Die GA-OP: richtige und falsche Gründe dafür...

Hallo zusammen,
Gründe dafür etwas zu tun oder zu lassen gibt es eigentlich immer...
Die eigentliche Frage ist, ob es die richtigen oder die falschen Gründe sind...

*ein falscher Grund mich für die Operation zu entscheiden wäre es, weil ich so lange darauf hin gearbeitet habe, weil es mich so viel Zeit und Mühe gekostet hat soweit zu kommen die Operation machen lassen zu dürfen... und weil das nicht alles 'vergeblich' gewesen sein soll...
Wer A sagt muss eben NICHT auch B sagen!
Wenn sich die Umstände ändern oder wenn man sich selber ändert, die eigenen Ansichten und Prioritäten, dann muss man auch dazu fähig sein sich der neuen Lage anzupassen.
Etwas zu machen, obwohl es einem heute nicht mehr wichtig ist oder nicht mehr richtig erscheint, nur weil es einem früher mal wichtig war, nur weil man schon viel dafür investiert hat... das ist einfach nur dumm...

*ein falscher Grund mich dafür zu entscheiden wäre es, weil 'das einfach dazu gehört', weil Frau ohne die Operation 'gar keine richtige Transidente und auch keine richtige Frau sei', so die Meinung mancher Leute, vor allem die vieler operierter und die Operation anstrebender Transidenten...
Kaum zu glauben, daß ich selber früher auch mal so einen Unsinn gedacht habe *kopfschüttel*... Das ist allerdings schon ziemlich lange her...
Nein, ob man TI und Frau ist, das entscheidet sich im Kopf... und nicht daran was man zwischen den Beinen hat oder an sonstigen Äußerlichkeiten...

*ein falscher Grund wäre es auch, wenn ich es machen lassen würde, weil ich es vorher angekündigt habe, daß ich sie machen lasse... und darum das Gefühl habe, ich müsste sie jetzt auch wirklich machen lassen...
Das nur deswegen machen zu lassen, weil irgendjemand es von mir erwartet, nachdem ich jetzt so lange davon geredet habe, das wäre wirklich unglaublich dumm...
Schließlich ist es mein Leben und ich muss entscheiden, wie ich es leben will... Was 'irgendjemand' davon hält und ob man sich über mich lustig macht oder sonstwas, weil ich die OP eventuell nicht machen lasse... das muss mir egal sein...

*ein falscher Grund wäre es auch, es machen zu lassen, weil ich jetzt seit fast drei Jahren einen Blog zur Transidentität führe und ich in diesem natürlich gerne über die ganze Geschlechtsangleichung schreiben würde, einfach um die Sache wirklich rund zu machen und nicht mittendrin mit diesem Blog aufzuhören...
Aber... auch wenn man als Schreiber sich seinen Lesern irgendwo verpflichtet fühlt... mich nur deshalb operieren zu lassen, weil das einen hohen Informations- und Unterhaltungswert für das Bloggen hätte... soweit will ich dann doch nicht gehen ;)...
SO bescheuert, DAS zu tun, nur um hinterher darüber bloggen zu können bin ich dann doch nicht ;)...
Immerhin muss ich mit dem Ergebnis den Rest meines Lebens verbringen...

*ein ganz falscher Grund die OP machen zu lassen wäre zu glauben, die Akzeptanz der Umwelt würde nach der Operation größer werden...
Das wird sie nicht. Ob man operiert ist oder nicht sieht normalerweise kein Mensch. Dadurch sieht man im Alltag auch nicht weiblicher aus. Und normalerweise ist man auch nicht dazu verpflichtet jemand zu sagen, ob man operiert ist oder nicht...

*ein falscher Grund die Operation machen zu lassen wäre es auch, weil ich dann wieder jahrelang auf einen neuen Termin warten müsste, falls ich es mir später doch noch mal anders überlegen sollte, wenn ich den Termin nicht wahrnehme...
Das wäre immer noch besser als eine Operation machen zu lassen und später festzustellen, daß man die falsche Entscheidung getroffen hat...

*ein falscher Grund wäre auch, die OP machen zu lassen, weil ich ohne nicht mehr schwimmen gehen oder mich sonst entblössen mag...
Entweder man meidet solche Situationen dann halt eben oder man gewöhnt sich daran... aber das alleine kann kein Grund sein, die OP machen zu lassen, denn damit würde man sagen: Ich mache die Operation wegen den Mitmenschen, deren Reaktionen mir unangenehm sind.
Aber das ist falsch! Die Operation sollte man für sich selber machen, nicht wegen den Reaktionen der Leute!

