Die Sache mit den Bienchen und den Blümchen ;)... - Der dritte Frauenabend
Hallo allerseits,
zugegeben, die Überschrift ist ein bisschen irreführend...
Aber ein klein wenig komme ich mir, wenn ich das mit der Transsexualität erkläre, schon so vor, wie jemand, der die Sache mit den Bienchen und den Blümchen erklären soll ;)... 'Aufklärung' halt ;)...
Es geht bei Transsexualität oder besser Transidentität zwar nicht primär um die Sexualität, sondern um die Geschlechtsidentität... aber die Sexualität ist eben zwangsläufig auch davon betroffen und das nicht zu knapp... spätestens dann wenn man sich zur geschlechtsangleichenden Operation entschliesst...
Zwar wird nicht das Innerste nach außen gekehrt... dafür aber das Äußere in die umgekehrte Richtung ;)...
Und das bedeutet nun mal, daß es um ein sehr intimes Thema geht... wie bei der herkömmlichen 'Aufklärung' eben auch...
Und wie dort auch, hat man das Problem jemand etwas erklären zu wollen, der damit bisher wenig bis nichts zu tun hatte... theoretisch und praktisch...
Wir waren gestern Abend dann nur zu dritt, weil die anderen drei an dem Abend leider nicht dabei sein konnten.
Einerseits schade... weil ich es gerne allen auf einmal erklärt hätte, damit ich nicht alles zweimal erklären muss...
Andererseits hat so ein kleiner Rahmen natürlich auch Vorteile... Es erklärt sich einfach leichter, wenn die Gruppe nicht zu groß ist.
Außer mir waren dann gester nur unsere Organisatorin da, die ja schon bescheid wusste, was mir mir los ist... und dann eben noch eine Frau aus unserer Gruppe die als einzige noch nicht 'offiziell' informiert war...
Wir haben dann erstmal wieder eine Weile über alles Mögliche geredet und kamen dann über das Thema Partnerschaft zum Thema heiraten...
Und ich habe diesen Aufhänger dann genutzt um zu erzählen, daß ich bei unserer evangelischen Pfarrerin war um zu fragen, ob ich heiraten darf...
Und dann habe ich eben gesagt, daß ich TS bin... und das mit dem kirchlich heiraten bei mir darum schwierig werden könnte...
Ja und dann gibt es eben mehrere Möglichkeiten, wie ich über das Thema 'aufklären' kann... sei es die 'offene Fragestunde', wo ich die Leute einfach fragen lasse, was sie interessiert, oder ich erzähle die Geschichte ganz von vorne... aber dann würden wir jetzt immer noch dort sitzen ;)... Meine Lebensgeschichte ist zu lang für nur einen Abend...
Schon damals, als ich sie zum ersten mal einer Bekannten erzählt habe, war ein Abend zu kurz dafür... schon damals habe ich dafür zwei Abende gebraucht um das Wesentliche zu erzählen...
Und das war noch lange BEVOR ich mit der Geschlechtsangleichung begonnen habe...
Allein um das was da seither passiert ist brauche ich locker nochmal einen Abend... wenn ich nicht vieles auslassen will...
Ja und nur um diesen letzten Teil meiner Geschichte ging es dann auch gestern Abend... alles andere wäre zu viel gewesen...
Zum besseren Verständnis hatte ich meine rappelvollen TS-Ordner mitgeschleppt, mit den ganzen Unterlagen und sonstigem Papierkrempel, der sich seit 2003, seit ich mit der Geschlechtsangleichung begonnen habe, eben so angesammelt hat...
Den Ordner habe ich vor einiger Zeit ja chronologisch sortiert, so daß man anhand dessen den ganzen Prozess recht gut und anschaulich erklären kann...
Ich habe mich relativ kurz gefasst, so daß ich 'nur' vielleicht so zwei Stunden dafür gebraucht habe...
Für meine Verhältnisse IST das kurz ;)...
Erwartungsgemäß haben die beiden es gut aufgenommen...
Alles andere hätte mich auch gewundert...
Ich habe mich schon oft genug als 'Aufklärerin' betätigt um zu wissen, wie die Menschen darauf zu reagieren... und wie die Reaktionen auf mich als Mensch sind...
