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Sonntag, 15. Oktober 2006

Wege und Ziele

Vorwort:
Und noch so ein Beitrag, den ich vor 1-2 Wochen angefangen habe... und den ich dann irgendwo auf meinem Computer verkramt habe...
Das kommt halt davon, wenn man die Beiträge nicht mehr direkt im Blog schreibt, sondern offline... um Onlinezeit und damit Geld zu sparen...
Hier also erstmal der Teil des Beitrags, den ich damals schon geschrieben hatte:


Hallo alle zusammen,
also bekanntlich geht es mir seit der Rückkehr aus O ja nicht gerade so gut...
Und ich dachte ich sollte das mal näher erklären... auch weil dus danach gefragt hatte... aber nicht nur deswegen... Ich wollte sowieso noch was dazu schreiben...

*dus... natürlich geht es nicht nur um die Neoklitoris! Die war sozusagen nur der Auslöser...
Und natürlich mache ich meine Weiblichkeit nicht nur an der fest...

Illona hat das schon richtig erkannt... es geht um nicht mehr vorhandene Ziele...
Aber die Sache ist ein wenig komplizierter als sie meinte...

Aber der Reihe nach...

Bekanntlich habe ich ja eine, wohl angeborene, Veranlagung zu Depressionen... und auch schon lange Jahre heftigster Depressionen hinter mir...

Diese Depressionen waren wohl mein schlimmster 'Feind' in meinem Leben... schlimmer als die Transidentität und schlimmer als meine Ängste...

Herausgekommen bin ich da – nicht nur aber auch und vor allem – mit Hilfe von Auris...
Auris... meine Kämpferin, die mir geholfen hat die Kraft zu finden mit Depressionen, Ängsten und der Transidentität klar zu kommen... und deren wichtigste Aufgabe überhaupt es ist mich zu beschützen... davor wieder in die Depression zurückzufallen...

Ihr Rezept dabei ist im grunde ganz einfach und besteht aus zwei Teilen:
*Gedankendisput: wenn mal wieder düstere Gedanken bei mir aufkommen, dann diskutiert sie mit mir und macht mir klar, daß man das alles auch weniger negativ sehen könnte...
*Aktion: Tu was! Das ist eine ihre häufigsten Aufforderungen an mich, weil sie genau weiss, daß es besser ist aktiv zu werden, als sinnlos vor sich hin zu grübeln...

Ja und diese beiden Dinge entsprechen ziemlich genau dem, was auch die kognitive Verhaltenstherapie zur Lösung psychischer Probleme macht...

Auch dort lernt man schädliche Gedanken zu hinterfragen und damit zu entkräften und stattdessen hilfreiche Gedanken zu entwickeln...
Das ist der kognitive Teil...

Und im Verhaltens-Teil der gleichnamigen Therapie lernt man, Dinge zu tun, die einem gut tun auch dann, wenn man eigentlich gerade gar keine Lust dazu hat, weil man z.B. depressiv ist und dann am eigentlich gar nichts mehr tun mag – und schädliche Handlungen zu unterlassen, wobei aber der Schwerpunkt normalerweise auf dem TUN liegt...

Der Witz bei der Sache ist – was die Depressionen angeht - nämlich, daß einem, wenn man depressiv ist, zwar alles egal ist... aber eben nur FAST egal!
Kein Mensch kann völlig gleichgültig sein... Man ist immer auch emotional beteiligt... auch wenn diese Gefühle bei einer Depression manchmal sosehr gedämpft sind, daß sie scheinbar gar nicht mehr vorhanden sind...


