Gedanken

Mittwoch, 21. März 2007

Organisches Lösungsmittel mit sechs Buchstaben ;)...?

Hallo allerseits,
tja... wer hier jetzt den Nach-OP-Bericht erwartet... den muss ich leider nochmal vertrösten...
Eigentlich wollte ich heute ja was dazu schreiben, aber das Schicksal hatte anderes mit mir vor...

Ich hatte ja vor einiger Zeit schon mal Probleme mit meinem alten Drucker...
Der ging zwar noch... aber nur noch in bunt... d.h. wenn ich eine Seite ausdruckte, dann wurden zwar die farbigen Teile davon gedruckt, nicht aber die schwarzen, obwohl die schwarze Tintenpatrone nicht leer war...

Daraus habe ich dann messerscharf geschlossen, daß vermutlich die Düse aus der die schwarze Tinte auf's Papier gesprüht wird verstopft ist...

Nach einigem rumprobieren habe ich dann auch geschafft den Druckkopf auseinanderzuschrauben...
Wo genau die Tinte rauskam konnte ich zwar merkwürdigerweise nicht erkennen... aber ich hab einfach mal alles was da äußerlich an Tintenresten klebte weggeputz... und siehe da: Es ging wieder!

Das ist jetzt schon wieder lange her... und heute dann wieder dasselbe Problem...

Also wieder dieselbe Prozedur... Druckkopf auseinandergeschraubt geputzt... sogar noch gründlicher als beim letzten mal... unter anderem habe ich mit einem Zahnstocher allerhand Tintenverkrustungen IM Druckkopf weggekratzt... alles wieder zusammengebaut... und siehe da: Es ging wieder!

Genau eine Seite lang... und dann war wieder schluss...

Also habe ich vermutet, daß vielleicht irgendeine dieser Tintenablagerungen, die ich abgekratz habe wieder in die Düse geraten ist und sie erneut verstopft hat...

Also dieselbe Prozedur noch einmal... und diesmal richtig gründlich...

Also kratzte und (Zahn)stocherte ich da so im Inneren des Druckkopfes so vor mich hin... was nicht ganz so einfach ist, da das Teil, das die Tinte versprüht gerade mal so groß ist wie ein einzelnes Fingerglied... und innendrin herzlich wenig Platz war um drin rum zu kratzen... selbst mit einem Zahnstocher und meinem allerwinzigsten Mikroschraubenzieher kam ich nur mit Mühe rein... zudem ist das Teil auch noch dunkelschwarz... so daß man selbst mit Licht fast nicht sieht, was da drin ist und was genau man da eigentlich macht...

Allerdings... nach einiger Zeit schimmerte es da unten drin im Dunkeln plötzlich metallisch... und da wurde mir klar, daß das Teil gar nicht schwarz ist (bzw. nur die Hülle)... sondern innen komplett voll mit verkrusteten Tintenresten... unter denen sich nach längerem kratzen dann erst das darunterliegende Metall zeigte...

Und so viel ich auch kratzte und Zahnstocherte... das Zeug saß gut fest... und es war mir schleierhaft, wie ich das da jemals alles rausbekommen sollte...

Was ich da bräuchte wäre ein Lösungsmittel... aber was?
Beim suchen in meinem Kosmetikkram fiel mir als erstes ein kleines Fläschchen mit Alkohol, den ich vor Urzeiten für ichweissnichtmehrwas gekauft hatte in die Hände...
Prima!
Alkohol ist ja bekanntlich ein gutes Lösungsmittel...
Also gleich mal an meinen Finger ausprobiert... die inzwischen durch die diversen Farbreste in allen Regenbogenfarben leuchteten...
Aber... Pustekuchen!
Die Farbe zeigte sich vom Alkohol absolut unbeeindruckt...
Als nächstes probierte ich es dann mit Nagellackentferner... mit demselben Ergebnis, nämlich:
NULL!

Tja... die Farbe ist wirklich richtig hartnäckig...
Das merke ich auch immer, wenn ich die an die Hände bekomme und versuche sie dann wieder abzuwaschen...
Selbst mit viel Wasser und Seife muss man da 100 mal die Hände waschen, bis wieder alles weg ist...

Inzwischen war ich auch schon mehrere Stunden zugange...

Aber so schnell gebe ich ja bekanntlich nicht auf...

"Mit Geduld und Spucke, fängt man eine Mucke!", dachte ich... obwohl mir ja schleierhaft ist, wie man mit Spucke eine Mucke fängt?
Anspucken... oder wie jetzt ;)?

Mein Schreibtisch war inzwischen auch schon recht... bunt... hatte also auch schon einiges an Farbe abbekommen...

Ja und was macht die Hausfrau von Welt in so eine Situation, wenn sie grade kein Reinigungsmittel zur Hand hat - und Alkohol und Nagellackentferner waren zwar zur Hand aber unbrauchbar in dem Falle...

Richtig... sie gibt ein bisschen Spucke auf ein Tempo und reibt damit die Farbe weg... geht wunderbar...
Ein Wisch und alles ist we... OH!

Hatte ich nicht eben noch verzweifelt nach einem passenden Lösungsmittel gesucht um die festgetrocknete Tinte aus dem Druckkopf raus zu bekommen...?

Ja und damit ist dann auch die Überschrift dieses Beitrags erklärt...

Organisches Lösungsmittel mit sechs Buchstaben?

SPUCKE ;)!

Ok ok... normalerweise putze ich doch eher mit Wasser und Seife ;)... und ich wollte jetzt nicht vorschlagen die durch Spucke zu ersetzen ;)... das wäre dann doch zu IIIHBÄÄÄH! ;)...

Aber... Spucke ist tatsächlich ein erstaunlich gutes Lösungsmittel wie mir an diesem Beispiel klar geworden ist... viel viel besser als Wasser + Seife... und ich denke sogar die meissten scharfen Reinigungsmittel müssten sich davor verstecken... denn auch wenn es lange dauerte, weil das innere dieses Druckkopfteils kaum zugänglich war... mit Geduld und Spucke habe ich ihn tatsächlich sauber und die eingetrocknete Tinte wegbekommen... und OH noch eine Überrschung... siehe da... da war sogar noch Licht am Ende des 'Tunnels'...

Sprich... nach der ersten Entdeckung des metallischen 'Grundes' diesen Teiles entdeckte ich schließlich auch noch, daß das Ganze auch noch ein Loch hat... oder besser gesagt ein Schlitz... der vorher gar nicht zu sehen war, weil er von der Tinte komplett zugekleistert war...
Ja und damit war dann auch klar, WO die Tinte eigentlich raus und auf's Papier kam... denn die Röhrchen, die die Tinte nach unten transportieren endeten oberhalb dieses Schlitzes...

Und unter den Umständen wundert es mich, daß der Drucker vor kurzem überhaupt noch ging, den dieser Sprühschlitz war ja komplett zugesetzt mit Tinte...

Ein Rätsel allerdings blieb mir erhalten... wo die Tinte aus diesen Röhrchen raus kommt... denn auch durch den Schlitz war an den Tintenröhrchen auch bei genauestem hinsehen mit der Lupe beim besten Willen keine Öffnung zu sehen... auch keine mit Tinte zugeklebte...

Endlich... nach Stunden des Kampfes Mensch gegen Maschine ;) hatte ich alle verklumpten Tintenreste aus dem Druckkopf gekratzt, gezahnstochert, gelöst und geschüttelt... und der Druckkopf war so sauber wie seit seinem ersten Einsatz nicht mehr...

Frohen Mutes baute ich den Druckkopf wieder ein... der jetzt, so grundgereinigt, wieder funktionieren sollte... aber... diese Geschichte hat kein happy end...

Irgendwo war immer noch der Wurm drin... bzw. irgendwo war die Tintenleitung immer noch verstopft...
Und da half auch kein rumprobieren, kein mehrfaches nochmal alles säubern... da war wirklich nichts zu machen...
Das Problem ist, daß ich die Löcher also die Düsen für die Tinte von außen nicht sehen kann... und das Teil in dem sie sitzen kann man nicht öffnen... nicht ohne es kaputt zu machen... und blind ohne zu sehen wo die Verstopfung sitzt, die Düse wieder frei zu bekommen... das funktioniert leider nicht...
Das habe ich heute den ganzen Tag versucht... hartnäckig wie es nun mal meine Art ist... und vielleicht würde ich es jetzt immer noch versuchen... wenn dann nicht plötzlich auch noch der Papiereinzug gestreikt hätte... und das tut er auch weiterhin...
Ja und da kann ich rein gar nichts machen...
Von außen ist nicht zu erkennen, wo der Fehler liegt... und dieser Drucker hat nicht mal Schrauben an denen man ihn aufschrauben könnte... jedenfalls keine außen... nur im Inneren... an die man fast nicht herankommt... und wenn ich innen im Drucker zu schrauben anfange, dann bekomme ich ihn vielleicht außeinander... aber wohl nie wieder zusammen...

Sprich... bei aller Hartnäckigkeit... man muss auch wissen, wann es sich nicht mehr lohnt weiterzumachen und es Zeit ist aufzugeben...

Der Drucker ist jetzt doch schon einige Jährchen alt... fast so alt wie mein ALTER Computer... und hat mir immer gute Dienste geleistet...

