Wege und Ziele
Vorwort:
Und noch so ein Beitrag, den ich vor 1-2 Wochen angefangen habe... und den ich dann irgendwo auf meinem Computer verkramt habe...
Das kommt halt davon, wenn man die Beiträge nicht mehr direkt im Blog schreibt, sondern offline... um Onlinezeit und damit Geld zu sparen...
Hier also erstmal der Teil des Beitrags, den ich damals schon geschrieben hatte:
Hallo alle zusammen,
also bekanntlich geht es mir seit der Rückkehr aus O ja nicht gerade so gut...
Und ich dachte ich sollte das mal näher erklären... auch weil dus danach gefragt hatte... aber nicht nur deswegen... Ich wollte sowieso noch was dazu schreiben...
*dus... natürlich geht es nicht nur um die Neoklitoris! Die war sozusagen nur der Auslöser...
Und natürlich mache ich meine Weiblichkeit nicht nur an der fest...
Illona hat das schon richtig erkannt... es geht um nicht mehr vorhandene Ziele...
Aber die Sache ist ein wenig komplizierter als sie meinte...
Aber der Reihe nach...
Bekanntlich habe ich ja eine, wohl angeborene, Veranlagung zu Depressionen... und auch schon lange Jahre heftigster Depressionen hinter mir...
Diese Depressionen waren wohl mein schlimmster 'Feind' in meinem Leben... schlimmer als die Transidentität und schlimmer als meine Ängste...
Herausgekommen bin ich da – nicht nur aber auch und vor allem – mit Hilfe von Auris...
Auris... meine Kämpferin, die mir geholfen hat die Kraft zu finden mit Depressionen, Ängsten und der Transidentität klar zu kommen... und deren wichtigste Aufgabe überhaupt es ist mich zu beschützen... davor wieder in die Depression zurückzufallen...
Ihr Rezept dabei ist im grunde ganz einfach und besteht aus zwei Teilen:
*Gedankendisput: wenn mal wieder düstere Gedanken bei mir aufkommen, dann diskutiert sie mit mir und macht mir klar, daß man das alles auch weniger negativ sehen könnte...
*Aktion: Tu was! Das ist eine ihre häufigsten Aufforderungen an mich, weil sie genau weiss, daß es besser ist aktiv zu werden, als sinnlos vor sich hin zu grübeln...
Ja und diese beiden Dinge entsprechen ziemlich genau dem, was auch die kognitive Verhaltenstherapie zur Lösung psychischer Probleme macht...
Auch dort lernt man schädliche Gedanken zu hinterfragen und damit zu entkräften und stattdessen hilfreiche Gedanken zu entwickeln...
Das ist der kognitive Teil...
Und im Verhaltens-Teil der gleichnamigen Therapie lernt man, Dinge zu tun, die einem gut tun auch dann, wenn man eigentlich gerade gar keine Lust dazu hat, weil man z.B. depressiv ist und dann am eigentlich gar nichts mehr tun mag – und schädliche Handlungen zu unterlassen, wobei aber der Schwerpunkt normalerweise auf dem TUN liegt...
Der Witz bei der Sache ist – was die Depressionen angeht - nämlich, daß einem, wenn man depressiv ist, zwar alles egal ist... aber eben nur FAST egal!
Kein Mensch kann völlig gleichgültig sein... Man ist immer auch emotional beteiligt... auch wenn diese Gefühle bei einer Depression manchmal sosehr gedämpft sind, daß sie scheinbar gar nicht mehr vorhanden sind...
Ja und hier endet der Teil des Beitrages, den ich vor 1-2 Wochen geschrieben hatte...
Und jetzt habe ich inzwischen etwas den Faden verloren :(....
Ich weiss leider nicht mehr so ganz genau, was ich hier sagen wollte...
Ich glaube es ging in diese Richtung:
Die Transsexualität... oder besser gesagt, der Wunsch ein Leben als Frau führen zu können... das war mir wichtig... so wichtig, daß es mir nicht mal in den Zeiten meiner tiefsten Depression völlig gleichgültig war...
Und genau das war es dann auch, was mich motiviert hat, etwas gegen die Depressionen zu tun...
Die Transsexualität hat mir ein Ziel gegeben für das es sich zu leben und zu kämpfen lohnte...
Ja und seit Ende 1998, also seit 8 Jahren hat mich das jetzt beschäftigt, hat dieses Ziel mich motiviert, mich vorwärts gezogen...
