Phantomgliedschmerzen
Hallo zusammen,
diesmal ein nicht ganz jugendfreier Eintrag ;).
Lässt sich nun mal manchmal nicht vermeiden, wenn man über ein so intime Bereiche betreffendes Thema wie Transidentität schreibt...
Ich lese gerade das Buch "Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn" von dem Psychologen und Neurowissenschaftler Vilayanur Ramachandran.
Darin spricht er unter anderem über Phantomschmerzen und erklärt, wie diese wahrscheinlich zustande gekommen.
Vereinfach gesagt ist jeder Teil unseres Körpers in einem abgegrenzten Bereich einer Region unseres Gehirns repräsentiert, d.h. es gibt da Bereiche für den rechten und den linken Arm, die beiden Beine, das Gesicht usw.
Dabei sind nebenbei die sensiblen Bereiche mit besonders vielen Nervenenden (vor allem Hände, Lippen, Geschlechtsteile) besonders stark repräsentiert, d.h. sie nehmen im Gehirn einen besonders großen Raum ein.
Wenn jetzt ein Teil des Körpers amputiert wird, dann bekommen die Nervenzellen in dem für diesen Körperteil zuständigen Bereich des Gehirns keine Daten von den nicht mehr vorhandenen Nerven dieses Körperteils.
Sie "langweilen" sich sozusagen, weil sie nichts mehr zu tun haben - und suchen sich eine neue Beschäftigung indem sie Funktionen von benachbarten Bereichen im Gehirn mit übernehmen.
Ein amputierter Arm etwa kann dazu führen, daß der Betroffen diesen verlorenen Arm dann im Gesicht spürt, weil die Bereiche von Arm(en) und Gesicht im Gehirn nebeneinander liegen.
Ja und der Autor erklärt dann weiter, daß es auch bei Männern, deren Penis wegen einer Krebserkrankung amputiert werden musste, im amputierten Glied noch Phantomempfindungen und sogar Phantomerektionen gibt...
Nebenbei spüren diese Männer diese Phantomerektionen in den Beinen, was daran liegt, daß im Gehirn Genitalien und Beine in benachbarten Bereichen liegen, wie oben erklärt.
Der Autor vermutet, daß aus diesen Gründen für viele Menschen die Füsse eine erogene Zone sind und es darum so viele Fussfetischisten gibt.
Ja und dann stellt sich der Autor die Frage, wie das wohl bei Transidenten nach der Operation wäre.
Er vermutet, daß bei diesen solche Phantomgefühle im amputieren Penis möglicherweise SELTENER sein könnten, als bei Männern, denen der Penis wegen Krebs amputiert werden musste.
Grund: transidente Frauen äußern häufig, daß sie ihren Penis als nicht wirklich zu sich gehörig empfinden, als nicht Teil von ihnen, weil sie sich ja als Frauen empfinden.
Der Autor vermutet deswegen, daß das genetisch festgelegte Gehirngeschlecht und das damit zusammenhängende Körperbild dieser TI-Frauen weiblich und nicht männlich ist.
Falls diese Annahme stimmen würde, dürften Phantomempfindungen bei TI-Frauen nach der Operation tatsächlich seltener vorkommen, weil dann bei diesen ihr Penis im Gehirn nicht so repräsentiert wäre wie bei Männern.
Ich muss gestehen, ich hatte vorher noch nie von Phantomempfindungen im amputierten Penis gehört.
Und dabei beschäftige ich mich jetzt doch schon ein ganzes Weilchen mit dem Thema Transidentiät.
Natürlich ist das auch ein Thema über das Betroffene nicht unbedingt reden werden und wollen... falls sie denn solche Phantomempfindungen haben sollten...
Ich bin aber persönlich ein wenig skeptisch, was die Vermutung von Herrn Ramachandran angeht.
Ich bin zwar seiner Meinung, daß das Gehirn von Transidenten anders verschaltet ist, als das von nicht transidenten Menschen.
Es gibt ja inzwischen Untersuchungen, die belegen, daß transidente Frauen offenbar ein - zumindest teilweise - weibliches Gehirn haben und transidente Männer ein männliches, also ihr "Gehirngeschlecht" ihrem "gefühltem" Geschlecht entspricht und nicht ihrem körperlichen...
ABER... ich habe doch gewisse Zweifel, daß das auch für die Geschlechtsteile gilt...