Ja und hier endet der Teil des Beitrages, den ich vor 1-2 Wochen geschrieben hatte...
Und jetzt habe ich inzwischen etwas den Faden verloren :(....
Ich weiss leider nicht mehr so ganz genau, was ich hier sagen wollte...
Ich glaube es ging in diese Richtung:

Die Transsexualität... oder besser gesagt, der Wunsch ein Leben als Frau führen zu können... das war mir wichtig... so wichtig, daß es mir nicht mal in den Zeiten meiner tiefsten Depression völlig gleichgültig war...
Und genau das war es dann auch, was mich motiviert hat, etwas gegen die Depressionen zu tun...
Die Transsexualität hat mir ein Ziel gegeben für das es sich zu leben und zu kämpfen lohnte...

Ja und seit Ende 1998, also seit 8 Jahren hat mich das jetzt beschäftigt, hat dieses Ziel mich motiviert, mich vorwärts gezogen...

Mir war klar, daß dieses Ziel nicht ewig 'vorhalten' würde... irgendwann würde ich es erreicht haben, auch wenn ich manchmal unterwegs daran zweifelte, ob ich das jemals schaffen würde... und auch wenn ich nie ganz Frau sein würde... aber irgendwann wäre der Punkt erreicht, wo ich alles getan habe, was man sinnvollerweise dafür tun kann, wo ich sozial und körperlich soweit eben möglich ein Leben als Frau führe...

Das war mir absolut klar... und mir war auch klar, daß ich spätestens dann andere wichtige Ziele im Leben haben muss, für die es sich zu leben lohnt... wenn ich nicht Gefahr laufen will, wieder in Depressionen zu verfallen...

Für mich gehört es einfach dazu zum Leben, etwas zu tun, ein Ziel zu haben, etwas auf das ich hinarbeiten kann...
Ich brauche das, wie viviana mal so richtig über mein ganz normales rumgerödel meinte ;)...

Ich erinnere mich an die Tage mit F an der Nordsee...
Was mir dort immer in guter Erinnerung bleiben wird ist, wie ich mal eben ein paar Kilometer am Strand bis zu dessen Ende und zurück gelaufen bin... DAS entspricht meiner Natur...
Dagegen das einfach nur am Strand rumliegen, wie es F danach stundenlang gemacht hat... das ist nichts für mich!
Spätestens nach ein paar Tagen würde ich sterben vor Langeweile... eher noch früher...

Nein, ich brauche es einfach aktiv zu sein... ein Ziel zu haben im Leben...

Das hatte ich... mit der Transsexualität... aber ich wollte und will nicht mein ganzes Leben lang damit rummachen – auch das gibt es... sondern ich will, daß dieses Thema irgendwann nicht mehr so wichtig für mich ist... und daß es in Zukunft wichtigere Themen in meinem Leben gibt...

Darum war ich auch doppelt glücklich, daß ich F kennengelernt hatte...
Nachdem ich dachte, daß das was ernstes werden könnte, daß meine Transsexualität für ihn kein Hindernis ist, da war die TS für mich plötzlich gar nicht mehr so wichtig...
Da war auf einmal das Thema Partnerschaft viel wichtiger für mich als die TS... und darüber war ich sehr froh...

So weit wäre alles wunderbar gewesen...
Aber dann kam die Operation... und F ging deswegen... und damit löste sich die Zukunftsperspektive einer Partnerschaft sich für mich in Luft auf...

Und gleichzeitig ging die OP ziemlich daneben... und damit hatte dieses positive Ziel der Geschlechtsangleichung für mich einen ganz negativen Beiklang bekommen... und war damit für mich kein Ziel mehr, für das es sich zu leben und zu kämpfen lohnte...

Ich wusste ja, daß das irgendwann kein Ziel mehr für mich sein würde... weil ich es irgendwann erreicht haben werde... aber das hätte normalerweise noch ein, zwei Jahre gedauert, bis es soweit ist... und bis dahin hätte ich noch viel Zeit gehabt mich von diesem Ziel allmählich zu verabschieden und mir neue Ziele zu suchen...
Durch den Schock der misslungenen OP wurde mir dieses Ziel jetzt aber von einem Tag zum anderen genommen... und dazu kam noch gleichzeitige Verlust der Zukunftsperspektive einer Partnerschaft mit F...