*ein falscher Grund die Operation machen zu lassen wäre auch die Sexualität. Die Hoffnung, danach wieder mehr zu spüren kann kein Grund für die Operation sein, schleßlich wusste ich vorher schon, daß ich für die Transidentität zumindestens einen Teil meiner Sexualität, schlimmstenfalls die ganze opfern muss.
Das ist ein Teil des Preises, den ich dafür bezahlen muss und weil ich mich für die Transidentität und damit gegen die Sexualität entschieden habe, bedeutet das, daß die TI mir wichtiger ist. Darum kann die Sexualität bei der Entscheidung für oder gegen die Operation keine entscheidende Rolle spielen.

*ein falscher Grund mich für die Operation zu entscheiden wäre auch die Rechtssicherheit die ich dadurch bekäme... die rechtliche Anerkennung als Frau...
Sicher wäre das schön und manchmal vielleicht auch hilfreich... aber entscheidend für mich ist nicht, was im Gesetzt steht... entscheidend ist, als was ich mich fühle...
Schließlich haben sich früher Transidente auch operieren lassen, als es noch keine gesetzliche Anerkennung als Frau gab...

*ein falscher Grund, die OP machen zu lassen wäre es auch, weil ich mir so wie ich jetzt bin kaum eine Beziehung vorstellen kann und in der Hoffnung, daß ich nach der Operation freier wäre mich auf irgendetwas einzulassen... und daß sich vielleicht irgendwann dann auch tatsächlich etwas ergeben könnte...
Letztlich muss ich - gerade als TI-Frau! - in der Lage sein auch alleine klar zu kommen, keine Beziehung zu brauchen. Und das kann ich. Man sollte sein Lebensglück nicht an andere Menschen hängen...
und schon gar nicht die Operation in der vagen Hoffung machen lassen, das sich dann vielleicht doch irgendwann mal eine Beziehung ergeben könnte...

*ein falscher Grund wäre es auch, sich zu operieren, weil man glaubt es tun zu müssen...
Auch wenn unser 'freier Wille' wohl nicht so frei ist wie wir glauben oder es uns wünschen würden... aber zumindest eine gewisse Wahlfreiheit haben wir doch immer... Wir können uns unsere Zwänge aussuchen wie es Anja so treffend formulierte...
Und sich deswegen operieren zu lassen, weil man glaubt man müsste das tun, das halte ich für den ganz falschen Ansatz... auch und gerade weil ich selber das früher auch mal geglaubt habe...
Sterben müssen wir alle irgendwann... ansonsten hat man immer die Wahl zwischen mehreren Alternativen...
Und sich einzureden: Ich MUSS diese Operation jetzt machen lassen, weil ich sonst nicht weiterleben kann und mir das Leben nehmen muss! Das halte ich heute für ausgemachten Unsinn... Ich denke es gibt immer Alternativen, immer andere Möglichkeiten...
Aber viele Betroffene sind emotional so unter Druck, haben sich selber so sehr eingeredet, daß sie das machen müssen, daß sie sich gar keine Alternative dazu mehr vorstellen können und wollen...
Aber sich nur wegen einem solchen selbstgemachten Druck operieren zu lassen, nein das kann nicht richtig sein...
Nur wenn man eine echte Wahl hat, kann man eine echte Entscheidung für oder gegen etwas treffen!
Wenn ich etwas nur tue, weil ich glaube, es tun zu müssen, dann ist das ebensowenig eine freie Entscheidung, als wenn mir jemand eine Pistole an den Kopf hält und mich zwingt etwas zu tun!
Und so eine Entscheidung unter Zwang, egal ob fremden oder selbstgemachten - kann nie frei sein... und ist daher nicht gut!
Denn das bedeutet doch, daß ich irgendwann später erkennen kann, daß ich das gar nicht tun musste, daß ich auch eine andere Wahl gehabt hätte... und dann bereut man seine Entscheidung...
Das kann man nur vermeiden, wenn man vorher wirklich die Wahl hatte und ganz bewusst seine Wahl zwischen den verschiedenen Möglichkeiten getroffen hat...