Es ist natürlich richtig, daß transidente Frauen ihren Penis mehr oder weniger stark ablehnen - auch da gibt es aber Ausnahmen - und ihn nicht als Teil von sich empfinden und manche behaupten sogar sie würden eine Vagina bei sich empfinden - wohlgemerkt schon VOR der Operation - aber ich halte das eher für ein psychologisches Phänomen.
Da transidente Frauen vor der Operation nun mal einen Penis haben, MUSS dieser auch in irgend einer Form im Gehirn repräsentiert sein, sonst könnten sie ihn gar nicht spüren.
Und ich bezweifle doch eher, daß dort auch eine imaginäre Phantom-Vagina zusätzlich angesiedelt ist...
völlig ausschliessen kann ich es aber auch nicht...
Möglicherweise liege ich ja auch falsch und Vilayanur Ramachandran richtig.
Was stimmt werde ich wohl erstmal nicht erfahren... solange bis es Untersuchungen dazu gibt...
Jemand betroffenes danach zu fragen... dazu ist mir die Frage zu intim... zumal ich zu keiner anderen Transidenten so engen persönlichen Kontakt habe um solche Dinge zu fragen...
Aber wer weiss, vielleicht erfahre ich es ja auch noch am eigenen Leib, ob es solche Phantomempfindungen im Penis gibt...
Viele Grüßle
Aurisa
LINKS:
*Zum Blog-Starteintrag:
http://aurisa.twoday.net/stories/1504914/comment
diesmal ein nicht ganz jugendfreier Eintrag ;).
Lässt sich nun mal manchmal nicht vermeiden, wenn man über ein so intime Bereiche betreffendes Thema wie Transidentität schreibt...
Ich lese gerade das Buch "Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn" von dem Psychologen und Neurowissenschaftler Vilayanur Ramachandran.
Darin spricht er unter anderem über Phantomschmerzen und erklärt, wie diese wahrscheinlich zustande gekommen.
Vereinfach gesagt ist jeder Teil unseres Körpers in einem abgegrenzten Bereich einer Region unseres Gehirns repräsentiert, d.h. es gibt da Bereiche für den rechten und den linken Arm, die beiden Beine, das Gesicht usw.
Dabei sind nebenbei die sensiblen Bereiche mit besonders vielen Nervenenden (vor allem Hände, Lippen, Geschlechtsteile) besonders stark repräsentiert, d.h. sie nehmen im Gehirn einen besonders großen Raum ein.
Wenn jetzt ein Teil des Körpers amputiert wird, dann bekommen die Nervenzellen in dem für diesen Körperteil zuständigen Bereich des Gehirns keine Daten von den nicht mehr vorhandenen Nerven dieses Körperteils.
Sie "langweilen" sich sozusagen, weil sie nichts mehr zu tun haben - und suchen sich eine neue Beschäftigung indem sie Funktionen von benachbarten Bereichen im Gehirn mit übernehmen.
Ein amputierter Arm etwa kann dazu führen, daß der Betroffen diesen verlorenen Arm dann im Gesicht spürt, weil die Bereiche von Arm(en) und Gesicht im Gehirn nebeneinander liegen.
Ja und der Autor erklärt dann weiter, daß es auch bei Männern, deren Penis wegen einer Krebserkrankung amputiert werden musste, im amputierten Glied noch Phantomempfindungen und sogar Phantomerektionen gibt...
Nebenbei spüren diese Männer diese Phantomerektionen in den Beinen, was daran liegt, daß im Gehirn Genitalien und Beine in benachbarten Bereichen liegen, wie oben erklärt.
Der Autor vermutet, daß aus diesen Gründen für viele Menschen die Füsse eine erogene Zone sind und es darum so viele Fussfetischisten gibt.
Ja und dann stellt sich der Autor die Frage, wie das wohl bei Transidenten nach der Operation wäre.
Er vermutet, daß bei diesen solche Phantomgefühle im amputieren Penis möglicherweise SELTENER sein könnten, als bei Männern, denen der Penis wegen Krebs amputiert werden musste.
Grund: transidente Frauen äußern häufig, daß sie ihren Penis als nicht wirklich zu sich gehörig empfinden, als nicht Teil von ihnen, weil sie sich ja als Frauen empfinden.
Der Autor vermutet deswegen, daß das genetisch festgelegte Gehirngeschlecht und das damit zusammenhängende Körperbild dieser TI-Frauen weiblich und nicht männlich ist.
Falls diese Annahme stimmen würde, dürften Phantomempfindungen bei TI-Frauen nach der Operation tatsächlich seltener vorkommen, weil dann bei diesen ihr Penis im Gehirn nicht so repräsentiert wäre wie bei Männern.