Mir war klar, daß dieses Ziel nicht ewig 'vorhalten' würde... irgendwann würde ich es erreicht haben, auch wenn ich manchmal unterwegs daran zweifelte, ob ich das jemals schaffen würde... und auch wenn ich nie ganz Frau sein würde... aber irgendwann wäre der Punkt erreicht, wo ich alles getan habe, was man sinnvollerweise dafür tun kann, wo ich sozial und körperlich soweit eben möglich ein Leben als Frau führe...
Das war mir absolut klar... und mir war auch klar, daß ich spätestens dann andere wichtige Ziele im Leben haben muss, für die es sich zu leben lohnt... wenn ich nicht Gefahr laufen will, wieder in Depressionen zu verfallen...
Für mich gehört es einfach dazu zum Leben, etwas zu tun, ein Ziel zu haben, etwas auf das ich hinarbeiten kann...
Ich brauche das, wie viviana mal so richtig über mein ganz normales rumgerödel meinte ;)...
Ich erinnere mich an die Tage mit F an der Nordsee...
Was mir dort immer in guter Erinnerung bleiben wird ist, wie ich mal eben ein paar Kilometer am Strand bis zu dessen Ende und zurück gelaufen bin... DAS entspricht meiner Natur...
Dagegen das einfach nur am Strand rumliegen, wie es F danach stundenlang gemacht hat... das ist nichts für mich!
Spätestens nach ein paar Tagen würde ich sterben vor Langeweile... eher noch früher...
Nein, ich brauche es einfach aktiv zu sein... ein Ziel zu haben im Leben...
Das hatte ich... mit der Transsexualität... aber ich wollte und will nicht mein ganzes Leben lang damit rummachen – auch das gibt es... sondern ich will, daß dieses Thema irgendwann nicht mehr so wichtig für mich ist... und daß es in Zukunft wichtigere Themen in meinem Leben gibt...
Darum war ich auch doppelt glücklich, daß ich F kennengelernt hatte...
Nachdem ich dachte, daß das was ernstes werden könnte, daß meine Transsexualität für ihn kein Hindernis ist, da war die TS für mich plötzlich gar nicht mehr so wichtig...
Da war auf einmal das Thema Partnerschaft viel wichtiger für mich als die TS... und darüber war ich sehr froh...
So weit wäre alles wunderbar gewesen...
Aber dann kam die Operation... und F ging deswegen... und damit löste sich die Zukunftsperspektive einer Partnerschaft sich für mich in Luft auf...
Und gleichzeitig ging die OP ziemlich daneben... und damit hatte dieses positive Ziel der Geschlechtsangleichung für mich einen ganz negativen Beiklang bekommen... und war damit für mich kein Ziel mehr, für das es sich zu leben und zu kämpfen lohnte...
Ich wusste ja, daß das irgendwann kein Ziel mehr für mich sein würde... weil ich es irgendwann erreicht haben werde... aber das hätte normalerweise noch ein, zwei Jahre gedauert, bis es soweit ist... und bis dahin hätte ich noch viel Zeit gehabt mich von diesem Ziel allmählich zu verabschieden und mir neue Ziele zu suchen...
Durch den Schock der misslungenen OP wurde mir dieses Ziel jetzt aber von einem Tag zum anderen genommen... und dazu kam noch gleichzeitige Verlust der Zukunftsperspektive einer Partnerschaft mit F...
Damit stand ich plötzlich ohne Ziele da, für die es sich zu leben lohnt, zumal sich auch an anderen, wenige wichtigen Zielen Zweifel an deren Sinn und Erreichbarkeit eingeschlichen hatte...
Dazu kamen dann noch so ein paar andere Dinge, die mir ebenfalls zu schaffen machten....
Von meinem Körper etwa fühlte ich mich schon ein wenig im Stich gelassen...
Anja meinte ja, ich hätte 'gutes Heilfleisch'... aber ausgerechnet bei so einer wichtigen Sache klappte es dann nicht mit der Heilung...
Oder vielleicht – und das ist vielleicht noch schlimmer – war ich ja auch selber schuld... weil ich zu schwach war... mental meine ich...
Es ist ja eine Tatsache, daß Körper und Geist eng verzahnt ist...
Das Gehirn beeinflusst beispielsweise das Immunsystem, kann es hemmen oder stärken...
Und es ist auch möglich beispielsweise einige eigentlich unbewusste Körperfunktionen willentlich zu beeinflussen... Darüber hatte ich schon ein paar mal gebloggt...