*ein falscher Grund sich operieren zu lassen wäre auch zu glauben, danach würde alles gut...
Das wird es nicht werden. Die Probleme die man vorher hatte bleiben einem auch hinterher erhalten. Die lassen sich nicht wegoperieren. Und die Enttäuschung ist dann vorprogrammiert.
Je größer die Erwartungen sind mit denen jemand in so eine Operation geht, desto größer wird die Enttäuschung sein und umso sicherer wird sie kommen...

All das sind die FALSCHEN Gründe, sich für die Operation zu entscheiden... und vielleicht fallen mir später noch mehr ein...

Ich glaube es gibt eigentlich NUR falsche Gründe sich für diese Operation zu entscheiden... mit einer einzigen Ausnahme...

Der einzige richtige Grund, sich operieren zu lassen ist meiner Meinung nach es wirklich zu WOLLEN - wie gesagt nicht zu müssen, sondern zu wollen... -, von ganzem Herzen und nicht nur halbherzig, das sichere Gefühl zu haben, daß die geschlechtsangleichende Operation das RICHTIGE für einen ist... und daß einem die Operation so WICHTIG ist, daß man bereit ist dafür alle Konsequenzen in kauf zu nehmen...

Darum habe ich die Operation in Essen nicht machen lassen... weil ich erkannt habe, daß all die oben genannten Sachen die falschen Gründe wären sich für die Operation zu entscheiden...
Schon kurz vor Essen erkannt hatte ich erkannt, daß ich die Operation NICHT machen muss, wie ich früher geglaubt hatte, sondern, daß ich sie machen lassen KANN... oder eben auch darauf verzichten kann...
Aber da dachte ich noch, daß ich sie auch machen lassen WILL... sonst wäre ich gar nicht erst nach Essen gefahren...
Oh ja, ich hatte gewisse Zweifel, ob ich wirklich das richtige tue... aber ich dachte das wäre normal, vor so einer großen Operation und das ist es sicher auch...
Erst in Essen ist mir dann klar geworden, daß ich die Operation nicht nur nicht mehr machen muss, sondern, daß auch der Wunsch sie machen zu lassen längst nicht mehr so stark ist wie früher... weil ich erkannt habe, daß es wichtigeres gibt für mich im Leben, weil es für mein TI- und Frausein, für mein Selbstbild und Selbstbewusstsein nicht mehr entscheidend ist, ob ich operiert bin oder nicht...
Erst in Essen ist mir also klar geworden, daß diese Operation nicht mehr so wahnsinnig wichtig für mich ist... und darum kamen mir Zweifel ob es unter diesen Umständen wirklich richtig ist sie machen zu lassen...
Ein so großer unumkehrbarer Eingriff für eine Sache die einem nur noch mittelprächtig wichtig ist...???
Nein, dazu konnte ich guten Gewissens nicht mehr ja sagen...
Und darum war es in Essen die einzig richtige Entscheidung NEIN zu sagen und unverrichteter Dinge wieder heim zu fahren...
Bei so einer Sache muss man mit dem ganzen Herzen dabei sein... oder es lassen...

Und seither versuche ich mir in Ruhe darüber klar zu werden, ob ich mich doch noch dafür entscheiden oder das alles vergessen soll...

Ich kann guten Gewissens nur dann ja sagen, wenn mein Herz JA sagt...
Darauf kommt es an... und nur darauf... alle anderen Gründe für die Operation sind falsche Gründe!
So etwas kann man nicht mit dem Kopf entscheiden... und man sollte seine Entscheidung schon gar nicht von irgendwelchen falschen Gründen beeinflussen lassen...

Und bisher ist mein Herz noch unentschlossen...
Will ich das wirklich? Ist es mir den Preis wert, den ich dafür zahlen muss?

Das versuche ich seit Essen herauszufinden...