Da hatte ich bei zwei intelligenten jungen Frauen, die mich ja auch schon persönlich kannten keine Bedenken, daß sie irgendwie komisch reagieren würden...
Danach haben wir uns dann noch eine Weile über das Thema unterhalten und über die Probleme, die ich deswegen so habe wenn ich jemand neu kennenlerne...
Ich versuch das mal zusammenzufassen, was ich von ihnen als Feedback bekam:
*Aussehen und auch die Stimme sind bei mir zwar nicht perfekt... aber wenn man mir persönlich begegnet auch nicht besonders auffällig...
*am Telefon könnte die Stimme ein Problem sein... aber ich sollte mich doch einfach als Klaudia melden dort... viele würden das dann wohl einfach akzeptieren, daß ich eben eine Frau mit tieferer Stimme bin, ohne das deswegen gleich in Frage zu stellen...
*ich muss nichts zur TS sagen, wenn ich jemand neu kennenlerne... denn das sei schließlich meine ganz persönliche Sache, die niemand etwas angeht...
*andererseits fanden sie meine Offenheit darüber zu reden sehr gut...
*bei dem Freizeitportal, wo ich sie kennengelernt habe, würden viele eben 'Spiel, Sport und Spaß' suchen... eben eher 'leichte Unterhaltung' für ihre Freizeitgestaltung... und da hätte dann eben so mancher schlicht keine Lust sich mit 'Problemen' wie meiner TS rumzuschlagen...
*ich würde mir einfach zu viele Gedanken machen...
Keine grundlegend neuen Erkenntnisse also... aber das war auch nicht zu erwarten gewesen...
Gerade der letzte Gedanke bringt es aber sehr schön auf den Punkt...
Ich bin nunmal ein Mensch, der sich VIELE Gedanken macht...
Das ist NICHT grundsätzlich schlecht, wie ich betonen möchte!
Ich wäre nicht der Mensch, der ich bin, wenn ich mir nicht so viele Gedanken über alles Mögliche machen würde...
Aber... wie immer im Leben kann man alles übertreiben...
Und wenn das 'sich Gedanken machen' in sinnlose Grübeleien ausartet, zu überzogenen Ängsten oder gar Depressionen führt... dann ist das sicher nicht mehr gut...
Das ist übrigens auch ein typisches Problem schüchterner Menschen wie mir, wie ich inzwischen ja weiss, daß sie ständig und viel zu viel darüber nachdenken, was DIE ANDEREN wohl über sie denken mögen...
Mit der Transsexualtität hat das erstmal rein gar nichts zu tun...
Das war früher, als ich noch nicht wusste, was mir mir los ist genauso wie heute...
Nur macht die TS es nicht gerade einfacher für mich, weil sie für mich eben ein zusätzliches Problem ist...
Oder vielleicht sollte ich sagen: weil ich sie als zusätzliches Problem SEHE...
Manchmal ist sie ja auch WIRKLICH ein Problem...
aber oft mache ich mir da wohl auch wirklich viel zu viele Gedanken... und eben auch unnötige Sorgen und Ängste...
Mein Fazit dieses Abends ist also klar:
Ich mache mir oft - nicht immer (!) - zu viele Gedanken wegen der TS und damit zu viele Sorgen, wie die Menschen darauf möglicherweise negativ reagieren könnten...
Und die Konsequenz ist ebenso klar:
Ich muss lernen mir weniger Gedanken/Sorgen zu machen... und einfach lockerer damit umzugehen...
Und das kann ich dann auch gleich üben, wenn die anderen drei, die diesmal nicht dabei waren, bei einem der folgenden Frauenabende wieder mit dabei sind...
Wenn es sich ergibt - und nur dann, etwas erzwingen zu wollen ist völlig überflüssig - werde ich bei ihnen dann mal versuchen das Thema TS ganz nebenbei und möglichst selbstverständlich zu erwähnen... als wäre das etwas ganz Normales und eigentlich nicht groß der Rede wert...
Und wenn dann - was zu erwarten ist - Fragen dazu kommen, dann werde ich die natürlich gewohnt offen beantworten...
Also mal sehen ob ich diese Übung in weniger Gedanken machen und ganz selbstverständlich mit der TS umgehen hinbekomme...