Und auch wie schnell oder langsam wir gesund werden, ob wir krank werden oder gesund bleiben, wie gut oder schlecht eine Wunde heilt... all das hängt – natürlich in Grenzen - auch von unserem Gehirn ab...
Ja und ich habe schon lange das Gefühl, daß ich in der Lage bin meinen Körper Dinge tun zu lassen, auf die man eigentlich keinen bewussten Einfluss hat...
Und darauf bin ich auch stolz...
Um nur mal ein Beispiel zu nennen:
Als ich ein kleines Kind war, und ich die bleibenden 2.Zähne bekommen habe... da habe ich, wie es halt so ist, an einem der kleinen nachwachsenden Zähne rumgewackelt... und plötzlich hatte ich ihn in der Hand :(!
Ich habe nie jemand davon erzählt... weil es mir so peinlich war so eine Dummheit gemacht zu haben... und es hat nie jemand davon erfahren... auch mein Zahnarzt hat nie etwas davon mitbekommen... weil mir der Zahn nachgewachsen ist!
Beweisen kann ich es leider nicht... den kleinen Zahn von damals habe ich nicht aufgehoben... das müsst ihr mir so glauben...
Aber ich habe trotzdem ein vollständiges Gebiss... außer dem einen Zahn, den mir der Zahnarzt Jahre später gezogen hat, weil im Gebiss nicht genug Platz für alle Zähne war...
Aber sonst fehlt da kein Zahn... und das heisst, daß mir einer tatsächlich ein zweites mal gewachsen sein muss... nachdem ich den ersten eigenhändig 'gezogen' hatte...
Eigentlich ein Unding!
Schließlich haben wir Menschen – im Gegensatz zu Haien – nur Anlagen für zwei Sätze Zähne, die Milchzähne und die bleibenden...
Wenn da ein Zahn weg ist, dann kann da nicht einfach einer nachwachsen!
Und trotzdem ist mir genau das passiert... nur weil ich mir das gewünscht habe... (?)
Das jedenfalls ist längst nicht der einzige, wohl aber der spektukalärste Fall von 'Geist über Materie', wie man das auch nennen könnte...
Und solche Sachen haben in mir die Überzeugung wachsen lassen, daß ich mich auf meinen Körper – im Rahmen des Möglichen – verlassen kann... daß er mir gehorchen wird... solange ich nur seelisch stark genug bin...
Dr A meinte ja auch, es sei „ein Wunder“, daß damals vor 25 Jahren nicht noch viel mehr passiert sei... Auch das hat ja nur meine Überzeugung bestärkt, daß mein Körper mich nicht im Stich lassen wird... auch bei dieser Sache nicht...
Umso tiefer war dann die Enttäuschung, als mir Dr. A einen Tag vor der Entlassung verkündete, daß offenbar doch genau das der Fall ist...
Also wenn ich glaubte, daß mein Körper auch mit solchen Sachen klar kommen würde, solange ich nur mental stark genug bin... dann bedeutet das ja im Umkehrschluss, daß wenn es doch schief geht entweder mein Körper mich im Stich gelassen hat... oder ich seelisch zu schwach war...
Das ist halt der Haken an der Sache... wenn man an sich glaubt...
Wenn man die Erfolge sich selbst zurechnet, dann muss man sich auch die Misserfolge zurechnen... auch wenn man möglicherweise weder für das eine noch für das andere verantwortlich ist...
Ja und nicht zu vergessen fühlte ich mich auch noch schuldig am misslungenen OP-Ergebnis... wegen der Sache von vor 25 Jahren...
Ja und schließlich... was mir auch noch zu schaffen gemacht hat ist, daß ich – wie schon einmal damals bei S – alles getan hatte, was ich konnte... das getan hatte, was ich für richtig hielt... und trotzdem wieder so böse herein gefallen war...
Also... ich hoffe jetzt ist verständlicher, warum es mir in letzter Zeit so mies ging... warum mir das alles sosehr zu schaffen gemacht hat...
Es ging natürlich NICHT nur um die Neoklitoris!
Und es ist schon gar nicht so, daß ich meine Weiblichkeit an deren vorhandensein oder nicht vorhandensein fest machen würde... nein ganz sicher nicht...
Es waren einfach eine ganze Reihe von Dingen, die zusammengenommen dazu geführt haben, daß ich nach der OP in ein Loch gefallen bin...