Und habe dabei ein Problem...
Ich hätte ja im August noch einen Ausweichtermin für die Operation...
Ja und darum sollte ich rechtzeitig vorher wissen, was ich will... möglichst bis spätestens Mitte Juni...
Denn ich möchte nicht, daß es mir noch einmal wie in Essen geht, ich will nicht noch einmal im letzten Moment Zweifel bekommen und dann die Operation absagen...
Es war mir gar nicht recht in Essen Umstände gemacht, Kosten verursacht und einen Termin blockiert zu haben, so daß andere Betroffene wegen mir länger warten mussten, wenn auch nur wenige Wochen...
Aber es ging nunmal nicht anders... Ich konnte guten Herzens nicht ja zur Operation sagen und da mir das erst in Essen klar wurde konnte ich auch erst dort absagen...
Und es wäre auch einer der ganz falschen Gründe gewesen, die OP trotzdem machen zu lassen, nur weil es einem unangenehm ist unnötige Umstände gemacht zu haben und man darum das Gefühl hat, man müsste deswegen die OP jetzt auch machen lassen...
Jedenfalls will ich es vermeiden, daß mir im August nochmal dasselbe Passiert wie in Essen...
Ich will nicht nochmal unnötige Umstände verursachen...
ABER... falls mir im August wieder im letzten Moment Bedenken kommen sollten, dann müsste und würde ich die OP wieder kurzfristig absagen... denn wie gesagt wäre es einfach FALSCH sie machen zu lassen, wenn man sich nicht sicher ist!
Weil ich so eine Situation aber wenn irgend möglich nicht noch einmal erleben will, sollte ich mich eben möglichst bis Juni entschieden habe, ob ich die OP machen lassen will oder nicht...
Falls ich bis dahin immer noch zu keiner Entscheidung finden konnte, oder selbst dann, wenn ich zwar JA sage, aber trotzdem noch Zweifel habe, dann werde ich die OP rechtzeitig vorher, also im Juni absagen... auch wenn das bedeutet, daß ich sie dann für sehr lange, wenn nicht für immer nicht mehr machen lassen werde...
weil ich dann wieder jahrelang auf einen neuen Termin warten müsste...

Also sollte ich eben bis Juni wissen, was ich will... oder eben nicht will...

Nicht einfach, denn so eine Herzensentscheidung kann man nicht erzwingen...

Und auf Probe operieren geht nun mal leider nicht...

Darum habe ich im Dezember zuerst ganz klein damit angefangen, wie sich typische Frauensachen für mich anfühlen...
Zuerst war ich bei der Kosmetikerin um zu sehen wie es sich für mich anfühlt mir die Wimpern färben und die Augenbrauen auszupfen zu lassen... gut oder schlecht?
Fühlt es sich für mich gut und richtig an, mich ein wenig weiblich zurecht zu machen...?
Und wie fühlt es sich an, eher neutral bis männlich rumzulaufen...?
Die Antwort war ebenso klar wie eindeutig und eigentlich auch wie schon bekannt und erwartet...
Je weiblicher die Klaudia, die ich im Spiegel sehe rüberkommt, desto wohler fühle ich mich...

Mit der Operation würde es mir sicher auch so gehen, aber wäre sie mir wichtig genug, um mich dafür operieren zu lassen...?
Diese Frage ist leider nicht so einfach zu beantworten...

Und darum war mein nächster Schritt, mir das permanent Make-Up machen zu lassen...
Auch das keine Operation... aber immerhin ein, wenn auch kleiner, körperlicher Eingriff... unangenehm und schmerzhaft und zwar nicht für immer aber trotzdem recht dauerhaft...
Alles nicht mit der Operation vergleichbar, aber es geht in dieselbe Richtung, wenn auch in viel kleinerem Maßstab...
Und es ist etwas, was mich ein wenig fraulicher macht, weil ich damit für jeden aufmerksamen Beobachter sichtbar ständig 'geschminkt' bin...
Und... auch wenn das permanent Make-UP noch nicht ganz fertig ist... ich kann jetzt schon sagen, daß ich mich damit wohl fühle...
Das ist noch kein Ja zur Operation, aber ein Indiz dafür, daß wahrscheinlich auch diese sich gut und richtig für mich anfühlen würde, wenn ich sie machen lassen sollte...

Aber noch habe ich keine Entscheidung dafür oder dagegen getroffen...

Wirklich schade, daß man sich nicht auf Probe operieren kann...
Nein, DAS kann man tatsächlich nicht... aber... ich habe da so eine gewisse Idee ;)... wie ich mir über meine Entscheidung für oder gegen die Operation möglicherweise klar werden könnte...