Und es ist wirklich schade ihn wegen so einer Kleinigkeit wie einer verstopften Tintendüse wegwerfen zu müssen...
Es gäbe zwar noch Ersatz für diesen Druckkopf an dem ich heute fast den ganzen Tag rumgemacht habe... aber so ein Ersatzkopf kostet fast 50 Euro (!!!)...
Für etwas mehr als das Doppelte bekommt man da schon einen kompletten neuen Drucker...
Trotzdem hätte ich mir wohl so einen Ersatzkopf gekauft... schließlich bekomme ich für meinen alten Drucker noch relativ günstige Tintenpatronen von Fremdanbietern... was bei den neuen Druckern leider kaum noch möglich ist...
Aber nachdem jetzt auch noch der Papiereinzug kaputt ist... da macht das keinen Sinn mehr...

Da werde ich mir wohl doch einen neuen Drucker zulegen müssen... und habe den Tag heute ganz umsonst am Drucker rumgerödelt...

Ärgerlich... wenn man sich soviel Mühe gibt... und dann war alles für die Katz...

Aber...
"Mit Geduld und Spucke..."... das stimmt trotzdem... und nicht nur was die Spucke betrifft ;)...

Man kann so viel erreichen... wenn man nur dran bleibt an einer Sache... wenn man nur nicht zu früh aufgibt... was mir Auris ja immer und immer wieder sagt...

Und wie oft hat sie mir schon bewiesen, daß das stimmt... daß man so vieles - ganz egal ob kleine oder ganz große Dinge - DOCH schaffen kann... wenn man nur die nötige Ausdauer, die nötige Hartnäckigkeit aufbringt... und nicht gleich beim ersten Hindernis aufgibt...

Daß man auf diese Weise ALLES erreichen kann, was man sich wünscht... das hat Auris nie behauptet...
So einen Unsinn würde sie nie sagen...

Es gehört eben auch dazu, daß man manchmal NICHT gewinnt... und es einsieht, daß ein Ziel nicht zu erreichen ist, ganz egal, was man auch tut... und es Zeit ist aufzugeben und keine weiteren Kräfte daran zu verschwenden...

Niemand kann immer nur gewinnen...

Und es ist keine Schande aufzugeben... wenn man vorher einen würdigen - der bedeutung der Sache angemessenen - Kampf gekämpft hat...

Auch verlieren gehört zum Leben... und einsehen zu können, daß man verloren hat...

Und zu irgendwas ist auch das was man beim kämpfen und verlieren so alles erlebt noch gut... und sei es nur für einen weiteren typischen endlosen Aurisa-Laberblogeintrag ;)...

Bunte Grüße... *grinsel*... und bunt sind meine Finger noch immer ;)... ich glaube ich sollte es mal nicht mit Wasser und Seife sondern lieber mit Geduld und Spucke versuchen die wieder sauber zu bekommen ;)...

Aurisa

Montag, 23. Oktober 2006

Was ist ein Tauschring?

Hallo alle zusammen,
der Begriff Tauschring wird sicher nicht jedem was sagen, darum hier eine Erklärung worum es dabei geht.

(Erstmal, um Missverständnisse zu vermeiden... mit solchen Dingen wie TauschKREISEN hat das GAR NICHTS zu tun!
TauschKREISE sind eine Spezialform der berüchtigten Schneeballsystemen... wo neue Mitgliedern den älteren, die sie angeworben haben Geld schenken – ohne jede Gegenleistung!
Und weil die neuen Mitglieder ja auch den großen Reibach machen wollen, müssen sie ihrerseits neue Mitglieder werben, die dann ihnen Geld schenken und diese neuen Mitglieder müssen ihrerseits wieder neue Mitglieder werben usw. usf...
Es müsste eigentlich jedem klar sein, daß das nicht gutgehen kann... daß dabei alle profitieren... sondern daß es sich dabei um ein Nullsummenspiel handelt, bei dem einige wenige (die Initiatoren des TauschKREISES...) profitieren und alle anderen viel Geld verlieren...).

Bei TauschRINGEN geht es, wie der Name schon sagt, darum etwas zu tauschen... allerdings werden da NICHT Waren getauscht... sondern Dienstleistungen.

Soweit wäre das nichts besonderes... Gefälligkeiten auszutauschen, nach dem Motto: 'eine Hand wäscht die andere', ist unter Verwandten, Freunden und Nachbarn nichts ungewöhnliches...

Bei Tauschringen läuft das allerdings etwas anders...

Erstmal tauscht man da die Dienstleistungen nämlich mit einem erstmal völlig FREMDEN Menschen... was nicht ausschließt, daß man sich im Laufe der Zeit näher kennenlernt...

Und die nächste Besonderheit ist, daß man die Dienstleistungen nicht (nur) direkt tauscht, sondern auch und vor allem indirekt!

Das heisst Tauschringmitglied A jätet beispielsweise für Mitglied B dessen Garten, Mitglied B seinerseits erledigt für Mitglied C einen lästigen Behördengang, Mitglied C gibt Mitglied D Gesangsstunden... usw. usf...

Das hat den großen Vorteil, daß man so – genügend Mitglieder im Tauschring vorausgesetzt – meisstens jemand findet, der die Dienstleistung anbietet, die man in anspruch nehmen möchte... und daß man umgekehrt auch jemand findet, der das was man selber für andere tun kann und möchte, in anspruch nehmen will.

Ja und weil das alles auch irgendwie miteinander verrechnet werden muss, es bei Tauschringen aber gerade kein direktes Geben und Nehmen zwischen zwei Menschen gibt, haben alle Tauschringe eine jeweils eigene rein virtuelle Währung... die beispielsweise Taler heisst, damit da keine Verwechslungen mit realem Euro-Geld aufkommen...

Jedes Mitglied hat bei seinem Tauschring ein virtuelles Konto für dieses 'Tauschgeld'.
Und hier kommt wieder eine Besonderheit:
Dieses Konto ist in seiner Höhe begrenzt... sowohl nach oben als auch nach unten... das heisst, man kann da nur ein sehr begrenztes Guthaben anhäufen... und noch weniger Schulden...
Damit soll vor allem verhindert werden, daß jemand immer nur nimmt, sich also von anderen Mitgliedern Dienstleistungen erbringen lässt ohne seinerseits etwas zu tun...
Es soll schließlich ein ausgewogenes Geben und Nehmen sein...

Ja und was man anzubieten hat an Dienstleitungen und was man sucht, das wird jeweils in einem Mitgliedermagazin oder ähnlichem abgedruckt, heutzutage meisst im Web...

Das ist im Grunde schon alles...

Ja... aber vielleicht stellt sich euch jetzt die Frage:

WOZU das alles...?

Schließlich wird in einem Tauschring im Grunde auch nicht viel anderes gemacht als in der realen Marktwirtschaft...
In beiden Wirtschaftssystemen wird nicht – wie vor Erfindung des Geldes – Ware gegen Ware oder Dienstleistung gegen Dienstleistungn oder Dienstleistung gegen Ware DIREKT getauscht... sondern indirekt über ein Zahlungsmittel... Geld eben...

Geld gibt es schließlich schon... wozu dann also noch Tauschringe mit einer zweiten, virtuellen Währung...?

Der Witz ist:
Tauschringe ähneln der freien Marktwirtschaft... unterscheiden sich aber in einigen ganz wesentlichen Punkten davon...

Tauschringe sind sogar ganz bewusst als Ergänzung... vielleicht sogar als bessere Alternative zur Marktwirtschaft gedacht... darum sind sie auch anders als diese... weil sie versuchen einige der ganz großen Probleme der Marktwirtschaft zu vermeiden...

Bekanntlich standen sich bis vor einigen Jahren ja Kommunismus und Kapitalismus als konkurrierende Systeme gegenüber... wobei der Kommunismus den Gedanken der Gleichheit betonte, der Kapitalismus dagegen den der Freiheit...

Beides vom Grundsatz her eigentlich schöne Ideen...
Wer möchte nicht frei sein, tun zu dürfen, was er sich wünscht...
Und wer wünscht sich nicht, daß es gerecht zugeht auf der Welt, daß es keine so großen Ungleichheiten gibt, daß einerseits Menschen verhungern müssen, während gleichzeitig so viele Nahrungsmittel erzeugt werden, daß doppelt so viele Menschen davon satt werden könnten, wie heute auf der Erde leben...

Aber... wie die Geschichte gezeigt hat, führt die kommunistische Gleichmacherei nur dazu, daß niemand sich anstrengt... weil Leistung sich sowieso nicht lohnt... und als Folge ein solches Wirtschaftssystem früher oder später zwangsläufig zusammenbrechen muss...

Und was den Kapitalismus angeht... dieser ist zwar siegreich aus dem Zweikampf mit dem Kommunismus hervorgegangen... jedoch ebenfalls zum Untergang verdammt... jedenfalls in seiner heutigen Form...

Die Gründe dafür sind komplex... lassen sich aber im wesentlichen auf zwei Punkte reduzieren:

1.In einer begrenzten Welt – und das ist die Erde – kann es kein unbegrenztes Wachstum geben.