Viele Grüße
Auris
Und noch so ein Beitrag, den ich vor 1-2 Wochen angefangen habe... und den ich dann irgendwo auf meinem Computer verkramt habe...
Das kommt halt davon, wenn man die Beiträge nicht mehr direkt im Blog schreibt, sondern offline... um Onlinezeit und damit Geld zu sparen...
Hier also erstmal der Teil des Beitrags, den ich damals schon geschrieben hatte:
Hallo alle zusammen,
also bekanntlich geht es mir seit der Rückkehr aus O ja nicht gerade so gut...
Und ich dachte ich sollte das mal näher erklären... auch weil dus danach gefragt hatte... aber nicht nur deswegen... Ich wollte sowieso noch was dazu schreiben...
*dus... natürlich geht es nicht nur um die Neoklitoris! Die war sozusagen nur der Auslöser...
Und natürlich mache ich meine Weiblichkeit nicht nur an der fest...
Illona hat das schon richtig erkannt... es geht um nicht mehr vorhandene Ziele...
Aber die Sache ist ein wenig komplizierter als sie meinte...
Aber der Reihe nach...
Bekanntlich habe ich ja eine, wohl angeborene, Veranlagung zu Depressionen... und auch schon lange Jahre heftigster Depressionen hinter mir...
Diese Depressionen waren wohl mein schlimmster 'Feind' in meinem Leben... schlimmer als die Transidentität und schlimmer als meine Ängste...
Herausgekommen bin ich da – nicht nur aber auch und vor allem – mit Hilfe von Auris...
Auris... meine Kämpferin, die mir geholfen hat die Kraft zu finden mit Depressionen, Ängsten und der Transidentität klar zu kommen... und deren wichtigste Aufgabe überhaupt es ist mich zu beschützen... davor wieder in die Depression zurückzufallen...
Ihr Rezept dabei ist im grunde ganz einfach und besteht aus zwei Teilen:
*Gedankendisput: wenn mal wieder düstere Gedanken bei mir aufkommen, dann diskutiert sie mit mir und macht mir klar, daß man das alles auch weniger negativ sehen könnte...
*Aktion: Tu was! Das ist eine ihre häufigsten Aufforderungen an mich, weil sie genau weiss, daß es besser ist aktiv zu werden, als sinnlos vor sich hin zu grübeln...
Ja und diese beiden Dinge entsprechen ziemlich genau dem, was auch die kognitive Verhaltenstherapie zur Lösung psychischer Probleme macht...
Auch dort lernt man schädliche Gedanken zu hinterfragen und damit zu entkräften und stattdessen hilfreiche Gedanken zu entwickeln...
Das ist der kognitive Teil...
Und im Verhaltens-Teil der gleichnamigen Therapie lernt man, Dinge zu tun, die einem gut tun auch dann, wenn man eigentlich gerade gar keine Lust dazu hat, weil man z.B. depressiv ist und dann am eigentlich gar nichts mehr tun mag – und schädliche Handlungen zu unterlassen, wobei aber der Schwerpunkt normalerweise auf dem TUN liegt...
Der Witz bei der Sache ist – was die Depressionen angeht - nämlich, daß einem, wenn man depressiv ist, zwar alles egal ist... aber eben nur FAST egal!
Kein Mensch kann völlig gleichgültig sein... Man ist immer auch emotional beteiligt... auch wenn diese Gefühle bei einer Depression manchmal sosehr gedämpft sind, daß sie scheinbar gar nicht mehr vorhanden sind...
Ja und hier endet der Teil des Beitrages, den ich vor 1-2 Wochen geschrieben hatte...
Und jetzt habe ich inzwischen etwas den Faden verloren :(....
Ich weiss leider nicht mehr so ganz genau, was ich hier sagen wollte...
Ich glaube es ging in diese Richtung:
Die Transsexualität... oder besser gesagt, der Wunsch ein Leben als Frau führen zu können... das war mir wichtig... so wichtig, daß es mir nicht mal in den Zeiten meiner tiefsten Depression völlig gleichgültig war...
Und genau das war es dann auch, was mich motiviert hat, etwas gegen die Depressionen zu tun...
Die Transsexualität hat mir ein Ziel gegeben für das es sich zu leben und zu kämpfen lohnte...
Ja und seit Ende 1998, also seit 8 Jahren hat mich das jetzt beschäftigt, hat dieses Ziel mich motiviert, mich vorwärts gezogen...