Was für eine Idee das ist, das wird jetzt noch nicht verraten... nicht solange ich noch nicht weiss, ob es wirklich klappt...
Aber ich kann euch sagen, daß Tante Aurisa momentan wieder dieses gewisse schelmische Funkeln in den Augen hat ;)...

Das werde ich schon noch hinbekommen mich bis Juni für oder gegen die Operation zu entscheiden...

Viele Grüßle

Aurisa
zuckersternchen - 19. Feb, 15:09

Es ist noch genügend Zeit bis dahin, also nimm sie dir auch ;o)

Aurisa - 19. Feb, 15:37

Hallo Sternchen :),
ich werde mir auf jeden Fall so viel Zeit nehmen, wie ich für die endgültige Entscheidung brauche... und wenn es noch Jahrzehnte dauern sollte ;)...
Aber ganz ehrlich: Ich würde mir wirklich wünschen endlich ein klares JA oder NEIN dazu sagen zu können... damit ich das Thema so oder so abschliessen kann...
Es ist keine besonders erfreuliche Vorstellung, daß ich womöglich noch jahrelang mit dieser Ungewissheit, mit diesem 'ich weiss nicht' leben muss... schlimmstenfalls könnte mich diese Frage sogar bis zu meinem Lebensende verfolgen, ohne daß ich mich für das eine oder andere entscheiden kann!
Und das will ich ganz sicher nicht...
Ich plädiere ja immer dafür, seine Freiheit zu nutzen und sich bewusst für oder gegen etwas zu entscheiden... und dann mit der Entscheidung zu leben ohne sich immer zu fragen: Was wäre, wenn ich mich doch anders entschieden hätte?
Aber mein Problem ist derzeit, daß mein Herz mir nicht sagt, was ich tun soll, was das richtige für mich ist...
Und solange ich das nicht weiss, kann ich auch keine klare Entscheidung treffen...
Ja und ich fürchte die Zeit bis Juni wird schneller rum gehen als mir lieb sein kann... und dann sollte ich möglichst wissen, was ich will, denn wenn ich den Termin auch noch absage, dann darf ich wieder zwei Jahre oder mehr warten bis ich einen neuen bekomme, falls ich mich später doch noch dafür entscheiden sollte...
Und zwei Jahre warten... das kann eine VERDAMMT lange Zeit sein! Das weiss ich ja nur zu gut aus der Zeit, als ich darauf gewartet habe endlich Vornamensänderung und schließlich die Operation genehmigt zu bekommen...
So etwas möchte ich ungern nochmal mitmachen müssen... dieses endlose zermürbende Warten...
Liebes Grüßle
Aurisa
Viola1 - 19. Feb, 16:17

meine gedanken

Hallo Aurisa,

Du hast ja da einen schönen langen Beitrag geschrieben zu dem ich ganz spontan Dir meine Gedanken mitteilen möchte.
Du schriebst u.a. als falschen Grund die Sexualität.
Nun, so wie ich das jetzt einschätzen kann, kannst Du ja gar nicht die "richtige" Sexualität leben, geschweige denn erfühlen, erahnen. Ich denke das sit schon ein Dilemma.

Und zum anderen noch ein Gedanke zu deinen Worten:
"Ist es mir der Preis wert den ich dafür bezahlen muss."

Und wenn es gar kein Preis ist, sondern ein Riesengewinn für Dich? Ich meine, das wäre auch eine Überlegung.

Herzliche Grüße
Viola

Aurisa - 19. Feb, 17:04

Hallo Viola,
oder soll ich liebe DAGMAR sagen...?
Woher wusste ich nur, daß du dich zu diesem Text wieder äußern würdest...?
Leider hast du meinen Text zwar gelesen, aber wohl nicht verstanden, sonst hättest du mitbekommen, daß Sexualität für mich kein Grund sein mich für oder gegen die Operation zu entscheiden, weil es in meinem Leben wichtigeres gibt, VIEL wichtigeres... und auch die Transidentität ist mir wichtiger als die Sexualität.
Es ist mir ehrlich gesagt relativ egal ob ich - mit oder ohne Operation - jemals wieder viel empfinden werde... und darum spielt dieser Punkt in meiner Entscheidung für oder gegen die Operation keine Rolle, oder bestenfalls eine unter 'ferner liefen'...
Und zum zweiten, das du ansprichst...
Man muss für ALLES im Leben einen Preis bezahlen... was nicht ausschließt, daß man für diesen Preis dann auch einen Gewinn bekommt...
Nur weiss ich in diesem Falle erst hinterher ob der Gewinn den Preis wert ist, den ich dafür bezahlen muss...
Gruß
Aurisa
dreamhill - 20. Feb, 08:30

liebe aurisa, in manchen situationen...