2.Der Zinseszinseffekt führt dazu, daß wer genug Geld hat, immer noch mehr Geld bekommt, ohne dafür arbeiten zu müssen... arbeiten tun stattdessen diejenigen, die wenig Geld bzw. Schulden haben... um für ihn diese Zinsen zu erwirtschaften...

Nimmt man beides zusammen, bedeutet das als Konsequenz:
Entweder wächst die Wirtschaft solange weiter, bis alle Ressourcen verbraucht sind und dadurch unsere Zivilisation zusammenbricht...
Oder... wenn auf Wirtschaftswachstum verzichtet wird, um das Ökosystem der Erde nicht zu zerstören... das Geld wird durch den Zinseszinseffekt solange von unten nach oben umverteilt, bis die große Mehrheit zuwenig zum überleben hat, während eine kleine Minderheit alles besitzt... was als Folge zu Kriegen, Bürgerkriegen usw. und in letzter Konsequenz irgendwann ebenfalls zum zusammenbruch der menschlichen Zivilisation führen wird...

In der Realität haben wir eine Kombination von beidem... Wirtschaftswachstum auf Kosten der Umwelt... und gleichzeitige Umverteilung von unten nach oben durch den Zinseszinseffekt...

Die Folgen sind bekannt:
Ungefähr eine Milliarde Menschen hungern in den Entwicklungsländern... auch in den Industrieländern gibt es immer mehr Menschen die kaum noch genug Geld zum überleben haben, Kriege um Öl sind heutzuage schon normal geworden... Kriege um Wasser und andere Rohstoffe werden folgen... Umweltverschmutzung allerorten... sogar noch in der Tiefsee oder der Antarktis... Klimaerwärmung durch Treibhausgase, Ozonloch usw. usf....
Die Liste wäre endlos...

Die Erde ist groß... sie erträgt viel von unseren Dummheiten... nur darum gibt es uns noch...
aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir uns selbst vernichtet haben... wenn... falls wir so weitermachen wie bisher...

Wer es nicht glaubt, der schau sich die Osterinseln an... kahle Felsen im Pazifik... fernab vom Rest der Welt...
Diese Inseln waren einmal grün, fruchtbar und dicht bewaldet... bevor ihre Bewohner dort die Grenzen des Wachstums austesten... und überschritten... bevor sie alle Bäume gefällt hatten... und sich danach in Kriegen um die letzten Ressourcen selber vernichteten...
Die Osterinseln gibt es noch, wenn auch schwer gezeichnet von den Sünden ihrer Bewohner... aber ihre Einwohner existieren nicht mehr...
So wird es uns auch gehen... falls wir so weitermachen wie bisher...

Wenn wir das nicht wollen... dann sollten wir das, was im Kapitalismus schief läuft ändern...
Tauschringe sind ein Versuch dazu...

Folgende Dinge sind anders, als im Kapitalismus, bei Tauschringen, eben um dessen Fehler zu vermeiden:

*es gibt keine Zinsen auf das erarbeitete Guthaben, also auch keine Zinseszinsen. Damit fällt der Zinseszinseffekt weg. Niemand kann dort ohne Arbeit reich werden, indem er sein Geld für sich arbeiten lässt... was doch nur bedeutet, daß andere für ihn arbeiten müssten...
Da es keinen Zinseszinseffekt gibt bedeutet das ebenfalls, daß die Notwendigkeit wegfällt immer mehr und mehr Leisten und damit die Natur immer mehr ausbeuten zu müssen um Wirtschaftswachstum zu erzielen mit dem die Zinsen für die Guthaben der Reichen bezahlt werden können...

*es herrscht dort eine hohe Transparenz. Man kennt sich oft persönlich, da Tauschringe immer lokal organisiert sind. Vor allem aber ist auch der Kontostand jedes Mitglieds für alle anderen zu sehen. So ist es ganz leicht zu erkennen, wenn jemand egoistisch immer nur nimmt, aber nie etwas zurückgibt und wenn er sein 'Kreditlimit' erreicht hat, kann er keine Leistungen von anderen Mitgliedern mehr in Anspruch nehmen, bevor er nicht selber etwas für andere geleistet hat.
Betrug ist so kaum möglich. Schmarozer werden im schlimmsten Fall ausgeschlossen... wenn sie ihr Verhalten nicht ändern...
Ganz anders als in der modernen kapitalistischen Gesellschaft, wo man seine Geschäftspartner meisst gar nicht kennt und diese darum im Schutze der Anonymität betrügen können... um sich dann davon zu machen und anderswo andere Menschen hereinzulegen...
Banken, Versicherungen, Telefongesellschaften und andere Unternehmen haben dieses Problem schon lange erkannt und schützen sich durch die Schufa vor solchen Betrügern...
Der normale Bürger ist ihnen dagegen schutzlos ausgeliefert, weil er nicht weiss, wer von seinen Geschäftspartner schon Dreck am Stecken hat...
Um so etwas zu vermeiden soll man sich bei Tauschringen ja auch persönlich vorstellen...
Wer da suspekt ist, wird gar nicht erst aufgenommen um faule Äpfel draußen zu halten...

*ganz nebenbei bleibt das virtuelle Geld so auch im Lande...
Globalisierung gibt es bei Tauschringen nicht, da sie ja nur lokal aktiv sind...
Arbeitsverlagerung in's Ausland ist also nicht möglich...

Außerdem haben Tauschringe noch weitere Vorteile:

*da kein echtes Geld fliesst, fallen auch keine Steuern und Sozialversicherungsabgaben an... jedenfalls bis zu einer bestimmten Geringfügigkeitsgrenze. Und in diesem Rahmen ist das alles auch durchaus legal und keine Schwarzarbeit!

*gerade für Menschen, die wenig Geld habe, dafür aber Zeit – beispielsweise für Arbeitslose, Rentner etc. - sind Tauschringe eine gute Möglichkeit Dienstleistungen zu bekommen, die sie sich sonst vielleicht nie leisten könnten!

*da jeder das Anbieten kann, was er nicht nur kann sondern auch gerne macht – es wird ja niemand gezwungen irgendetwas zu tun dabei! - macht die Arbeit bei Tauschringen auch mehr Spaß, weil man tut, was man kann und mag und nicht nur irgendetwas, was man tun muss um Geld zu verdienen...

*außerdem können so auch Menschen sich einbringen, die keine formellen Abschlüsse haben...
So manch einer hat in seinem Leben Dinge gelernt, oder hat das Talent dazu, ohne dafür ein Diplom oder sonstwas vorweisen zu können...
Bei Tauschringen können auch solche Menschen ihr Wissen und Können sinnvoll einsetzen und sich so Gegenleistungen verdienen... und um die Qualität der geleistete Arbeit muss man sich auch keine großen Sorgen machen... denn durch die Transparenz bei Tauschringen spricht es sich schnell rum, wenn jemand nur rumpfuscht... und der findet dann bald niemand mehr der ihn in anspruch nehmen will...

Soweit also als Erklärung, was Tauschringe sind...

Ich weiss nicht, ob diese unser momentanes kapitalistisches Wirtschaftssystem ersetzen könnten...
eine gute Ergänzung dazu sind sie allemal...

Ja und ich habe die Hoffnung, daß sie auch ein Vorbild sein könnten... für ein Wirtschaftssystem, das funktioniert ohne die Umwelt und damit sich selber zu zerstören... und vielleicht nimmt sich der Kapitalismus eines Tages ja ein Beispiel daran... und tut etwas gegen seine eingebauten selbstzerstörerischen Systemfehler... wie eben vor allem den Zinseszinseffekt...

Viele Grüße

Aurisa

Sonntag, 15. Oktober 2006

Stärke und Weichheit

Hallo alle zusammen,
vor ein paar Monaten als es um die Frage ging, ob ich überhaupt fähig und bereit bin für eine Beziehung (mit F), schließlich hatte ich bis dahin ja noch keinerlei Erfahrungen mit sowas, da meinte Anja:

Ich hätte die nötige STÄRKE dafür und (hier zögerte sie kurz) auch die nötige WEICHHEIT.

Mir ist auch klar, warum sie da gezögert hat... denn eigentlich ist das Gegenteil von Stärke nicht Weichheit, sondern Schwäche... aber das war es nicht, was sie meinte... denn schwach bin ich ganz sicher nicht... genauer gesagt: nur manchmal, aber nicht insgesamt...

Und was das angeht, ist das Gegenteil von Weichheit natürlich auch nicht Stärke, sondern Härte... aber zu sagen ich hätte die nötige Weichheit und Härte (für eine Beziehung)... das wäre ebenso falsch gewesen... denn ich bin nicht hart... ganz sicher nicht...

Die Gegensatzpaare lauten also richtigerweise:

STÄRKE und SCHWÄCHE

und

HÄRTE und WEICHHEIT

Ich erkläre das deswegen, weil mir neulich etwas aufgefallen ist... nämlich wie HART manche Menschen auf ihren Bildern aussehen...
Ich will wirklich niemandem nach einem Bild von ihm beurteilen... schließlich sehe ich auf manchen auch reichlich deppert aus ;)... aber wenn diese Härte auf allen Bilder deutlich zu sehen ist... dann ist das schon sehr auffällig...

Frau weitergeherin hat mir vor lange mal (sinngemäß) gesagt:
„Wenn jemand so schaut, wie auf dem Bild, dann will ich mit dem nichts zu tun haben!“
Und gemeint war ein ebensolcher Blick, wie ich ihn meine... ob man ihn nun hart nennt, streng, verbissen oder sogar verbiestert...