Damit stand ich plötzlich ohne Ziele da, für die es sich zu leben lohnt, zumal sich auch an anderen, wenige wichtigen Zielen Zweifel an deren Sinn und Erreichbarkeit eingeschlichen hatte...

Dazu kamen dann noch so ein paar andere Dinge, die mir ebenfalls zu schaffen machten....

Von meinem Körper etwa fühlte ich mich schon ein wenig im Stich gelassen...
Anja meinte ja, ich hätte 'gutes Heilfleisch'... aber ausgerechnet bei so einer wichtigen Sache klappte es dann nicht mit der Heilung...

Oder vielleicht – und das ist vielleicht noch schlimmer – war ich ja auch selber schuld... weil ich zu schwach war... mental meine ich...
Es ist ja eine Tatsache, daß Körper und Geist eng verzahnt ist...
Das Gehirn beeinflusst beispielsweise das Immunsystem, kann es hemmen oder stärken...
Und es ist auch möglich beispielsweise einige eigentlich unbewusste Körperfunktionen willentlich zu beeinflussen... Darüber hatte ich schon ein paar mal gebloggt...
Und auch wie schnell oder langsam wir gesund werden, ob wir krank werden oder gesund bleiben, wie gut oder schlecht eine Wunde heilt... all das hängt – natürlich in Grenzen - auch von unserem Gehirn ab...
Ja und ich habe schon lange das Gefühl, daß ich in der Lage bin meinen Körper Dinge tun zu lassen, auf die man eigentlich keinen bewussten Einfluss hat...
Und darauf bin ich auch stolz...
Um nur mal ein Beispiel zu nennen:
Als ich ein kleines Kind war, und ich die bleibenden 2.Zähne bekommen habe... da habe ich, wie es halt so ist, an einem der kleinen nachwachsenden Zähne rumgewackelt... und plötzlich hatte ich ihn in der Hand :(!
Ich habe nie jemand davon erzählt... weil es mir so peinlich war so eine Dummheit gemacht zu haben... und es hat nie jemand davon erfahren... auch mein Zahnarzt hat nie etwas davon mitbekommen... weil mir der Zahn nachgewachsen ist!
Beweisen kann ich es leider nicht... den kleinen Zahn von damals habe ich nicht aufgehoben... das müsst ihr mir so glauben...
Aber ich habe trotzdem ein vollständiges Gebiss... außer dem einen Zahn, den mir der Zahnarzt Jahre später gezogen hat, weil im Gebiss nicht genug Platz für alle Zähne war...
Aber sonst fehlt da kein Zahn... und das heisst, daß mir einer tatsächlich ein zweites mal gewachsen sein muss... nachdem ich den ersten eigenhändig 'gezogen' hatte...
Eigentlich ein Unding!
Schließlich haben wir Menschen – im Gegensatz zu Haien – nur Anlagen für zwei Sätze Zähne, die Milchzähne und die bleibenden...
Wenn da ein Zahn weg ist, dann kann da nicht einfach einer nachwachsen!
Und trotzdem ist mir genau das passiert... nur weil ich mir das gewünscht habe... (?)
Das jedenfalls ist längst nicht der einzige, wohl aber der spektukalärste Fall von 'Geist über Materie', wie man das auch nennen könnte...
Und solche Sachen haben in mir die Überzeugung wachsen lassen, daß ich mich auf meinen Körper – im Rahmen des Möglichen – verlassen kann... daß er mir gehorchen wird... solange ich nur seelisch stark genug bin...
Dr A meinte ja auch, es sei „ein Wunder“, daß damals vor 25 Jahren nicht noch viel mehr passiert sei... Auch das hat ja nur meine Überzeugung bestärkt, daß mein Körper mich nicht im Stich lassen wird... auch bei dieser Sache nicht...
Umso tiefer war dann die Enttäuschung, als mir Dr. A einen Tag vor der Entlassung verkündete, daß offenbar doch genau das der Fall ist...
Also wenn ich glaubte, daß mein Körper auch mit solchen Sachen klar kommen würde, solange ich nur mental stark genug bin... dann bedeutet das ja im Umkehrschluss, daß wenn es doch schief geht entweder mein Körper mich im Stich gelassen hat... oder ich seelisch zu schwach war...
Das ist halt der Haken an der Sache... wenn man an sich glaubt...
Wenn man die Erfolge sich selbst zurechnet, dann muss man sich auch die Misserfolge zurechnen... auch wenn man möglicherweise weder für das eine noch für das andere verantwortlich ist...