Ich muss gestehen, ich hatte vorher noch nie von Phantomempfindungen im amputierten Penis gehört.
Und dabei beschäftige ich mich jetzt doch schon ein ganzes Weilchen mit dem Thema Transidentiät.
Natürlich ist das auch ein Thema über das Betroffene nicht unbedingt reden werden und wollen... falls sie denn solche Phantomempfindungen haben sollten...
Ich bin aber persönlich ein wenig skeptisch, was die Vermutung von Herrn Ramachandran angeht.
Ich bin zwar seiner Meinung, daß das Gehirn von Transidenten anders verschaltet ist, als das von nicht transidenten Menschen.
Es gibt ja inzwischen Untersuchungen, die belegen, daß transidente Frauen offenbar ein - zumindest teilweise - weibliches Gehirn haben und transidente Männer ein männliches, also ihr "Gehirngeschlecht" ihrem "gefühltem" Geschlecht entspricht und nicht ihrem körperlichen...
ABER... ich habe doch gewisse Zweifel, daß das auch für die Geschlechtsteile gilt...
Es ist natürlich richtig, daß transidente Frauen ihren Penis mehr oder weniger stark ablehnen - auch da gibt es aber Ausnahmen - und ihn nicht als Teil von sich empfinden und manche behaupten sogar sie würden eine Vagina bei sich empfinden - wohlgemerkt schon VOR der Operation - aber ich halte das eher für ein psychologisches Phänomen.
Da transidente Frauen vor der Operation nun mal einen Penis haben, MUSS dieser auch in irgend einer Form im Gehirn repräsentiert sein, sonst könnten sie ihn gar nicht spüren.
Und ich bezweifle doch eher, daß dort auch eine imaginäre Phantom-Vagina zusätzlich angesiedelt ist...
völlig ausschliessen kann ich es aber auch nicht...
Möglicherweise liege ich ja auch falsch und Vilayanur Ramachandran richtig.
Was stimmt werde ich wohl erstmal nicht erfahren... solange bis es Untersuchungen dazu gibt...
Jemand betroffenes danach zu fragen... dazu ist mir die Frage zu intim... zumal ich zu keiner anderen Transidenten so engen persönlichen Kontakt habe um solche Dinge zu fragen...
Aber wer weiss, vielleicht erfahre ich es ja auch noch am eigenen Leib, ob es solche Phantomempfindungen im Penis gibt...
Viele Grüßle
Aurisa
LINKS:
*Zum Blog-Starteintrag:
http://aurisa.twoday.net/stories/1504914/comment
Aurisa - 3. Feb, 05:43
ich habe
Ich hatte doch (aufgrund einer hypermammaetrophie) eine brustreduktionsplastik. zwei kilo pro seite wurden entfernt. und manchmal juckt es. und ich kann mit kratzen keinerlei einfluss darauf nehmen.... aber es ist nicht lästig, nur eigenartig
das erinnert mich jetzt daran, daß ich vor knapp einem Jahr mal versucht habe mich unter meinen Silikon-Brustimitaten zu kratzen... bis mir klar wurde, daß ich die doch gar nicht mehr trage, weil die echten Brüste inzwischen groß genug waren um darauf zu verzichten ;).
Wer weiss, vielleicht ist es bei dir tatsächlich ein Phantomjucken. Denkbar wäre es.
ZWEI Kilo pro Seite wurden dir entfernt...? Ganz schön viel... Ich schätze ich habe nicht mal insgesamt zwei Kilo *schnief*.
Aber mir deswegen Brustimplantate einsetzen lassen, wie viele Mittransen und auch manche normale Frauen es tun... das sehe ich nicht ein. Ohne Not will ich mir keine Fremdkörper in den Körper einsetzen lassen.
Schließlich werde ich deswegen auch keine normale Frau und sehe auch nicht wirklich überzeugender aus...
Viele Grüßle
Aurisa
lol
puh... wenn du jetzt immer noch Größe C hast, obwohl dir vier Kilo entfernt wurden, dann verstehe ich voll und ganz, daß du dich deswegen unters Messer gelegt hast.
Da musst du dich vorher ja ständig angestarrt gefühlt haben...
Ansonsten schade, daß man nicht das eine oder andere tauschen kann ;)... Da gäbe es sicher einen Regen Handel unter denen mit zuviel und denen mit zuwenig ;)...
Viele Grüßle
Aurisa