit noch in der Lage mich auf eine Therapie einzulassen... wozu auch...? Den Sinn des Lebens konnte mir auch ein Therapeut nicht zurückgeben, wenn es keinen gab...

Aber... zum Glück hatte ich damals schon Auris...
Es hat lange gedauert und es war nicht leicht... so tief waren die Depressionen, aber mit ihrer Hilfe habe ich es geschafft, da wieder raus zu kommen...
Sie hat mir beigebracht, nicht aufzugeben... auch dann nicht, wenn die Lage hoffnungslos erscheint... GERADE dann nicht... daß es sich auch dann noch lohnt zu kämpfen für das, an was man glaubt, selbst dann, wenn man dabei verlieren sollte... und sie hat mir klar gemacht, daß es IMMER Hoffnung gibt, egal wie verfahren die Lage auch zu sein scheint...

Aber immer noch lastete diese bedrückende Sinnlosigkeit auf mir... immer noch machte S's Tod keinen Sinn für mich... ebensowenig wie meine Transidentität... immer noch haderte ich mit beiden und hatte damit zu kämpfen nicht erneut in Depressionen zu verfallen... bis ich Moira begegnet bin... und sie dann eines Tages von heute auf morgen wieder aus meinem Leben verschwand...

Nach S war sie ein weiterer wichtiger Katalysator in meinem Leben... hat sie mein Leben gewaltig verändert ohne selber durch mich nennenswert verändert zu werden...

Schwesterchen... du wirst das sicher niemals lesen und es auch nie erfahren... aber du weisst gar nicht wie sehr du mir weitergeholfen hast...
Durch dich habe ich gelernt zu verstehen... zu verstehen welchen Sinn das alles für mich hat... DASS es für mich einen Sinn hat...
S's Tod... meine eigene Transidentität, die Ängste und Depressionen... was mir bis dahin als unverschuldete böse Schicksalsschläge erschien... all das ergab plötzlich Sinn...

'Wenn du glücklich sein willst – verbinde dein Leben mit einem Ziel'
Das stand auf dem Plakat vor deinem Haus... damals als ich dort war in der Hoffnung dich wiederzusehen... herauszufinden was mit dir passiert war, wie es dir ging und warum du so plötzlich verschwunden warst...

Du bist für immer aus meinem Leben verschwunden... und das musste wohl so sein... nachdem ich von dir gelernt hatte, was du mir beizubringen hattest... aber die Lektion, die du mir erteilt hast... die werde ich nie vergessen...

Daß ich da nicht früher selber darauf gekommen bin... Es ist im Grunde doch ganz einfach...

Falls das alles hier auf dieser Welt doch einen Sinn machen sollte... dann kann dieser für mich ganz sicher nicht lauten, daß ich zu meinem Vergnügen hier bin... dazu war mein Leben bisher einfach viel zu schwer... genausowenig wie es für mich Sinn machen kann zu versuchen so zu tun als wäre ich eine ganz normale Frau... Das bin ich nicht und werde ich nie sein... und wenn ich das hätte sein sollen währe ich als solche geboren worden... da ich das aber nicht bin, kann es nicht Sinn der Sache sein jetzt so zu tun als ob... und meine Transidentität und damit einen ganz wichtigen Teil von mir zu verstecken und zu verleugnen...

Nein... falls das alles hier doch einen Sinn machen sollte... dann bedeutet das für mich, daß ich nicht zu meinem Vergnügen hier bin...
Ich bin eine Kämpferin... Das war ich nicht von Anfang an... sondern dazu wurde ich erst durch meinen Lebensweg... durch die Ängste, die Depressionen, die Transidentität... und letztlich auch durch S's Tod...
All das hat mich geformt, mich erst zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin... und das bedeutet, daß ich mich jetzt nicht einfach hinsetzen und mir ein schönes Leben machen kann... nach dem Motto: was schert es mich, wie es dem Rest der Welt geht... hauptsache mir geht es gut...
Nein, mein bisheriges Leben hat eine Kämpferin aus mir gemacht... so wie Auris es ist... und, daß ich den Weg zur Frau gegangen bin hat gleichzeitig meine weiche, menschenfreundliche Seite sichtbar gemacht... so wie Goldmähne eben ist...
Beides kann und will ich jetzt nicht wieder einfach so 'abstellen'...
Selbst wenn ich es könnte... damit würde ich mich selber seelisch regelrecht ausweiden, wenn ich dieses Seiten zurückdrängen würde... nicht umsonst ging es mir früher als Klaus ohne beides so schlecht...
Und fast noch schlimmer: damit würde ich den Sinn, den das alles plötzlich für mich machte leugnen...