Ja und nicht zu vergessen fühlte ich mich auch noch schuldig am misslungenen OP-Ergebnis... wegen der Sache von vor 25 Jahren...

Ja und schließlich... was mir auch noch zu schaffen gemacht hat ist, daß ich – wie schon einmal damals bei S – alles getan hatte, was ich konnte... das getan hatte, was ich für richtig hielt... und trotzdem wieder so böse herein gefallen war...

Also... ich hoffe jetzt ist verständlicher, warum es mir in letzter Zeit so mies ging... warum mir das alles sosehr zu schaffen gemacht hat...
Es ging natürlich NICHT nur um die Neoklitoris!
Und es ist schon gar nicht so, daß ich meine Weiblichkeit an deren vorhandensein oder nicht vorhandensein fest machen würde... nein ganz sicher nicht...

Es waren einfach eine ganze Reihe von Dingen, die zusammengenommen dazu geführt haben, daß ich nach der OP in ein Loch gefallen bin...

Viele Grüße

Auris
311 mal gelesen

(Nicht mehr ganz so) viele Fragen...

Hallo alle zusammen,
diesen Eintrag hier habe ich schon so vor ungefähr 1-2 Wochen angefangen, dann aber auf dem Computer 'verlegt'... bzw. vergessen...

Inzwischen haben sich 'Viele Fragen' , wie der Eintrag ursprünglich heissen sollten, bereits durch den Termin bei Dr. A letzten Mittwoch beantwortet... darum heisst der Eintrag jetzt eben:
'(Nicht mehr ganz so) viele Fragen' ;)...

Diesen ersten Abschnitt hier hatte ich damals schon geschrieben gehabt:

*Überhaupt... das mit dem Wasserlassen ist so eine Sache...
In dem einen Text über die Zeit in der Klink nach der GA-OP steht:
„Es kann auch sein, daß sie ihren Strahl in etwas ungewöhnlichen Bahnen von sich geben.
Das wird sich in den Wochen, in denen ihre Schwellungen zurückgehen, schon noch geben. Sie sind ja nicht in irgendeiner Bastelwerkstatt, sondern in der Urologie gewesen, wo man sich mit diesen Dingen bestens auskennt.“
Also manchmal kommt mir schon der Gedanke, daß ich doch in der Bastelwerkstatt war...
Bei mir spritzt der Harnstrahl in alle möglichen Richtungen, gerne auch nach dem Prinzip Duschkopf in alle Himmelsrichtungen gleichzeitig... am liebsten aber nach vorne auf die Toilettenbrille... und darüber hinaus... Meterweit... ohne Übertreibung... und dagegen tun kann ich rein gar nichts...
Und davon, daß sich da in den letzten sieben Wochen etwas gebessert hat kann nicht die Rede sein... nicht im Geringsten... eher im Gegenteil...
Da kann ich nur stark hoffen, daß das nach der Nach-OP anders aussieht, denn so wie es jetzt ist ist es eine ziemliche Sauerei jedesmal...