...im leben ist man allein auf sich gestellt. diese entscheidung ist eine solche situtation. der falscheste aller falschen gründe ist sicherlich, es wegen der anderen menschen zu machen. die steckst du nach allem, was du im leben verarbeiten musstest, locker in die tasche. ich vermisse aber eine "pro-liste". also eine klare gegenüberstellung und aufzählung der vorteile, die du hättest.

liebe grüße
dreamhill

Aurisa - 20. Feb, 11:02

Hallo dreamhill,
es gibt KEINE Pro-Liste. Das ist ja gerade der Witz an der Sache...!!!
Ich habe die ganze Sache bewusst negativ formuliert...
Es gibt zwar einige Vorteile, die die Operation (eventuell) mit sich bringen könnte... aber ALLE und zwar wirklich ALLE dieser Vorteile sind letztlich unwichtig! Und darum können sie für mich eben KEIN Grund sein die Operation machen zu lassen...!
Das hier ist KEINE 'Güterabwägung', wo ich die Vorteile gegen die Nachteile aufrechne! Das zu tun hiesse die Entscheidung dem Verstand zu überlassen... und das wäre grundverkehrt...
*VIELLEICHT (vielleicht auch nicht) könnte ich nach der Operation sexuell wieder mehr empfinden, als jetzt wo ich fast gar nichts mehr spüre... auch kein Verlangen...
Aber ist das wichtig...? Ist das wirklich wichtig für mich? Ist das SO wichtig für mich, daß ich mich deswegen operieren lassen würde? NEIN, ist es nicht!
Die Sexualität kann für mich kein Grund sein mich operieren zu lassen... weil es wichtigeres für mich gibt im Leben... beispielsweise die Transidentität...
Also wenn ich bereit bin für die Transidentität meine Sexualität zu opfern... und das war und bin ich... dann kann die Sexualität umgekehrt nicht der Grund sein mich operieren zu lassen... denn das würde ja bedeuten, daß die Sexualität mir wichtiger wäre als die Transidentität und das ist sie wie gesagt nicht...
*nach der Operation könnte ich mir zumindest theoretisch eine sexuelle Beziehung zu einem Mann vorstellen (so wie ich derzeit bin, kann ich mir das nicht vorstellen und will ich es vor allem auch gar nicht), falls ich denn einen Partner fände...
Aber kann das der Grund für eine Operation sein?
Und wieder: NEIN! Ich komme auch alleine gut klar...
Auch wenn ich es mir wünschen würde... ich brauche keinen Partner... Ich kann auch gut mit mir alleine sein... Wenn ich also sagen würde, ich mache die OP um einen Partner finden zu können würde ich damit sagen:
Ich will unbedingt eine Partnerschaft, weil ich das brauche, weil ich nicht alleine sein kann...
Aber dem ist nicht so... Also, da ich keinen Partner brauche, brauche ich auch keine Operation um einen Partner finden zu können... Ich bin stark genug um allein klar kommen zu können. Ich brauche keinen Partner um mein Selbstbewusstsein zu stützen...
Und so geht das weiter... Ich will jetzt hier nicht alle Punkte von oben durchgehen...
Genau das war es, was ich mit FALSCHEN Gründen meinte:
Es gibt Gründe, die für die Operation sprechen, aber die Operation WEGEN diesen Gründen machen zu lassen... das halte ich für einen großen Fehler!
Denn all diese oben genannten Gründe sind aus meiner Sicht unwichtig und damit eben die falschen Gründe...
Der EINZIGE wirklich wichtige und damit gute Grund ist eben, daß einem das eigene Herz sagt, daß es RICHTIG ist, die OP machen zu lassen, daß es einem damit besser gehen wird... ganz egal ob die oben genannten falschen Gründe sich nach der Operation erfüllen oder nicht...
Wie es Michael Ende formulierte:
Man sollt nicht einfach tun, was man will, sondern das, was man WIRKLICH will...
Und er meinte damit, man sollte nicht irgendwelchen oberflächlichen Bedürfnissen nachjagen, sondern auf sein Herz hören und das tun, was einem WIRKLICH wichtig ist, was einem wirklich am Herzen liegt...
Verstehst du, wenn ich mich operieren ließe, in der Hoffnung dann wieder schöne Sexualität haben zu können, oder einen Partner zu finden, dann wäre ich vielleicht sehr vom Ergebnis enttäuscht, wenn es nicht so kommt wie ich mir wünsche... aber wenn ich mich operieren lasse, weil ich es einfach vom ganzen Herzen MÖCHTE, dann kann ich niemals enttäuscht werden...
Viele Grüßle
Aurisa
dreamhill - 21. Feb, 09:06