Und als mir das klar geworden ist wie unsympathisch jemand wirkt, der so hart dreinschaut auf seinen Bildern und ich über all das nachgedacht habe ist mir folgendes klar geworden:

HÄRTE = STÄRKE – WEICHHEIT
und
SCHWÄCHE = WEICHHEIT – STÄRKE

oder in Worten ausgedrückt:

HÄRTE ist STÄRKE der die WEICHHEIT fehlt
und
SCHWÄCHE ist WEICHHEIT ohne STÄRKE.

Jemand der hart ist, der mag zwar stark sein... aber ihm fehlt die nötige Weichheit... und damit etwas ganz wesentliches, denn Weichheit ist sehr wichtig... im Umgang mit den Mitmenschen... und mit sich selbst. Ohne sie wird man sich schwer tun Freunde zu finden...

Und jemand der schwach ist, der mag die notwendige Weichheit besitzen um ein angenehmer Zeitgenosse zu sein... aber ihm fehlt die nötige Stärke um sich im Leben bei Problemen durchsetzen zu können...

Wer nicht weich sondern schwach ist ist der kann einem ebenso leid tun wie jemand der hart aber nicht stark ist...

Das habe ich unbewusst wohl schon vor vielen Jahren erkannt... als ich mir damals Auris ausgedacht habe... und ihr Gegenstück Goldmähne... die beide untrennbar zusammengehören, trotz ihrer Gegensätzlichkeit...

Auris ist stark... das ist ihre herausragende Eigenschaft... aber ohne Goldmähne Weichheit wäre sie einfach nur hart!
Und Goldmähne Weichheit wäre ohne Auris Stärke einfach nur Schwäche...
So ergänzen sich beide, wie die beiden Seiten einer Medallie... erst gemeinsam sind sie komplett...

Also denkt daran: Seit stark... aber nicht hart und weich, aber nicht schwach...

Ich denke das ist die beste Art mit dem Leben, sich selbst und den Mitmenschen umzugehen...

Viele Grüße

Aurisa

Samstag, 14. Oktober 2006

Misstrauen ist der Anfang vom Ende

Hallo alle zusammen,
bekanntlich heisst es:

'Vertrauen ist der Anfang von allem'.

Aber... es heisst auch:

'Misstrauen ist der Anfang vom Ende'.

Und da ist was dran...

Man hat mir neulich anderswo vorgeworfen, ich sei zu leichtgläubig...

Da kann ich nur sagen:
Die Person, die das sagte, hat keine Ahnung von mir...

Ich bin weder leichtgläubig noch dumm... und mir ist sehr wohl klar, daß man nicht jedem glauben, nicht jeden trauen darf... aber wo käme ich denn hin, wenn ich deswegen jedem misstrauen würde...???

Klar... auch ich bin manchmal von vorne herein misstrauisch... wenn Politiker Wahlversprechen machen beispielsweise... wenn Strommanger erklären, daß sie leider leider schon wieder die Preise erhöhen müssten, trotz Milliardengewinne und daß Atomkraft sicher sei und die Kraftwerke darum weiter laufen müssten, damit wir auch weiter billigen (!!!) Strom hätten... oder wenn mir irgendjemand etwas verkaufen will...
Bei solchen Dingen weiss jeder, daß Misstrauen nur zu angebracht ist... aber doch nicht ständig im persönlichen mitmenschlichen Umgang!

Da hat jeder Mensch, dem man begegnet, es verdient, daß man ihm zuerst einmal glaubt, daß man ihm nicht von vorne herein misstraut... bis er einem beweisst, daß er diesen Vertrauensvorschuss nicht verdient hat... was leider immer mal wieder vorkommt...
Das finde ich zumindest...

Das hat rein gar nichts mit Leichtgläubigkeit zu tun... zu wissen, daß es schlechte Menschen gibt in der Welt... aber das nicht zu verallgemeinern... sondern trotzdem Vertrauen zu schenken...

Nur wenn es um viel geht... dann sollte man schon ein wenig vorsichtiger sein... alles andere wäre dumm...
Aber eben nur dann...
Ansonsten sollte gelten: 'soviel Vertrauen wie möglich', finde ich...

Damit bin ich immer gut gefahren...

Und zufällig kann ich hier schon wieder auf Gandhi zurückkommen, der meinte:
*Vertrauen macht klug: Wer einem Menschen vertraut, kann diesen intensiver kennenlernen und so seine Menschenkenntnis verbessern indem er erfährt, ob dieser sein Vertauen verdient, oder nicht... während der Misstrauische den Kontakt frühzeitig abbricht und so diese Lernerfahrung nie macht.
*Misstrauische Menschen kann man leichter täuschen:
Kriminalistische Erhebungen haben gezeigt, daß misstrauische besonders leicht Opfer von Betrügern werden, weil sie einfach nur misstrauisch... aber nicht umsichtig sind...
*Wer anderen vertraut, der vertraut auch sich selbst:
Oder anders herum gesagt: Derjenige, der sich selber für gut und vertrauenswürdig hält... der ist auch in der Lage dieses Eigenschaften in anderen Menschen zu sehen.
Wer dagegen selber ein schlechter Mensch ist... der hält auch alle anderen für schlecht...
*Vertrauen schafft Vertrauen:
Wer anderen sein Vertrauen schenkt... der bekommt das fast immer auch von ihnen zurück...
Das ist eine Erfahrung, die ich auch immer wieder machen durfte...
*Mit Vertrauen zeigt man seinen Mut:
Nur wer keine Angst vor seinen Mitmenschen hat, der kann ihnen vertrauen... Und diese Stärke spürten die Mitmenschen und respektieren sie...
*Vertrauen macht das Leben leichter:
Das Leben ist eine komplizierte Sache... und das bedeutet, daß es unmöglich ist alles zu überprüfen und zu kontrollieren... Der Versuch ist zum Scheitern verurteilt... Wer das versucht vergeudet seine Kräfte... Wer dagegen anderen Menschen vertrauen kann, der musss gar nicht alles selber kontrollieren...
*Vertrauen spart Zeit:
Misstrauen kostet Zeit... wenn man sich dauernd damit beschäftigt, welche finsteren Pläne die anderen Menschen nun schon wieder gegen einen schmieden könnten... das ist ebenso unproduktiv wie zeitaufwendig...

All dem kann ich nur voll und ganz zustimmen...
Und wie gesagt, ich bin immer gut gefahren damit sooft wie möglich zu vertrauen...

Nur ganz selten wurde dieses Vertrauen missbraucht...

Und selbst wenn... dann hatte sogar das noch sein Gutes...

Nehmen wir doch beispielsweise mal den 'Fall F'...
Auch da bin ich keineswegs leichtgläubig an die Sache herangegangen... sondern hatte durchaus Zweifel, ob er es wirklich ernst mit mir meint, ob das dann auch noch nach der Operation der Fall sein würde usw...
Und obwohl ich mir nicht sicher sein konnte, war ich trotzdem bereit ihm zu vertrauen... ganz bewusst zu riskieren, daß es schief geht... und bin in diesem Fall von F leider tatsächlich getäuscht und enttäuscht worden...
Einer der seltenen Fälle, wo jemand mein Vertrauen nicht verdient hatte...
Aber letztlich habe ich dabei nichts verloren... sondern für mich sehr wichtige Erfahrungen gemacht... die ich nie gemacht hätte, wenn ich misstrauisch gewesen wäre...

Manchmal, vor allem, wenn es um viel geht, kann misstrauen nicht nur angemessen, sondern sogar sehr wichtig sein...

Aber meisstens ist Vertrauen besser als Misstrauen...

Wer zuviel misstraut, der wird einsam... und bestimmt nicht glücklich...

'Vertrauen ist der Anfang von allem' und 'Misstrauen ist der Anfang vom Ende'... wie wahr!

Viele Grüße

Aurisa

'Der Pechkübel wird gleichmässig über allen ausgeschüttet...'

Hallo alle zusammen,
neulich habe ich hier ja schon mal was dazu geschrieben, daß amerikanische Wissenschaftler herausgefunden haben wollen, daß Glück und Pech bei allen Menschen weitgehend gleich verteilt seien...
Da das Thema bei euch großen Anklang gefunden habe, wollte ich dazu noch mehr schreiben...

Gandhi war übrigens auch dieser Meinung und soll etwas im Sinne von: 'Der Pechkübel wird gleichmässig über allen ausgeschüttet' gesagt haben...
Er meinte, es gäbe bei den Menschen keinen großen Unterschied, in der 'Menge' an Glück und Unglück die ihnen widerfährt... wohl aber darin, wie sie darauf reagieren würden...

Aber zurück zu der Untersuchung der amerikanischen Wissenschaftlern...
Leider weiss ich nichts genaues darüber... ich habe nur aus zweiter Hand aus einem Buch darüber erfahren...
Es wäre schon interessant, wie diese Wissenschaftler, zu dem Ergebnis gekommen sind... welche Fragen sie gestellt, welche Untersuchungen sie angestellt haben, wie sie was bewertet haben usw... Nur dann könnte man beurteilen, ob diese Ergebnisse seriös sind... oder doch eher zweifelhaft...