Nachtrag: Nachdem ich jetzt ja in O war weiss ich, daß diese Spritzerei zumindest teilweise an den Vernarbungen durch die OP an der Harnröhre liegt...
Da bleibt mir wirklich nur zu hoffen, daß Dr. A recht hat... der meinte, daß sie das bei der Nachoperation nachbessern wollen und daß es danach besser wird... denn so wie es jetzt ist kann es wirklich nicht bleiben!
Ich habe schon alles mögliche probiert, aber egal was ich auch mache, es geht immer was daneben :(... Darum würde ich momentan am liebsten außer Haus gar nicht auf die Toilette gehen, weil ich da keine Sauerei machen will... aber immer wird sich das nicht vermeiden lassen...
Und bis zur Nachoperation wird sich daran wohl auch nichts mehr bessern... solange muss ich damit leben...

Nebenbei.... Es hat schon eine gewisse Ironie, daß ich momentan am besten im stehen pinkeln kann... d.h. daß auf diese Weise der Urin noch am ehesten dort landet wo er hingehört... während er im sitzen unweigerlich auf der Klobrille und schlimmstenfalls noch einem Meter weiter vorne landet...
Und das wo ich doch NIE zu den männlichen Stehpinklern gehört habe und dachte, dieses Thema wäre für mich jetzt sowieso endgültig erledigt...

*Noch unbeantwortet ist die Frage, ob es bei mir so etwas wie Phantomschmerzen geben könnte... bzw. was es sonst mit diesen Schmerzen auf sich hat... Ich vermutet mal, daß die von geschädigten Nerven in der Neoklitoris kommen... Zum Glück habe ich nicht ständig Schmerzen, sondern nur hin und wieder, aber wenn, dann sind sie nicht ohne...
Ob die wohl irgendwann aufhören, oder ob ich damit werde leben müssen...?
Immerhin ist die Operation jetzt schon über 2 Monate her...

*Zumindest im Traum hatte ich schon so etwas wie eine 'Phantomerektion'... und das schon mehrfach... Ein erstaunlich reales Erlebnis... so real wirkend, daß ich mich nach dem Aufwachen dann davon vergewissern musste, daß da natürlich nichts mehr ist...
Das Thema verfolgt mich also bis in meine Träume...
Ich frage mich woher das kommt... Zumindest am Testosteron – dessen Werte bei Männern am frühen morgen ja am höchsten sind, daher wohl die berühmte Morgenlatte ;)... - kann es nicht liegen... so etwas gibt es bei mir ja nicht mehr...

*Der Stent beschäftigt mich auch immer noch...
Das Ding scheint innen drin einer Klorolle zu ähneln... ein weiches, schaumstoffähnliches Material, das um den zentralen Schlauch, der durch den Stent führt, gewickelt ist...
Ja und das fängt schon seit einiger Zeit an, sich aufzuwickeln... kein Wunder, schließlich scheint das nirgendwo festgemacht zu sein... Ob das normal ist...? Keine Ahnung...
Und was ich mich auch frage ist, ob es normal ist, daß dieses schaumstoffähnliche Zeug sich am hinteren Ende leicht grünlich zu verfärben beginnt... Ich bezweifle es...
Ich vermute eher, daß durch das Loch am Ventil Feuchtigkeit eingedrungen ist, obwohl ich versucht habe das zu vermeiden... Möglicherweise setzt der Stent ja Algen an... Wundern würde mich bei dem Montagsding gar nichts mehr...
Ich bin wirklich heilfroh, daß ich den in Zukunft immer weniger brauchen werde... und inzwischen notfalls wohl auch ganz auf ihn verzichten könnte, falls er irgendwann endgültig den Geist aufgeben sollte... Und so ein Schrott soll 1000 Euro kosten... Wirklich nicht zu fassen...