Mir war klar, daß dieses Ziel nicht ewig 'vorhalten' würde... irgendwann würde ich es erreicht haben, auch wenn ich manchmal unterwegs daran zweifelte, ob ich das jemals schaffen würde... und auch wenn ich nie ganz Frau sein würde... aber irgendwann wäre der Punkt erreicht, wo ich alles getan habe, was man sinnvollerweise dafür tun kann, wo ich sozial und körperlich soweit eben möglich ein Leben als Frau führe...
Das war mir absolut klar... und mir war auch klar, daß ich spätestens dann andere wichtige Ziele im Leben haben muss, für die es sich zu leben lohnt... wenn ich nicht Gefahr laufen will, wieder in Depressionen zu verfallen...
Für mich gehört es einfach dazu zum Leben, etwas zu tun, ein Ziel zu haben, etwas auf das ich hinarbeiten kann...
Ich brauche das, wie viviana mal so richtig über mein ganz normales rumgerödel meinte ;)...
Ich erinnere mich an die Tage mit F an der Nordsee...
Was mir dort immer in guter Erinnerung bleiben wird ist, wie ich mal eben ein paar Kilometer am Strand bis zu dessen Ende und zurück gelaufen bin... DAS entspricht meiner Natur...
Dagegen das einfach nur am Strand rumliegen, wie es F danach stundenlang gemacht hat... das ist nichts für mich!
Spätestens nach ein paar Tagen würde ich sterben vor Langeweile... eher noch früher...
Nein, ich brauche es einfach aktiv zu sein... ein Ziel zu haben im Leben...
Das hatte ich... mit der Transsexualität... aber ich wollte und will nicht mein ganzes Leben lang damit rummachen – auch das gibt es... sondern ich will, daß dieses Thema irgendwann nicht mehr so wichtig für mich ist... und daß es in Zukunft wichtigere Themen in meinem Leben gibt...
Darum war ich auch doppelt glücklich, daß ich F kennengelernt hatte...
Nachdem ich dachte, daß das was ernstes werden könnte, daß meine Transsexualität für ihn kein Hindernis ist, da war die TS für mich plötzlich gar nicht mehr so wichtig...
Da war auf einmal das Thema Partnerschaft viel wichtiger für mich als die TS... und darüber war ich sehr froh...
So weit wäre alles wunderbar gewesen...
Aber dann kam die Operation... und F ging deswegen... und damit löste sich die Zukunftsperspektive einer Partnerschaft sich für mich in Luft auf...
Und gleichzeitig ging die OP ziemlich daneben... und damit hatte dieses positive Ziel der Geschlechtsangleichung für mich einen ganz negativen Beiklang bekommen... und war damit für mich kein Ziel mehr, für das es sich zu leben und zu kämpfen lohnte...
Ich wusste ja, daß das irgendwann kein Ziel mehr für mich sein würde... weil ich es irgendwann erreicht haben werde... aber das hätte normalerweise noch ein, zwei Jahre gedauert, bis es soweit ist... und bis dahin hätte ich noch viel Zeit gehabt mich von diesem Ziel allmählich zu verabschieden und mir neue Ziele zu suchen...
Durch den Schock der misslungenen OP wurde mir dieses Ziel jetzt aber von einem Tag zum anderen genommen... und dazu kam noch gleichzeitige Verlust der Zukunftsperspektive einer Partnerschaft mit F...
Damit stand ich plötzlich ohne Ziele da, für die es sich zu leben lohnt, zumal sich auch an anderen, wenige wichtigen Zielen Zweifel an deren Sinn und Erreichbarkeit eingeschlichen hatte...
Dazu kamen dann noch so ein paar andere Dinge, die mir ebenfalls zu schaffen machten....
Von meinem Körper etwa fühlte ich mich schon ein wenig im Stich gelassen...
Anja meinte ja, ich hätte 'gutes Heilfleisch'... aber ausgerechnet bei so einer wichtigen Sache klappte es dann nicht mit der Heilung...
Oder vielleicht – und das ist vielleicht noch schlimmer – war ich ja auch selber schuld... weil ich zu schwach war... mental meine ich...
Es ist ja eine Tatsache, daß Körper und Geist eng verzahnt ist...
Das Gehirn beeinflusst beispielsweise das Immunsystem, kann es hemmen oder stärken...
Und es ist auch möglich beispielsweise einige eigentlich unbewusste Körperfunktionen willentlich zu beeinflussen... Darüber hatte ich schon ein paar mal gebloggt...