Jemand hat mal geschrieben:
'Wenn ich jemand verarschen will, dann sage ich: 'Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt...''

Und da ist was dran... Nicht jede wissenschaftliche Studie ist das Papier wert, auf das sie gedruckt wird... Wenn man die falschen Fragen stellt, bekommt man auch die falschen Antworten...
Andere Studien stellen zwar die richtigen Fragen, sind aber aus anderen Gründen nicht aussagekräftig... beispielsweise weil die untersuchte Gruppe zu klein war...
Und dann gibt es noch die Studien, wo es den Machern von vorne herein auf ein bestimmtes Ergebnis ankommt... oder wo sogar schlicht und ergreifend die Ergebnisse gefälscht werden...

All das will ich dieser Studie nicht unterstellen... aber ich wollte doch klar machen, daß nur weil irgendwelche Wissenschaftler irgendetwas herausgefunden haben wollen, das noch lange nicht richtig sein muss...

Gibt es also tatsächlich eine 'Demokratie der Schicksalsschläge', wie diese Wissenschaftler meinen...?

„Wenn eine Person viele negative Erfahrungen macht, dann hat sie mit großer Wahrscheinlichkeit gleichzeitig auch positive Erlebnisse und umgekehrt“, heisst es da...

Es gäbe also weder ausgesprochene Pechvögel, noch Glückspilze...

Dabei ist wichtig, daß diese Untersuchung (nur) besagt, daß der QUOTIENT von Glück und Pech bei allen Menschen ähnlich ausfallen würde...

Das bedeutet, daß wenn ein Mensch ein aktives Leben führt, viele Risiken eingeht und viel tut, dann passiert ihm mehr positives... aber auch mehr negatives im Leben als denjenigen, die passiv sind, nur wenige Risiken eingehen und wenig tun...

Das VERHÄLTNIS von Glück und Unglück zueinander soll demnach immer ungefähr gleich sein... nicht die abolute Anzahl von Glücks- und Unglücksmomenten...

Mehr weiss ich leider nicht über diese Studie...

Also... kann das stimmen, daß Glück und Unglück weitgehend gleichmäßig verteilt sind... wo es in der Welt doch so offensichtlich ungerecht zugeht... und es soviel Ungleichheit gibt...?

Sehen wir uns das erstmal unter statistischen Gesichtspunkten an...

Da gibt es ja bekanntlich die sogenannte Normalverteilungskurve, die ungefähr wie eine Glocke aussieht.
In der Mitte liegt ist sie am höchsten, d.h. dort ist in unserem Fall die Stelle des durchschnittlichen Glücks und Pechs (dafür bräuchten wir genau genommen zwei Kurven, aber das würde jetzt wohl zu weit führen...).
Nach rechts und links wird die Kurve immer flacher, d.h. dort 'sitzten' auf der eine Seite die Glückspilze und auf der anderen Seite die Pechvögel... von denen es daher immer nur vergleichsweise wenige geben kann... je extremer ausgeprägt das Glück oder Pech, desto weniger... und den Menschen der immer nur Glück oder immer nur Pech hat... den kann es wohl gar nicht geben...

So gesehen MÜSSTE es eigentlich sogar aus mathematischen Gründen Glückspilze und Pechvögel geben...
Allerdings... so ein Menschenleben dauert normalerweise mehrere Jahrzehnte... und im laufe des Lebens gibt es sehr viele Glücks- und Unglücksmomente...
Und je mehr Glücks- und Unglücksmomente es geben kann... umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß diese sich auf ein durchschnittliches Mittelmaß einpendeln...

Probiert es aus...
Wenn ihr einmal einen Würfel werft, dann ist die Wahrscheinlichkeit 1/6, daß ihr eine 6 (für Glück) oder eine 1 (für Pech) werft...
Aber jetzt versucht mal 10 mal hintereinander eine 6 (oder eine 1) zu werfen...
Das wird euch kaum gelingen...
Und wenn ihr versucht 100 mal hintereinander eine 6 zu werfen... das ist ziemlich aussichtslos...
Immer nur Glück oder immer nur Pech... das geht also statistisch nicht... denn so ein Leben hat sicher (fast) unzählige Glücks- und Unglücksmomente...

So gesehen kann es statistisch gesehen tatsächlich keine extremen Glückspilze und Pechvögel geben... weil die Normalerverteilugskurve durch die große Zahl der Glücks- und Unglücksmomente in einem Leben sehr schmal wird...
Insofern ist diese Untersuchung dann wahrscheinlich sogar richtig... wenn sie besagt, daß das Verhältnis der Glücks- und Unglücksmomente bei allen Menschen ungefähr gleich ist...

Aber... das ist wohl allenfalls die halbe Wahrheit...

Erstmal ist die Rede vom Glück und Unglück IM Leben... von den Startbedingungen in's Leben war keine Rede... und daß bei denen Glück und Unglück mehr als nur ein wenig ungleich verteilt sind... das kann ja wohl niemand bezweifeln, der nicht gänzlich blind ist...

Und dann war da vor allem von Glücks- und UnglücksMOMENTEN die Rede... wovon NICHT die Rede war, war von der Größe oder Kleinheit des jeweiligen Glücks- oder Unglücksmoment...

Wenn also der Manager eines Weltkonzerns erfährt, daß er dieses Jahr leider keine 8 sondern nur 4 Millionen Euro verdienen wird... dann ist das für diesen sicher EIN Unglücksmoment...

Wenn der Kleinverdiener erfährt, daß er einen seiner beiden Minijobs verliert und darum jetzt keine 800 sondern in Zukunft nur noch 400 Euro im Monat verdient... dann ist das auch EIN Unglücksmoment...

So gesehen haben beide gleich viel Unglück... rein statistisch...

Daß da aber in Wirklichkeit Äpfel mit Birnen verglichen werden... das muss ich wohl nicht erst extra begründen...

Für den Manager bedeutet dieser Unglücksmoment beispielsweise, daß er sich jetzt doch keine neue Superluxusjacht leisten kann dieses Jahr... für den Kleinverdiener bedeutet es, daß er nicht weiss, wovon er in Zukunft leben soll...

Es stimmt eben immer noch: Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast!

Diese Untersuchung mag rein formal korrekt sein... gut möglich, daß rein quantitativ alle Menschen ein fast identisches Verhältnis von Glücks- und Unglücksmomenten erleben...
über die QUALITÄT, die Größe des Unglücks besagt das aber rein gar nichts!

Zumindest Gandhi hat aber mit einem recht:
Entscheidend ist, wie wir mit dem Glück und Unglück umgehen, das uns widerfährt!

Und dabei spielt es überhaupt keine Rolle wie groß oder klein, wie viel oder wie wenig das ist...

Es liegt an uns... ob wir in unserem Unglück verharren... oder das Beste daraus machen...

Viele Grüße

Aurisa

Montag, 4. September 2006

Richtige und falsche Fragen...

Hallo alle zusammen,
im letzten Eintrag hier ('Alles wird gut?') habe ich darüber geschrieben, wie hilfreich es ist, in seinem Leben einen Sinn sehen zu können. Da diese beiden Einträge inhaltlich eng zusammenhängen empfehle ich zum besseren Verständnis darum zuerst den anderen Eintrag und dann erst diesen hier zu lesen...

Wie dort gesagt halte ich es für sehr hilfreich ja eigentlich unverzichtbar für ein erfülltes Leben, daß man in der Lage ist, in seinem Leben einen Sinn sehen zu können.

Die Frage ist nur: wie macht man das...?

Meine persönliche Antwort – es mag noch andere Antworten geben... - darauf ist:

Indem man das tut, was man für sich selbst im jeweiligen Moment für richtig hält...

Ich denke, das ist absolut unverzichtbar dafür...

Warum ich das denke...?

Nun ich glaube, daß es kein richtiges Leben im falschen gibt... und damit meine ich, daß es nicht richtig sein kann, wenn man im Leben die falschen Dinge tut... jedenfalls was die wesentlichen Dinge im Leben angeht...

Ich kann mir nicht vorstellen, daß man einerseits ständig Dinge tun kann, die dem eigenen Wesen zuwiderlaufen... und gleichzeitig ein glückliches erfülltes und eben auch ein als sinnvoll empfundenes Leben führen kann...

Oh... das heisst nicht, daß man nicht die für sich falschen Dinge tun und dabei Spass haben könnte... kurzfristig... aber ein solches Leben kann davon bin ich fest überzeugt nur hohl und leer sein... egal wie schillernd und schön es nach außen auch wirken mag...

Auch in dieser Beziehung war mir Moira eine hervorragende Lehrmeisterin... Moira die hundert mal mehr Fun-Aktivitäten hatte als ich... und die ihr Leben doch nur als leer, einsam und sinnlos empfand...

'Tu was du willst', hat Michael Ende in seiner 'Unendlichen Geschichte' geschrieben... und genau das hat der Held der Geschichte dort dann auch gemacht... er hat das getan wonach ihm gerade der Sinn stand... und wurde nicht glücklich damit... bis ihm klar wurde, wie diese Aussage wirklich gemeint war, nämlich als: 'Tu, was du WIRKLICH willst!'
Es geht also gerade NICHT darum den spontanen Wünschen, Trieben usw. nachzugeben um glücklich zu werden im Leben... nein das ist der falsche Weg... das ist eine Sackgasse, die nirgendwohin führt...
Worum es geht im Leben ist das zu tun, was man WIRKLICH will... das was dem eigenen Wesen entspricht... das von dem einem das Herz sagt, daß es das Richtige ist...