*Was mich auch beschäftigt ist die Frage, wie wichtig die Hormone jetzt eigentlich sind... bzw. welchen Einfluss sie bei mir auf Körper und Seele haben...
Männliche Hormone habe ich seit der Operation natürlich keine mehr im Körper – bzw. nur noch in minimalen Spuren, die nicht der Rede wert sind...
Irgendwelche Veränderungen sind mir dadurch aber nicht aufgefallen...
Zwar bin ich momentan noch nicht wieder ganz so fit... was dann aber sicher nicht an den fehlenden männlichen Hormonen liegt, sondern schlicht daran, daß ich nach der langen Zwangspause durch die Operation Zeit brauche um die Muskulatur im Körper wieder aufzubauen...
Aber ansonsten merke ich überhaupt nichts davon, daß ich ohne Testosteron körperlich schwächer geworden wäre...
Auch bei der Körperbehaarung habe ich bis jetzt keinen Unterschied feststellen können... nicht, daß ich mir da viel erwartet hätte... aber man hofft ja immer, daß die Behaarung zumindest ein wenig zurückgeht ohne Testosteron...
Auch charakterlich kann ich da keinen Unterschied feststellen... Ich denke ich bin heute genausosehr oder eher genausowenig aggressiv wie früher – unter Testosteroneinfluss - auch...
Das überrascht mich nicht sonderlich, schließlich war es früher, als ich das Anti-Androgen eingenommen habe genauso...
Wundern tut es mich aber schon... schließlich höre ich von anderen Transsexuellen immer wieder wie groß die Unterschiede durch die Hormonumstellung bei ihnen sei...
Und auch die charakterlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden ja teilweise durch die Hormone verursacht... also sollte sich da bei mir eigentlich auch etwas verändern... tut es aber nicht...
Den einzigen Unterschied, den ich feststellen kann ist, daß das Verlangen nach Sexualität sehr stark zurückgegangen ist... auch das ist nichts neues für mich... auch das kenne ich schon aus den Zeiten wo ich das Anti-Androgen eingenommen habe...

Ja und in den vergangenen zwei Monaten seit der Operation war ich ja nicht nur Testosteronfrei... sondern diesmal gänzlich Hormonfrei... und das ist neu...
Vor der Operation habe ich ja Östrogene eingenommen... nach der Operation dagegen erstmal nicht... Dr. A meinte ja, ich sollte meine normalen Östrogen erstmal nicht nehmen, sondern erstmal nur die Hormoncreme für die Neovagina, die er mir aufgeschrieben hatte... und die habe ich ja bekanntlich lange nicht verwendet, weil mir alles egal war... erst seit einer guten Woche benutze ich die jetzt... vorher war ich also fast zwei Monate gänzlich Hormonfrei... zum ersten mal...
Und auch da habe ich keinerlei Veränderung gespürt... weder im positiven noch im negativen...
Schon seltsam...
Am liebsten würde ich gar keine Hormone mehr einnehmen... schließlich sind deren Riskiken nicht ohne, ja sogar lebensgefährlich... aber angeblich sind die ja unverzichtbar um körperliche Schäden zu vermeiden... das heisst, der Körper braucht Geschlechtshormone... entweder weibliche oder männliche... ganz ohne soll nicht gesund sein...
Ob das so stimmt...? Ich weiss es nicht... Behauptet wird viel... stimmen tut längst nicht alles... auch nicht alles, was Ärzte oder Wissenschaftler so sagen...
Zumindest kurzfristig schadet es mir in keiner Weise keine Hormone im Körper zu haben, das weiss ich jetzt... ob das auch auf Dauer so ist... das weiss ich nicht... und ich möchte ungern Experimente mit meiner Gesundheit anstellen... andererseits ist auch die Einnahme von weiblichen Hormonen ein ebensolches Experiment... mit möglicherweise tödlichen Folgen...
Na mal sehen... darüber muss ich noch gründlich nachdenken...
Jetzt nehme ich erstmal diese Östrogensalbe, bis sie aufgebraucht ist...

Soviel als zu den Fragen, die mich momentan beschäftigen...