Viele Grüße
Aurisa
zugegeben, die Überschrift ist ein bisschen irreführend...
Aber ein klein wenig komme ich mir, wenn ich das mit der Transsexualität erkläre, schon so vor, wie jemand, der die Sache mit den Bienchen und den Blümchen erklären soll ;)... 'Aufklärung' halt ;)...
Es geht bei Transsexualität oder besser Transidentität zwar nicht primär um die Sexualität, sondern um die Geschlechtsidentität... aber die Sexualität ist eben zwangsläufig auch davon betroffen und das nicht zu knapp... spätestens dann wenn man sich zur geschlechtsangleichenden Operation entschliesst...
Zwar wird nicht das Innerste nach außen gekehrt... dafür aber das Äußere in die umgekehrte Richtung ;)...
Und das bedeutet nun mal, daß es um ein sehr intimes Thema geht... wie bei der herkömmlichen 'Aufklärung' eben auch...
Und wie dort auch, hat man das Problem jemand etwas erklären zu wollen, der damit bisher wenig bis nichts zu tun hatte... theoretisch und praktisch...
Wir waren gestern Abend dann nur zu dritt, weil die anderen drei an dem Abend leider nicht dabei sein konnten.
Einerseits schade... weil ich es gerne allen auf einmal erklärt hätte, damit ich nicht alles zweimal erklären muss...
Andererseits hat so ein kleiner Rahmen natürlich auch Vorteile... Es erklärt sich einfach leichter, wenn die Gruppe nicht zu groß ist.
Außer mir waren dann gester nur unsere Organisatorin da, die ja schon bescheid wusste, was mir mir los ist... und dann eben noch eine Frau aus unserer Gruppe die als einzige noch nicht 'offiziell' informiert war...
Wir haben dann erstmal wieder eine Weile über alles Mögliche geredet und kamen dann über das Thema Partnerschaft zum Thema heiraten...
Und ich habe diesen Aufhänger dann genutzt um zu erzählen, daß ich bei unserer evangelischen Pfarrerin war um zu fragen, ob ich heiraten darf...
Und dann habe ich eben gesagt, daß ich TS bin... und das mit dem kirchlich heiraten bei mir darum schwierig werden könnte...
Ja und dann gibt es eben mehrere Möglichkeiten, wie ich über das Thema 'aufklären' kann... sei es die 'offene Fragestunde', wo ich die Leute einfach fragen lasse, was sie interessiert, oder ich erzähle die Geschichte ganz von vorne... aber dann würden wir jetzt immer noch dort sitzen ;)... Meine Lebensgeschichte ist zu lang für nur einen Abend...
Schon damals, als ich sie zum ersten mal einer Bekannten erzählt habe, war ein Abend zu kurz dafür... schon damals habe ich dafür zwei Abende gebraucht um das Wesentliche zu erzählen...
Und das war noch lange BEVOR ich mit der Geschlechtsangleichung begonnen habe...
Allein um das was da seither passiert ist brauche ich locker nochmal einen Abend... wenn ich nicht vieles auslassen will...
Ja und nur um diesen letzten Teil meiner Geschichte ging es dann auch gestern Abend... alles andere wäre zu viel gewesen...
Zum besseren Verständnis hatte ich meine rappelvollen TS-Ordner mitgeschleppt, mit den ganzen Unterlagen und sonstigem Papierkrempel, der sich seit 2003, seit ich mit der Geschlechtsangleichung begonnen habe, eben so angesammelt hat...
Den Ordner habe ich vor einiger Zeit ja chronologisch sortiert, so daß man anhand dessen den ganzen Prozess recht gut und anschaulich erklären kann...
Ich habe mich relativ kurz gefasst, so daß ich 'nur' vielleicht so zwei Stunden dafür gebraucht habe...
Für meine Verhältnisse IST das kurz ;)...
Erwartungsgemäß haben die beiden es gut aufgenommen...
Alles andere hätte mich auch gewundert...
Ich habe mich schon oft genug als 'Aufklärerin' betätigt um zu wissen, wie die Menschen darauf zu reagieren... und wie die Reaktionen auf mich als Mensch sind...
Da hatte ich bei zwei intelligenten jungen Frauen, die mich ja auch schon persönlich kannten keine Bedenken, daß sie irgendwie komisch reagieren würden...