Warum aber ist das so wichtig...?

Ganz einfach... weil das die einzig richtige Möglichkeit ist... denn die Alternativen dazu sind:
*entweder man tut etwas, obwohl man genau weiss, daß es das Falsche ist...
oder:
*man tut gar nichts...

Und beides wird man bereuen... garantiert!

Nichts zu tun ist sowieso die schlechteste aller Möglichkeiten...
Es gibt Untersuchungen, nach denen die Menschen das am meissten bereuen... was sie NICHT getan haben... Es ist unendlich viel besser, etwas zu tun... und es nicht zu schaffen... als es gar nicht erst zu versuchen!

Das Falsche zu tun ist auch kaum besser... denn wenn man weiss, daß man das Falsche tut – und nur wenn man WEISS, daß man das falsche tut und es trotzdem tut ist es richtig schlimm – dann wird dieses Wissen immer an einem nagen... sogar wenn dieses Falsche, für das man sich entschieden hat einem viele Vorteile einbringt... aber es ist und bleibt das Falsche und dieses Wissen verleidet einem die Freude an dem was man getan hat...
Mag man beispielsweise als Manager noch so viel Geld verdienen... man wird nie glücklich mit diesem Leben werden, wenn man eigentlich Maler werden wollte... sich aus Angst vor Armut aber nicht getraut hat, diesen Weg zu gehen...

Es ist gar nicht so einfach das zu tun, was man für das Richtige hält...

Viele Menschen wagen es nicht ihrem Herzen zu folgen und diesen oft steinigen Weg zu gehen... aus Angst davor, was er ihnen alles abverlangen würde...

Andere wissen vielleicht noch nicht mal, was sie wirklich wollen...

Aber ich bin fest davon überzeugt, daß jeder das kann... wenn er es denn wirklich will...
Doch viele Menschen wählen stattdessen den leichten Weg... den Weg des geringsten Widerstandes... den Weg der schnellen Bedürfnisbefriedigung des oberflächlichen Vergnügens...
Doch der Weg des geringsten Widerstandes kennt, wie man an jedem Bach und Fluss sehen kann, nur eine Richtung: abwärts...
Auf diesem Weg ist kein seelisches Wachstum, keine innerliche Reifung, möglich und weder Glück noch Sinn im Leben zu finden...

Andererseits kann ich es schon verstehen... Ich weiss schliesslich aus eigener Erfahrung WIE schwer es sein kann, das zu tun, was man für richtig hält... und in welche scheinbaren Katastrophen das führen kann...
Aber ich weiss inzwischen auch, daß es der einzig richtige Weg ist... weil man nur so niemals eine Entscheidung bereuen muss...

Damals, als ich mich dazu entschlossen habe mit S zu reden, ihm zu erzählen, daß ich ihn liebe, und von meiner Transidentät und als ich mich damals entschlossen habe, den Weg zur Frau gehen zu wollen... da hat das bei mir so richtig angefangen...
Damals habe ich mich ganz bewusst dafür entschlossen das zu tun, was ich für das Richtige hielt... in dem naiven Glauben, wenn ich nur das Richtige täte, würde alles gut werden... allerdings auch wohl wissend, daß das verdammt schwer werden würde... aber nicht ahnend WIE schlimm dann tatsächlich alles kommen würde...
Und es kam schlimmer als ich mir jemals hätte vorstellen können...
Da hatte ich also das getan was ich für richtig hielt... und mich damit direkt in die Depri-Katastrophe manövriert...

Die damalige Lektion lautete also: Riskier etwas... und du wirst ganz furchtbar bestraft dafür!

So gesehen ein guter Grund nur ja nicht zu riskieren seinem Herzen zu folgen...

Aber... wie im vorherigen Eintrag geschildert... hat sich dann irgendwann viele Jahre später herausgestellt, daß es DOCH richtig war, genau das zu tun, was ich getan habe... und da erst habe ich verstanden, daß weder 'alles wird gut' noch 'riskier etwas und du wirst furchtbar bestraft dafür' richtig sind... nein stattdessen heisst es:

'Tu was du für richtig hältst. Dann wird zwar nicht alles Gut werden... und es wird auch oft ganz anders kommen als du dir erhofft und erwartet hast, vielleicht wird es zeitweise auch ganz schlimm sein... aber letztlich wird wird dann alles seinen Sinn ergeben für dich... auch wenn du diesen Sinn manchmal erst nach Jahren erkennen können wirst.'

Ja und nachdem ich das endlich verstanden hatte kann ich nur sagen:
Es war der einzig richtige Weg, damals zu tun, was ich für richtig hielt, auch wenn ich mich damit zuerst erst mal ganz gewaltig in die Sch***e gesetzt habe...
Aber jeder andere Weg wäre der falsche gewesen und hätte mich nicht weiter gebracht...
Nur auf diesem harten Weg konnte ich zu mir selber finden und in all dem (wieder) einen Sinn sehen...

Ja und damit bin ich endlich bei den richtigen und den falschen Fragen aus der Überschrift angelangt...

Wie schon mehrfach geschrieben habe ich mich vor der geschlechtsangleichenden Operation gefragt:

1.Bin ich mir sicher, daß ich die OP wirklich von ganzem Herzen will...?

2.Ist es mir wichtig genug, um dafür die Risiken, Schmerzen, Einschränkungen und das ungewisse Ergebnis in kauf zu nehmen...?

3.Wird es mir damit/danach besser gehen als ohne?

Und wie ich auch schon geschrieben hatte, lauteten die Antworten:

*in Essen: dreimal JEIN... ich war mir nicht sicher... bei keiner der Fragen, wesewegen ich die OP dann auch abgesagt habe...

*in O vor der Operation: dreimal ein klares JA... wesewegen ich die OP dann ja auch habe machen lassen...

*ja und NACH der OP... und nach den unvorhersehbaren Komplikationen mit denen ich vorher nicht rechnen konnte und die ich darum auch nicht in meine Überlegungen mit einbeziehen konnte... da lauteten die Antworten:
+JA zur 1.Frage...
+ich weiss nicht zur 2.Frage...
+und NEIN zur 3.Frage... und diese hielt ich ja für die Entscheidende... denn was für einen Sinn macht die OP, wenn es einem danach SCHLECHTER geht, als vorher...???
Ja und darum war meine bisherige OP-Bilanz eindeutig negativ, auch wenn es sich dabei erstmal nur um eine ZWISCHENbilanz handelt...

Aber heute ist es mir dann klar geworden... daß ich die Fragen falsch gestellt... und darum auch die falsche Antwort bekommen hatte...

Nachdem ich in Essen war und dort die OP abgesagt habe, habe ich ja zuerst versucht hier so eine Art positiv/negativliste zu machen, nach dem Motto, was spricht für und was gegen die OP...?
Aber mir ist bald klar geworden, daß das absoluter Blödsinn ist...
Wenn ich danach gehen würde, dürfte ich die OP NIEMALS machen lassen... denn die Liste der Argument, die gegen die OP sprechen ist ellenlang... Kein vernünftiger Mensch würde sich freiwillig sowas antun... außer... wenn es für ihn das Richtige ist... TROTZ alledem was dagegen spricht... denn das wiegt mehr als alle noch so vernünftigen Argumente zusammen...

Also habe ich versucht herauszufinden, ob die OP für mich wirklich das Richtige ist... bin dabei aber ein wenig von der 'reinen Lehre' abgekommen... denn die Fragen zwei und drei sind ja eigentlich auch wieder solche rationalen Fragen... Rückversicherungen gewissermaßen ob man auch wirklich das Richtige tut... wenn man das tut, was man für das Richtige hält...

Ja und damit ist klar, daß NICHT Frage 3 ('Wird es mir mit der OP besser gehen als ohne?') die Entscheidende ist, wie ich bis gestern noch dachte...

Anders herum wird ein Schuh draus...

Die entscheidende und letztlich einzig wichtige Frage ist die erste:
'Bin ich sicher, daß ich es wirklich von ganzem Herzen will...?'

Und die Antwort darauf lautete vor der OP und lautet jetzt immer noch: JA!

Das ist und bleibt der einzig richtige Weg, die einzig richtige Entscheidung für mich...

Oder hätte ich wirklich den Rest meines Lebens als körperlich überwiegend Mann weiterleben wollen...???

Nein... ganz bestimmt nicht...

Und dank S und Moira habe ich ja inzwischen gelernt:

'Tu was du für richtig hältst. Dann wird zwar nicht alles Gut werden... und es wird auch oft ganz anders kommen als du dir erhofft und erwartet hast, vielleicht wird es zeitweise auch ganz schlimm sein... aber letztlich wird wird dann alles seinen Sinn ergeben für dich... auch wenn du diesen Sinn manchmal erst nach Jahren erkennen können wirst.'