ich gehe an die sache wohl...

...etwas zu technisch ran. danke, dass du es so plastisch darstellen kannst. ich glaube, so langsam kriege ich etwas mit, was diese entscheidung emotional bedeutet. bei mir ging es im leben immer nur um "weiterleben" oder "nicht weiterleben". da habe ich mir immer listen gemacht.
seit einiger zeit gibt es bei mir die neue frage "in welcher qualität weiterleben". diese frage kann man auch nicht mit pro und kontra listen "erledigen". seit einiger zeit bemühe ich da mein herz bei entscheidungen. und mir fällt gerade auf, dass auch mir viele sachen einfallen, weswegen ich etwas nicht will und das für eine positive entscheidung nur ein grund nötig wäre, der von herzen kommt.

viele grüße
dreamhill
Aurisa - 21. Feb, 13:32

Hallo dreamhill,
ich habe nichts grundsätzliches gegen Pro- und Contra-Listen... aber gerade bei dieser Operationsentscheidung ist mir klar geworden, daß das dabei für mich nicht funktioniert...
Nachdem ich aus Essen wieder zuhause war, habe ich nämlich genau das versucht: Pro und Contra aufzulisten, um mir klar zu werden, was ich will...
Aber das hat mir überhaupt nicht weitergeholfen!
Inzwischen ist mir auch klar geworden warum...
Die Frage OP oder nicht ist eine reine Gefühlsfrage... die kann man mit dem Verstand nicht entscheiden...
Ich kann da keine Liste machen, im Sinne von: 'Möglicherweise wieder mehr sexuelle Gefühle nach der OP, gibt 3 Punkte dafür... Körperliche Nachteile nach OP, gibt 2 Punkte dagegen...'
Das funktioniert gleich aus mehreren Gründen nicht:
1.Weiss ich vieles was ich für eine derartige Bewertung wissen müssten schlicht nicht... Solange ich nicht weiss, wie es nach der OP wird... oder wie es ohne OP würde kann ich das pro und contra auch nicht realistisch bewerten...
2.Lässt sich das alles sowieso nur ganz schwer gegeneinander aufrechnen... weil dabei ja alle möglichen verschiedenen Dinge mit reinspielen...
3.Kein einziger der Pro-OP-Gründe ist so wichtig, daß ich deswegen die Operation machen lassen würde (DARUM nenne ich sie ja alle FALSCHE Gründe und habe darum keine pro-Liste angelegt...) und nicht einmal alle zusammen wären wichtig genug um mich deswegen für die Operation zu entscheiden...
Alle diese pro-Gründe, mögliche Partnerschaft, Sexualität, juristische Anerkennung, sich 'frei machen' können ohne daß einen selber oder die Umwelt der Schlag trifft ;) usw... sind im grunde fast belanglos, weil sie nicht die entscheidende Frage beantworten:
Fühlt es sich für mich richtig an, die OP machen zu lassen oder nicht?
Und diese Frage kann ich nicht beantworten indem ich einzelne Punkte für und wieder bewerte...
Das ist eine Frage des Ganzen und das ist mehr als die Summe seiner Einzelteile...
3.Ja und vor allem, wenn man das rein rational beurteilt, dann ist es IMMER eine ganz schlechte Idee transident zu sein, als Frau leben oder die Operation machen lassen zu wollen...
Wenn man das nur mit dem Verstand beurteilen würde, dürfte man nichts davon machen, weil man sich damit fast nur Nachteile und jede Menge Probleme einhandelt...
Und trotzdem mache ich es... eben weil das KEINE Frage des Verstandes ist sondern eine des Gefühls...
Viele Grüßle
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Von Klaus zu Klaudia
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