Ich sehe es seit der Sache mit Moira damals so, daß all das Schlimme in meinem Leben passiert ist, damit ich daraus lernen, daran wachsen kann... damit ich die Kämpferin mit Herz werde, die ich heute bin...
Das kann in meinen Augen aber kein purer Selbstzweck sein... sondern das macht nur Sinn, wenn ich dann auch etwas mit dem Anfange, was ich gelernt habe... wenn ich meinem Leben ein Ziel gebe, indem ich meine Fähigkeiten für etwas sinnvolles einsetze...

Und dabei spielt es keine Rolle, wie Auris immer sagt, ob das alles wirklich einen tieferen Sinn hat... ob es so etwas wie Schicksal gibt... oder eine höhere Macht, die das alles geplant hat... oder nicht...

Das werde ich in diesem Leben sowieso nie erfahren...

Es genügt, wenn das alles FÜR MICH einen subjektiven Sinn ergibt!
Mehr ist nicht erforderlich...

'Wer ein WARUM zum Leben hat, erträgt fast jedes WIE' meinte Nietsche, wenn ich mich recht erinnere...

Nach S's Tod hatte ich das WARUM meines Lebens verloren... und erst dank Moira habe ich es wiedergefunden... seither kann ich wieder einen Sinn sehen in meinem Leben... und darum bin ich seitdem auch in der Lage mit so ziemlich allem fertig zu werden, was mir das Leben noch so an Fiesheiten vor die Füsse werfen wird...

Ja und darum habe ich es heute auch nicht mehr nötig an so alberne Dinge wie 'alles wird gut' zu glauben...

Nein, es wird NICHT alles gut!
Aber wenn man dazu fähig ist, seinem Leben einen Sinn zu geben, dann ist man auch in der Lage auch den schlimmsten Dingen im Leben noch etwas gutes abzugewinnen... denn wenn das eigene Leben einen Sinn hat, dann das ganze Leben, also auch die schlechten Dinge... ein teilweise sinnvolles Leben... das gibt es nicht...

Ja und das ist eine sehr kostbare Fähigkeit... fast so als wäre man seelisch unverwundbar... oder genauer gesagt: man kann zwar wie jeder Mensche verwundet werden... aber man hat damit die Fähigkeit alle Wunden, die das Schicksal in der Seele hinterlässt heilen zu lassen...

Erst seit ich das kann bin ich in der Lage Menschen wie S oder Moira gehen zu lassen...
Ihr Verlust tut noch immer weh... aber ich muss nicht mehr nur mit Schmerz daran zurückdenken, sondern ich glaube jetzt, daß es so sein musste... daß sie nur ein kurzes Stück meines Weges bei mir sein sollten... als meine Lehrer, die mir beibrachten, was ich von ihnen lernen sollte... und als ich das gelernt hatte... da war es Zeit für sie wieder für immer aus meinem Leben zu gehen...

Und darum bin ich heute in der Lage nicht mehr mit Bitterkeit über den Verlust sondern mit Dankbarkeit über das, was sie mir gegeben haben an sie zurückzudenken...

Und ähnlich ist es mit der Transidentität, den Depressionen und Ängsten...
Wie oft habe ich das alles verflucht... mich gefragt warum ich sosehr gestraft werde vom Schicksal... wie oft habe ich all diese verlorenen Jahre betrauert, die mich diese Dinge gekostet haben...
Aber heute verstehe ich, daß es keine verlorenen Jahre waren... so etwas gibt es nicht! Nicht, wenn man in der Lage ist in seinem Leben einen Sinn zu sehen...
Nein... auch das waren Lehrmeister... die mir vieles beigebracht haben... zwar auf die ganz harte Tour, aber anders hätte ich es wohl nie gelernt...
Menschen lernen nichts dazu, begeben sich nicht aus ihrer Komfortzone... wenn sie nicht müssen...
Ja und ohne all das... wer weiss was aus mir geworden wäre... jedenfalls nichts, was dem, was ich heute bin auch nur annähernd nahe kommt...

Alles wird gut... nein das ist naiver Kinderglaube, der zum scheitern verurteilt ist...

Viel besser und hilfreicher ist, die Probleme nicht zu leugnen, nicht schönzureden, sondern in allem einen Sinn zu sehen... auch in den schlechten Dingen im Leben... und davon gibt es ja bekanntlich jede Menge...

Das ist das beste, was man tun kann im Leben finde ich...