Danach haben wir uns dann noch eine Weile über das Thema unterhalten und über die Probleme, die ich deswegen so habe wenn ich jemand neu kennenlerne...
Ich versuch das mal zusammenzufassen, was ich von ihnen als Feedback bekam:
*Aussehen und auch die Stimme sind bei mir zwar nicht perfekt... aber wenn man mir persönlich begegnet auch nicht besonders auffällig...
*am Telefon könnte die Stimme ein Problem sein... aber ich sollte mich doch einfach als Klaudia melden dort... viele würden das dann wohl einfach akzeptieren, daß ich eben eine Frau mit tieferer Stimme bin, ohne das deswegen gleich in Frage zu stellen...
*ich muss nichts zur TS sagen, wenn ich jemand neu kennenlerne... denn das sei schließlich meine ganz persönliche Sache, die niemand etwas angeht...
*andererseits fanden sie meine Offenheit darüber zu reden sehr gut...
*bei dem Freizeitportal, wo ich sie kennengelernt habe, würden viele eben 'Spiel, Sport und Spaß' suchen... eben eher 'leichte Unterhaltung' für ihre Freizeitgestaltung... und da hätte dann eben so mancher schlicht keine Lust sich mit 'Problemen' wie meiner TS rumzuschlagen...
*ich würde mir einfach zu viele Gedanken machen...
Keine grundlegend neuen Erkenntnisse also... aber das war auch nicht zu erwarten gewesen...
Gerade der letzte Gedanke bringt es aber sehr schön auf den Punkt...
Ich bin nunmal ein Mensch, der sich VIELE Gedanken macht...
Das ist NICHT grundsätzlich schlecht, wie ich betonen möchte!
Ich wäre nicht der Mensch, der ich bin, wenn ich mir nicht so viele Gedanken über alles Mögliche machen würde...
Aber... wie immer im Leben kann man alles übertreiben...
Und wenn das 'sich Gedanken machen' in sinnlose Grübeleien ausartet, zu überzogenen Ängsten oder gar Depressionen führt... dann ist das sicher nicht mehr gut...
Das ist übrigens auch ein typisches Problem schüchterner Menschen wie mir, wie ich inzwischen ja weiss, daß sie ständig und viel zu viel darüber nachdenken, was DIE ANDEREN wohl über sie denken mögen...
Mit der Transsexualtität hat das erstmal rein gar nichts zu tun...
Das war früher, als ich noch nicht wusste, was mir mir los ist genauso wie heute...
Nur macht die TS es nicht gerade einfacher für mich, weil sie für mich eben ein zusätzliches Problem ist...
Oder vielleicht sollte ich sagen: weil ich sie als zusätzliches Problem SEHE...
Manchmal ist sie ja auch WIRKLICH ein Problem...
aber oft mache ich mir da wohl auch wirklich viel zu viele Gedanken... und eben auch unnötige Sorgen und Ängste...
Mein Fazit dieses Abends ist also klar:
Ich mache mir oft - nicht immer (!) - zu viele Gedanken wegen der TS und damit zu viele Sorgen, wie die Menschen darauf möglicherweise negativ reagieren könnten...
Und die Konsequenz ist ebenso klar:
Ich muss lernen mir weniger Gedanken/Sorgen zu machen... und einfach lockerer damit umzugehen...
Und das kann ich dann auch gleich üben, wenn die anderen drei, die diesmal nicht dabei waren, bei einem der folgenden Frauenabende wieder mit dabei sind...
Wenn es sich ergibt - und nur dann, etwas erzwingen zu wollen ist völlig überflüssig - werde ich bei ihnen dann mal versuchen das Thema TS ganz nebenbei und möglichst selbstverständlich zu erwähnen... als wäre das etwas ganz Normales und eigentlich nicht groß der Rede wert...
Und wenn dann - was zu erwarten ist - Fragen dazu kommen, dann werde ich die natürlich gewohnt offen beantworten...
Also mal sehen ob ich diese Übung in weniger Gedanken machen und ganz selbstverständlich mit der TS umgehen hinbekomme...
Viele Grüße
Aurisa
Aurisa - 28. Feb, 12:50