Ja und so kam es auch diesmal... Ich habe wieder einmal getan, was ich für richtig hielt... und wie bei S habe ich mich damit ganz gewaltig in die Nesseln gesetzt... aber inzwischen weiss ich ja, daß es seinen Preis kostet diesen Weg zu gehen... daß es nicht immer so kommt, wie man es erwartet und erhofft, wenn man das tut, was man für richtig hält... daß die Sache auch ganz gewaltig daneben gehen kann... so wie diesmal mit der OP... und daß man trotzdem in all dem seinen Sinn sehen kann, wenn auch oft erst später... und daß es letztlich der einzig richtige Weg ist das zu tun, was man für richtig hält...

So und nur so kann ich mit mir im reinen sein... und meinem Leben einen Sinn geben, indem ich das tue, was ich für richtig halte... und es nicht aus Angst vermeide... nur um das dann später zu bereuen...

Ja und wenn man das tut, was man wirklich will... und das habe ich mit dieser OP getan... dann spielen die beiden anderen Fragen keine Rolle mehr... dann ist man auch bereit dafür die ganzen Risiken, Schmerzen usw. auf sich zu nehmen... auch unvorhersehbare... und dann wird es einem damit auch besser gehen, als wenn man diesen Weg nicht gegangen wäre... sondern stattdessen einen von dem man genau weiss, daß es der falsche für einen ist...

Also... egal ob die Neoklitoris überlebt oder nicht... es war trotz allem die RICHTIGE Entscheidung die OP machen zu lassen... es war für mich der einzig richtige Weg... und ich würde es darum wieder tun... das ist mir jetzt klar geworden...

Alles weitere wird die Zeit zeigen...

Viele Grüßle allerseits

Aurisa

Alles wird gut...?

Hallo alle zusammen,
'alles wird gut'... diesen Spruch, den eine bekannte Fernsehmoderatorin so gerne verwendet... den hielt ich immer schon für einen der dümmsten Sprüche der Welt...

Alles wird gut... ALLES... wirklich...???

Oh sicher, das eine oder andere wird tatsächlich gut... aber alles...?
Das kann ich von meinen Leben nun wahrlich nicht behaupten... und ich bezweifle, daß es irgendjemand auf dieser Erde gibt, der das kann... dazu müsste man schon eine mächtig rosarote Brille auf der Nase haben...
Wie schon Budda erkannte: Jeder wird einmal krank... jeder wird einmal alt... und jeder wird einmal sterben...
Das Leben... jedes Leben verläuft letztlich immer zu 100% tödlich... und in der Zeit davor ist es eher selten leicht... dafür häufig verdammt hart...

Da davon zu reden, daß alles gut würde... das halt ich unter diesen Umständen für gelinde gesagt ziemlich... gewagt... höflich ausgedrückt... außer natürlich man glaubt an eine besseres Leben nach dem Tode... aber darum soll es hier in diesem Eintrag nicht gehen... Mir geht es hier um das Leben VOR dem Tode...

Also Optimismus in allen Ehren... aber 'alles wird gut', das halte ich für reichtlich naiv-positives Denken im schlechtesten Sinne...

Und ich spreche da aus Erfahrung... denn 'alles wird gut'... das ist genau das, was ich damals auch gedacht habe, vor inzwischen über einem Jahrzehnt...

Wenn ich nur meinen Gefühlen folge... wenn ich das tue, was ich für richtig halte, wenn ich diesem Weg folge, den irgenjemand mir da aufzuzeigen schien, wenn ich mit S rede und ihm gestehe, daß ich ihn liebe und wenn ich den Weg zu einem Leben als Frau gehe... dann wird alles gut...

Wie dumm von mir das zu glauben...

Mächtig schwerer Fehler...
Da hatte ich mich doch tatsächlich, trotz aller Zweifel, die ich damals schon daran hatte, darauf eingelassen so zu tun als hätte dieses Leben einen Sinn, als gäbe es einen guten Gott, eine unsterbliche Seele, ein Leben nach dem Tode und so etwas wie eine Bestimmung...

Und ich hatte tatsächlich geglaubt, wenn ich nur das Richtige tue, dann wird alles gut... zumindest hatte ich es gehofft und für möglich gehalten und trotz aller Zweifel darauf gebaut...

Aber natürlich kam es ganz anders... S starb... und damit war klar, daß es kein 'alles wird gut' geben würde... niemals wieder...
Und das hat mir damals den Boden unter den Füssen weg gezogen... denn ich hatte ja darauf vertraut, hatte mich darauf eingelassen zu glauben, daß das alles einen Sinn hat... und daß eben alles gut wird, wenn man nur das Richtige tut im Leben...

Und das Ergebnis war stattdessen die größte Katastrophe in meinem Leben, obwohl ich aus meiner Sicht das einzig richtige getan hatte...

Plötzlich machte überhaupt nichts mehr Sinn für mich...

Warum musste S sterben...? Das gab nicht den geringsten Sinn...

Ich hatte viel Zeit darüber nachzudenken... sehr viel... und die einzige Antwort, die ich damals darauf finden konnte war, daß es keinen Sinn macht, weil das Leben keinen tieferen Sinn hat... sondern alles blosser Zufall ist...
Das war der Zeitpunkt wo ich meinen naiven Kinderglauben an Gott, den Sinn des Lebens und alles andere endgültig verloren habe...

Die Folge davon waren jahrelange tiefste Depressionen...
Wozu sollte ich auch noch weiterleben, wenn sowieso alles keinen Sinn machte...?
Dann war es völlig gleichgültig was ich tat... denn nichts würde auch nur den geringsten Sinn machen...

In dieser Zeit war ich auch weder bereit noch in der Lage mich auf eine Therapie einzulassen... wozu auch...? Den Sinn des Lebens konnte mir auch ein Therapeut nicht zurückgeben, wenn es keinen gab...

Aber... zum Glück hatte ich damals schon Auris...
Es hat lange gedauert und es war nicht leicht... so tief waren die Depressionen, aber mit ihrer Hilfe habe ich es geschafft, da wieder raus zu kommen...
Sie hat mir beigebracht, nicht aufzugeben... auch dann nicht, wenn die Lage hoffnungslos erscheint... GERADE dann nicht... daß es sich auch dann noch lohnt zu kämpfen für das, an was man glaubt, selbst dann, wenn man dabei verlieren sollte... und sie hat mir klar gemacht, daß es IMMER Hoffnung gibt, egal wie verfahren die Lage auch zu sein scheint...

Aber immer noch lastete diese bedrückende Sinnlosigkeit auf mir... immer noch machte S's Tod keinen Sinn für mich... ebensowenig wie meine Transidentität... immer noch haderte ich mit beiden und hatte damit zu kämpfen nicht erneut in Depressionen zu verfallen... bis ich Moira begegnet bin... und sie dann eines Tages von heute auf morgen wieder aus meinem Leben verschwand...

Nach S war sie ein weiterer wichtiger Katalysator in meinem Leben... hat sie mein Leben gewaltig verändert ohne selber durch mich nennenswert verändert zu werden...

Schwesterchen... du wirst das sicher niemals lesen und es auch nie erfahren... aber du weisst gar nicht wie sehr du mir weitergeholfen hast...
Durch dich habe ich gelernt zu verstehen... zu verstehen welchen Sinn das alles für mich hat... DASS es für mich einen Sinn hat...
S's Tod... meine eigene Transidentität, die Ängste und Depressionen... was mir bis dahin als unverschuldete böse Schicksalsschläge erschien... all das ergab plötzlich Sinn...

'Wenn du glücklich sein willst – verbinde dein Leben mit einem Ziel'
Das stand auf dem Plakat vor deinem Haus... damals als ich dort war in der Hoffnung dich wiederzusehen... herauszufinden was mit dir passiert war, wie es dir ging und warum du so plötzlich verschwunden warst...

Du bist für immer aus meinem Leben verschwunden... und das musste wohl so sein... nachdem ich von dir gelernt hatte, was du mir beizubringen hattest... aber die Lektion, die du mir erteilt hast... die werde ich nie vergessen...

Daß ich da nicht früher selber darauf gekommen bin... Es ist im Grunde doch ganz einfach...

Falls das alles hier auf dieser Welt doch einen Sinn machen sollte... dann kann dieser für mich ganz sicher nicht lauten, daß ich zu meinem Vergnügen hier bin... dazu war mein Leben bisher einfach viel zu schwer... genausowenig wie es für mich Sinn machen kann zu versuchen so zu tun als wäre ich eine ganz normale Frau... Das bin ich nicht und werde ich nie sein... und wenn ich das hätte sein sollen währe ich als solche geboren worden... da ich das aber nicht bin, kann es nicht Sinn der Sache sein jetzt so zu tun als ob... und meine Transidentität und damit einen ganz wichtigen Teil von mir zu verstecken und zu verleugnen...