Viele Grüßle allerseits

Aurisa

Winter kommt immer wieder...

Hallo alle zusammen,
"Winter kommt immer wieder", das ist ein Zitat aus einem Film der wohl für ein jugendliches Publikum gedacht war.
Darin ging es darum, daß das Pferd eines Jungen, Winter genannt (das Pferd, nicht der Junge ;)...) in einem Pferdestall steht, der dann aus Gründen, an die ich mich nicht mehr erinnere, in Flammen aufgeht... und Winter kann dem Flammeninferno zwar entkommen, aber mit brennender Mähne... und so rennt er in die Nacht und ward nicht mehr gesehen... worüber der Junge natürlich sehr traurig ist...
Und sein Großvater tröstet ihn dann mit ebendiesem Spruch:
"Winter kommt immer wieder."

Ja und zum Schluss des Filmes meint der Großvater dann, daß er damit gemeint hätte, daß DER Winter immer wieder kommt... aber NICHT das Pferd Winter... und daß er das so nur gesagt hätte um den Jungen zu trösten... und daß dieser jetzt, wo er langsam erwachsen wird doch bitteschön lernen soll sich mit dieser und allen anderen traurigen Wahrheiten abzufinden...

Das fand ich ehrlich gesagt ziemlich bescheuert...
Klar bedeutet erwachsen werden auch, sich von manchen tröstlichen Illusionen der Kindheit verabschieden zu müssen...
Das Leben ist NICHT leicht... da ist vieles nicht so, wie man es sich wünschen würde...

Aber was ist das denn für eine idiotische Botschaft, die man da den Jugendlichen mitgibt in diesem Film...???

Das Leben ist schlecht! Da kann man nichts machen, also find dich gefälligst damit ab!

Wie kann man Jugendlichen eine so pessimistische Sicht der Welt vermitteln...???

Oh ja, das Leben kann sehr hart sein... und es gibt Dinge, die man nicht ändern kann... aber das heisst doch nicht, daß das Leben nur so ist...
Es kann auch sehr schön sein... und vieles kann man ändern... zum besseren... wer wüsste das besser als ich...

Also... das Pferd Winter kommt nicht wieder in diesem Film... aber die alte Blogtante Aurisa schon ;)... dafür bin ich berüchtigt berühmt ;)...


Ich komme wieder... das habe ich jetzt schon so oft gemacht beim bloggen, da komme ich mit dem Mitzählen gar nicht mehr mit ;)... und noch öfter habe ich es angedroht ;)... dann aber nur so halbherzig umgesetzt, seit dem Umzug zu twoday... aus den verschiedensten Gründen... Das war bisher einfach nicht mein Internetjahr dieses 2006...

Aber... jetzt habe ich Zeit... ich kann und darf nicht allzuviel anderes tun... zu lesen habe ich auch nichts mehr, meine Brille darf ich jetzt auch endlich wieder tragen... und ich habe jetzt auch wieder die Lust zu bloggen, die mir lange Zeit gefehlt hatte seit letztem Dezember...

Und jetzt geht es mir auch endlich wieder ein wenig besser... ich fühle mich endlich wieder fast wie ich selbst... im Gegensatz zur letzten Zeit...

Das einzige, was mir jetzt noch zu meinem Glück fehlt ist wieder eine Flatrate, damit ich hier nicht arm werde beim bloggen... aber die ist jetzt zumindest entdlich mal bestellt... und ich hoffe, daß ich die dann auch in so 2 1/2 Wochen haben werde...

Also... die Zeichen stehen günstig... dafür, daß ich hier in Zukunft wieder aktiver sein werde...
Wenn jetzt nicht, dann weiss ich auch nicht mehr, wann dann noch...

Aber... Aurisa kommt immer wieder... bisher hat das noch immer gestimmt...

Also dann... auf ein neues... mal wieder ;)...

Viele Grüßle an alle die es so lange mit mir ausgehalten haben ;)...

Aurisa

P.S: Und jetzt gehe ich erstmal ne Runde bei euch kommentieren heute... Wird eine Weile dauern, bis ich bei euch allen 'durch' bin... aber ich macht euch mal keine falschen Hoffnungen, falls ich es heute noch nicht bis zu euch schaffen sollte... ich werde euch alle heimsuchen... äh besuchen ;)...
Schliesslich wird es höchste Zeit, daß ich endlich auch hier bei twoday meinem früheren 20six-Ruf als schreibwütigstelustigste Bloggerin und Überallzugleichkommentiererin gerecht werde ;)...

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