Viele Grüße

Aurisa
374 mal gelesen

Stärke und Weichheit

Hallo alle zusammen,
vor ein paar Monaten als es um die Frage ging, ob ich überhaupt fähig und bereit bin für eine Beziehung (mit F), schließlich hatte ich bis dahin ja noch keinerlei Erfahrungen mit sowas, da meinte Anja:

Ich hätte die nötige STÄRKE dafür und (hier zögerte sie kurz) auch die nötige WEICHHEIT.

Mir ist auch klar, warum sie da gezögert hat... denn eigentlich ist das Gegenteil von Stärke nicht Weichheit, sondern Schwäche... aber das war es nicht, was sie meinte... denn schwach bin ich ganz sicher nicht... genauer gesagt: nur manchmal, aber nicht insgesamt...

Und was das angeht, ist das Gegenteil von Weichheit natürlich auch nicht Stärke, sondern Härte... aber zu sagen ich hätte die nötige Weichheit und Härte (für eine Beziehung)... das wäre ebenso falsch gewesen... denn ich bin nicht hart... ganz sicher nicht...

Die Gegensatzpaare lauten also richtigerweise:

STÄRKE und SCHWÄCHE

und

HÄRTE und WEICHHEIT

Ich erkläre das deswegen, weil mir neulich etwas aufgefallen ist... nämlich wie HART manche Menschen auf ihren Bildern aussehen...
Ich will wirklich niemandem nach einem Bild von ihm beurteilen... schließlich sehe ich auf manchen auch reichlich deppert aus ;)... aber wenn diese Härte auf allen Bilder deutlich zu sehen ist... dann ist das schon sehr auffällig...

Frau weitergeherin hat mir vor lange mal (sinngemäß) gesagt:
„Wenn jemand so schaut, wie auf dem Bild, dann will ich mit dem nichts zu tun haben!“
Und gemeint war ein ebensolcher Blick, wie ich ihn meine... ob man ihn nun hart nennt, streng, verbissen oder sogar verbiestert...

Und als mir das klar geworden ist wie unsympathisch jemand wirkt, der so hart dreinschaut auf seinen Bildern und ich über all das nachgedacht habe ist mir folgendes klar geworden:

HÄRTE = STÄRKE – WEICHHEIT
und
SCHWÄCHE = WEICHHEIT – STÄRKE

oder in Worten ausgedrückt:

HÄRTE ist STÄRKE der die WEICHHEIT fehlt
und
SCHWÄCHE ist WEICHHEIT ohne STÄRKE.

Jemand der hart ist, der mag zwar stark sein... aber ihm fehlt die nötige Weichheit... und damit etwas ganz wesentliches, denn Weichheit ist sehr wichtig... im Umgang mit den Mitmenschen... und mit sich selbst. Ohne sie wird man sich schwer tun Freunde zu finden...

Und jemand der schwach ist, der mag die notwendige Weichheit besitzen um ein angenehmer Zeitgenosse zu sein... aber ihm fehlt die nötige Stärke um sich im Leben bei Problemen durchsetzen zu können...

Wer nicht weich sondern schwach ist ist der kann einem ebenso leid tun wie jemand der hart aber nicht stark ist...

Das habe ich unbewusst wohl schon vor vielen Jahren erkannt... als ich mir damals Auris ausgedacht habe... und ihr Gegenstück Goldmähne... die beide untrennbar zusammengehören, trotz ihrer Gegensätzlichkeit...

Auris ist stark... das ist ihre herausragende Eigenschaft... aber ohne Goldmähne Weichheit wäre sie einfach nur hart!
Und Goldmähne Weichheit wäre ohne Auris Stärke einfach nur Schwäche...
So ergänzen sich beide, wie die beiden Seiten einer Medallie... erst gemeinsam sind sie komplett...

Also denkt daran: Seit stark... aber nicht hart und weich, aber nicht schwach...

Ich denke das ist die beste Art mit dem Leben, sich selbst und den Mitmenschen umzugehen...

Viele Grüße

Aurisa
499 mal gelesen

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