Nein... falls das alles hier doch einen Sinn machen sollte... dann bedeutet das für mich, daß ich nicht zu meinem Vergnügen hier bin...
Ich bin eine Kämpferin... Das war ich nicht von Anfang an... sondern dazu wurde ich erst durch meinen Lebensweg... durch die Ängste, die Depressionen, die Transidentität... und letztlich auch durch S's Tod...
All das hat mich geformt, mich erst zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin... und das bedeutet, daß ich mich jetzt nicht einfach hinsetzen und mir ein schönes Leben machen kann... nach dem Motto: was schert es mich, wie es dem Rest der Welt geht... hauptsache mir geht es gut...
Nein, mein bisheriges Leben hat eine Kämpferin aus mir gemacht... so wie Auris es ist... und, daß ich den Weg zur Frau gegangen bin hat gleichzeitig meine weiche, menschenfreundliche Seite sichtbar gemacht... so wie Goldmähne eben ist...
Beides kann und will ich jetzt nicht wieder einfach so 'abstellen'...
Selbst wenn ich es könnte... damit würde ich mich selber seelisch regelrecht ausweiden, wenn ich dieses Seiten zurückdrängen würde... nicht umsonst ging es mir früher als Klaus ohne beides so schlecht...
Und fast noch schlimmer: damit würde ich den Sinn, den das alles plötzlich für mich machte leugnen...

Ich sehe es seit der Sache mit Moira damals so, daß all das Schlimme in meinem Leben passiert ist, damit ich daraus lernen, daran wachsen kann... damit ich die Kämpferin mit Herz werde, die ich heute bin...
Das kann in meinen Augen aber kein purer Selbstzweck sein... sondern das macht nur Sinn, wenn ich dann auch etwas mit dem Anfange, was ich gelernt habe... wenn ich meinem Leben ein Ziel gebe, indem ich meine Fähigkeiten für etwas sinnvolles einsetze...

Und dabei spielt es keine Rolle, wie Auris immer sagt, ob das alles wirklich einen tieferen Sinn hat... ob es so etwas wie Schicksal gibt... oder eine höhere Macht, die das alles geplant hat... oder nicht...

Das werde ich in diesem Leben sowieso nie erfahren...

Es genügt, wenn das alles FÜR MICH einen subjektiven Sinn ergibt!
Mehr ist nicht erforderlich...

'Wer ein WARUM zum Leben hat, erträgt fast jedes WIE' meinte Nietsche, wenn ich mich recht erinnere...

Nach S's Tod hatte ich das WARUM meines Lebens verloren... und erst dank Moira habe ich es wiedergefunden... seither kann ich wieder einen Sinn sehen in meinem Leben... und darum bin ich seitdem auch in der Lage mit so ziemlich allem fertig zu werden, was mir das Leben noch so an Fiesheiten vor die Füsse werfen wird...

Ja und darum habe ich es heute auch nicht mehr nötig an so alberne Dinge wie 'alles wird gut' zu glauben...

Nein, es wird NICHT alles gut!
Aber wenn man dazu fähig ist, seinem Leben einen Sinn zu geben, dann ist man auch in der Lage auch den schlimmsten Dingen im Leben noch etwas gutes abzugewinnen... denn wenn das eigene Leben einen Sinn hat, dann das ganze Leben, also auch die schlechten Dinge... ein teilweise sinnvolles Leben... das gibt es nicht...

Ja und das ist eine sehr kostbare Fähigkeit... fast so als wäre man seelisch unverwundbar... oder genauer gesagt: man kann zwar wie jeder Mensche verwundet werden... aber man hat damit die Fähigkeit alle Wunden, die das Schicksal in der Seele hinterlässt heilen zu lassen...

Erst seit ich das kann bin ich in der Lage Menschen wie S oder Moira gehen zu lassen...
Ihr Verlust tut noch immer weh... aber ich muss nicht mehr nur mit Schmerz daran zurückdenken, sondern ich glaube jetzt, daß es so sein musste... daß sie nur ein kurzes Stück meines Weges bei mir sein sollten... als meine Lehrer, die mir beibrachten, was ich von ihnen lernen sollte... und als ich das gelernt hatte... da war es Zeit für sie wieder für immer aus meinem Leben zu gehen...

Und darum bin ich heute in der Lage nicht mehr mit Bitterkeit über den Verlust sondern mit Dankbarkeit über das, was sie mir gegeben haben an sie zurückzudenken...

Und ähnlich ist es mit der Transidentität, den Depressionen und Ängsten...
Wie oft habe ich das alles verflucht... mich gefragt warum ich sosehr gestraft werde vom Schicksal... wie oft habe ich all diese verlorenen Jahre betrauert, die mich diese Dinge gekostet haben...
Aber heute verstehe ich, daß es keine verlorenen Jahre waren... so etwas gibt es nicht! Nicht, wenn man in der Lage ist in seinem Leben einen Sinn zu sehen...
Nein... auch das waren Lehrmeister... die mir vieles beigebracht haben... zwar auf die ganz harte Tour, aber anders hätte ich es wohl nie gelernt...
Menschen lernen nichts dazu, begeben sich nicht aus ihrer Komfortzone... wenn sie nicht müssen...
Ja und ohne all das... wer weiss was aus mir geworden wäre... jedenfalls nichts, was dem, was ich heute bin auch nur annähernd nahe kommt...

Alles wird gut... nein das ist naiver Kinderglaube, der zum scheitern verurteilt ist...

Viel besser und hilfreicher ist, die Probleme nicht zu leugnen, nicht schönzureden, sondern in allem einen Sinn zu sehen... auch in den schlechten Dingen im Leben... und davon gibt es ja bekanntlich jede Menge...

Das ist das beste, was man tun kann im Leben finde ich...

Viele Grüßle allerseits

Aurisa

Freitag, 17. Februar 2006

Vorzeitige Wehmut...

Hallo zusammen,
ein ziemlich seltsamer Tag war das heute...
Erstmal war ich heute seit langem mal wieder ziemlich kaputt, was möglicherweise an der Wetterumstellung liegen könnte...
Dann ist mir auf der Arbeit ein größeres Missgeschick passiert...
Und auch sonst gingen die Gefühle durcheinander...
Ich glaube da war so ziemlich alles dabei...
Wehmut war dabei weil mir heute klar geworden ist, daß sich Blogleben als Aurisa in nicht allzuferner Zukunft zuende sein könnte...
Nein, das soll keine Ankündigung sein, daß ich mit dem Bloggen aufhören will!
Aber irgendwann ist das Thema Transidentität dann doch mal durch...
Mitte des Jahres steht noch einmal die Frage an: Operieren oder nicht operieren...
Falls ich mich dagegen entscheide, dann wird es hier zur Transidentität nicht mehr so wahnsinnig viel neues zu sagen geben...
Und auch wenn ich mich dafür entscheiden sollte wird mich das dann zwar noch eine Weile beschäftigen... aber danach neigt sich das Thema Transidentität dann auch dem Ende entgegen...
Vor allem auch, weil ich das Thema mental bereits größtenteils abgearbeitet habe...
Es beschäftigt mich nicht mehr so viel wie früher und vor allem macht es mir heute viel weniger zu schaffen als etwa noch vor einem Jahr...
Und ich habe auch ganz bestimmt nicht vor hier in fünf oder zehn Jahren immer noch über die Transidentität zu bloggen... und immer noch davon zu schreiben wie schlimm das alles ist und wie sehr es mir doch zu schaffen macht...
Nein, sowas überlasse ich anderen...
Probleme sind dazu da, gelöst zu werden finde ich... und das habe ich in Sachen Transidentität schon zu einem großen Teil geschafft... und das bedeutet eben auch, daß es dazu irgendwann nicht mehr viel zu sagen geben wird, weil ich gelernt habe damit klar zu kommen...

Früher, bei 20six, da hätte ich trotzdem weitergebloggt... weil auf meinem dortigen Blog TI-Themen und mein ganz normales Leben und sonstiges bunt gemischt waren...
Darum hätte es dort auch keinen Grund gegeben aufzuhören, wenn ich mit dem Thema TI durch bin...
Aber hier ist das anders...
Zumindest bisher konnte ich mich nicht dazu durchringen hier auch anderes als nur von der TI zu schreiben... weil ich einen Blog mit nur einem Thema einfach besser finde, als so einen Gemischtwarenblog wie meinen alten...
Aber das bedeutet dann eben auch, daß ich 'Aurisa' irgendwann nicht mehr brauche werde, wenn ich hier nur über die Transidentität schreibe... das ist mir heute klar geworden... und das macht mich schon ein wenig traurig...
Ich habe mich doch sehr an Aurisa gewöhnt... und ich BIN ja auch Aurisa, nicht nur im virtuellen Leben...

Na ja, mal sehen... vielleicht entschliesse ich mich ja doch noch dazu hier noch über anderes zu schreiben, dann könnte 'Aurisa' weiterleben...
Darüber muss ich nochmal gründlich nachdenken...

Ja und sonst habe ich heute das merkwürdige Gefühl gehabt, daß sich wichtige Enscheidungen und Veränderungen anbahnen... daß manche Entscheidungen vielleicht schon getroffen sind, auch wenn ich mich noch nicht bewusst dafür oder dagegen entschieden habe...
Wirklich ein ziemlich seltsames Gefühl... und schwer zu beschreiben... als ob große Ereignisse ihren Schatten vorauswerfen würden und man das irgendwie spürt...

Na ja, mal sehen... Ende des Jahres kann ich dann ja Bilanz ziehen ob sich wirklich wichtiges getan hat...

Wenn sich die Parallelen zwischen mir und Anja fortsetzen, dann könnte das ein gutes Jahr werden...
Bei ihr zumindest läuft derzeit alles mehr als optimal...
Also mal abwarten...

Viele Grüßle

Aurisa

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