Und auch wie schnell oder langsam wir gesund werden, ob wir krank werden oder gesund bleiben, wie gut oder schlecht eine Wunde heilt... all das hängt – natürlich in Grenzen - auch von unserem Gehirn ab...
Ja und ich habe schon lange das Gefühl, daß ich in der Lage bin meinen Körper Dinge tun zu lassen, auf die man eigentlich keinen bewussten Einfluss hat...
Und darauf bin ich auch stolz...
Um nur mal ein Beispiel zu nennen:
Als ich ein kleines Kind war, und ich die bleibenden 2.Zähne bekommen habe... da habe ich, wie es halt so ist, an einem der kleinen nachwachsenden Zähne rumgewackelt... und plötzlich hatte ich ihn in der Hand :(!
Ich habe nie jemand davon erzählt... weil es mir so peinlich war so eine Dummheit gemacht zu haben... und es hat nie jemand davon erfahren... auch mein Zahnarzt hat nie etwas davon mitbekommen... weil mir der Zahn nachgewachsen ist!
Beweisen kann ich es leider nicht... den kleinen Zahn von damals habe ich nicht aufgehoben... das müsst ihr mir so glauben...
Aber ich habe trotzdem ein vollständiges Gebiss... außer dem einen Zahn, den mir der Zahnarzt Jahre später gezogen hat, weil im Gebiss nicht genug Platz für alle Zähne war...
Aber sonst fehlt da kein Zahn... und das heisst, daß mir einer tatsächlich ein zweites mal gewachsen sein muss... nachdem ich den ersten eigenhändig 'gezogen' hatte...
Eigentlich ein Unding!
Schließlich haben wir Menschen – im Gegensatz zu Haien – nur Anlagen für zwei Sätze Zähne, die Milchzähne und die bleibenden...
Wenn da ein Zahn weg ist, dann kann da nicht einfach einer nachwachsen!
Und trotzdem ist mir genau das passiert... nur weil ich mir das gewünscht habe... (?)
Das jedenfalls ist längst nicht der einzige, wohl aber der spektukalärste Fall von 'Geist über Materie', wie man das auch nennen könnte...
Und solche Sachen haben in mir die Überzeugung wachsen lassen, daß ich mich auf meinen Körper – im Rahmen des Möglichen – verlassen kann... daß er mir gehorchen wird... solange ich nur seelisch stark genug bin...
Dr A meinte ja auch, es sei „ein Wunder“, daß damals vor 25 Jahren nicht noch viel mehr passiert sei... Auch das hat ja nur meine Überzeugung bestärkt, daß mein Körper mich nicht im Stich lassen wird... auch bei dieser Sache nicht...
Umso tiefer war dann die Enttäuschung, als mir Dr. A einen Tag vor der Entlassung verkündete, daß offenbar doch genau das der Fall ist...
Also wenn ich glaubte, daß mein Körper auch mit solchen Sachen klar kommen würde, solange ich nur mental stark genug bin... dann bedeutet das ja im Umkehrschluss, daß wenn es doch schief geht entweder mein Körper mich im Stich gelassen hat... oder ich seelisch zu schwach war...
Das ist halt der Haken an der Sache... wenn man an sich glaubt...
Wenn man die Erfolge sich selbst zurechnet, dann muss man sich auch die Misserfolge zurechnen... auch wenn man möglicherweise weder für das eine noch für das andere verantwortlich ist...
Ja und nicht zu vergessen fühlte ich mich auch noch schuldig am misslungenen OP-Ergebnis... wegen der Sache von vor 25 Jahren...
Ja und schließlich... was mir auch noch zu schaffen gemacht hat ist, daß ich – wie schon einmal damals bei S – alles getan hatte, was ich konnte... das getan hatte, was ich für richtig hielt... und trotzdem wieder so böse herein gefallen war...
Also... ich hoffe jetzt ist verständlicher, warum es mir in letzter Zeit so mies ging... warum mir das alles sosehr zu schaffen gemacht hat...
Es ging natürlich NICHT nur um die Neoklitoris!
Und es ist schon gar nicht so, daß ich meine Weiblichkeit an deren vorhandensein oder nicht vorhandensein fest machen würde... nein ganz sicher nicht...
Es waren einfach eine ganze Reihe von Dingen, die zusammengenommen dazu geführt haben, daß ich nach der OP in ein Loch gefallen bin...
Viele Grüße
Auris
Aurisa - 15. Okt, 18:50
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