29.August 2003: OP-Risiken und Anderes
Hallo ihr alle :),
ich hatte gestern seit längerem mal wieder ein Gespräch im Chat mit einer Transidenten aus Brandenburg.
Ich kenne A schon ein Jahr oder länger. Sie hat inzwischen alles hinter sich, hat die Sache in nur einem Jahr durchgezogen, schneller geht es kaum noch, und so schnell geht es auch nur, wenn Ärzte, Gutachter, das Gericht und die Kassen alle mitspielen, was eher die Ausnahme als die Regel ist.
Zwar habe ich A noch nie persönlich kennengelernt, aber bei ihr bin ich mir - im Gegensatz zu gewissen anderen 'Transidenten' die ich im Chat kennengelernt habe - sicher, daß sie echt - sprich wirklich Transident - ist. Sie kennt sich sehr gut aus mit der Transidentität, ihr Bild passt zu ihrer Geschichte und sie erzählt mir niemals irgendwelchen Mist oder gar Lügen.
Darum halte ich auch alle Infos die ich von ihr bekomme für glaubwürdig.
Gestern hat sie mir u.a. erzählt, daß sie bei ihrem Arzt eine Statistik zu sehen bekommen hat, über die Komplikationen bei der geschlechtsangleichenden Operation.
Mir war schon klar, daß die OP nicht unproblematisch ist, auch wenn das viele Leute zu glauben scheinen, aber ich war dann doch überrascht, wie hoch die Komplikationsrate ist.
Bei 70 % dieser (Mann-zu-Frau) Operationen gibt es Komplikationen, und bei 10-15% der Operationen sind die Komplikationen schwer.
Mögliche Komplikationen können z.B. Harnröhrenverschluss, absterbendes Gewebe (der Neovagina), Abstoßung der Neovagina, Dickdarmdurchstoßund und ich weiß nicht was noch alles sein. Ob fehlendes Gefühlsempfinden nach der OP da als Komplikation mitgerechnet ist weiss ich nicht mal...
Es wird halt nicht einfach nur was abgeschnitten (das wäre kein großes Problem), sondern es soll auch etwas neues aufgebaut werden, und das ist nicht so einfach...
Auch sonst war das Gespräch mit ihr mal wieder sehr interessant.
Beispielsweise meint sie, ich sollte nicht so viel auf das Gerede von anderen Transidenten geben, wie ihr OP-Ergebnis geworden wäre. Das sei wie bei Männern die über ihre Autos redeten, da hätte auch jeder das tollste, seiner Meinung nach ;)... Na über Autos habe ich nie geredet, mir hat es gereicht, wenn meines gefahren ist ;), bin halt kein Mann ;).
Interessanterweise hat sie ihre OP ausgerechnet bei jemand machen lassen, der als... nun ja der nicht gerade den besten Ruf hat... Wie gesagt, sie wollte alles so schnell wie möglich hinter sich bringen, und die guten Operateure/-innen haben lange Wartelisten... Sie hatte dann auch so ca ein 3/4 Jahr ständig Schmerzen und mehrere nach-OP's, keine Ahnung ob das typisch ist, da muss ich in der TI-Gruppe bei den schon operierten mal rumfragen, aber ein 3/4 Jahr kommt mir doch ungewöhnlich lang vor... Na jedenfalls ist bei ihr jetzt endlich alles ok. Ich hoffe sie wird glücklich mit dem Ergebnis.
Wir sind dann auch mal wieder auf das Thema 'coming out' gekommen. Wie ihr ja wißt gehe ich sehr offen mit meiner TI um, witzigerweise meinte sie jetzt gestern, daß sie auch mal ne Phase hatte, wo sie überlegte, bei wem sie sich jetzt noch outen könnte ;).
Inzwischen dagegen hat sie so ziemlich die Nase voll von dem ganzen TI-Kram, und will eigentlich nur noch ganz normal als Frau leben.
Auch das ist normal denke ich. Das habe ich schon oft gehört. Sicher gibt es auch sehr viele, die es gar nicht erst schaffen den Weg zur Frau ganz zu gehen, und die immer irgendwo im 'Dazwischen' hängenbleiben. Wenn sie das bewußt tun ist das ja auch ok, aber wenn sie nur einfach nicht die Kraft finden diesem Weg zu gehen, dann finde ich das sehr traurig :(. Ja und dann gibt noch die, die nie übezeugend genug als Frau wirken werden und die deshalb zwangsweise immer von der Umwelt als Transe angesehen werden, und schließlich gibt es noch die 'Berufstransen' wie es mal jemand formuliert hat, d.h. die Transidenten, die überall raushängen lassen, daß sie Transident sind, weil sie die Reaktionen der Umwelt brauchen... Sowas möchte ich nicht werden, auch wenn ich mir momentan natürlich die positiven Reaktionen die ich bekomme, gut tun, aber auf Dauer... nein, auf Dauer wünsche ich mir einfach nur in Ruhe leben zu können.
Das hat mich dann auch mal wieder auf die Frage gebracht, was ich später nach der OP wohl machen werde, wegen meiner TI. Hier aus der Gegend wegziehen, woandershin, wo mich niemand kennt, will ich nicht, ich bin hier verwurzelt, ich gehöre nicht zu den Menschen die es in die weite Welt zieht. Aber wenn ich hier wohnen bleibe, dann werde ich für die Leute hier in D immer der 'umoperierte Kerl' bleiben, wie A es über sich und die Leute in ihrem Städchen formlierte. Sie wohnt momentan auf dem Land und will so bald wie möglich nach Berlin ziehen, sicher eine gute Entscheidung. Ich weiss jetzt noch nicht was ich mache, aber vielleicht ziehe ich ja nicht ganz weg, aber in der Gegend um. Immerhin wohnen im Großraum S auch mehrer Millionen Menschen. Ich denke mal, da müßte es doch möglich sein wohin zu ziehen, wo mich niemand kennt, aber wo ich noch nahe genug bin um weiter meine Bekannten aus der Gegend treffen zu können. Aber das ist noch Zukunftsmusik, vorher muß ich noch so einiges ins Reine bringen...
Bei der Gelegenheit ist mir auch gleich noch die Frage eingefallen, was ich denn nach der OP eigentlich mit meinem Weblog mache. Irgendwann wird sich das Thema TI bei mir - hoffentlich !!! - weitgehend erledigt haben, und wie gesagt, ich will nicht den Rest meines Lebens als 'Berufstranse' verbringen...
Also was mache ich dann? Diese Weblog beenden und ein neues unter einem ganz neuen Namen (den keiner, oder nur die Leute denen ich wirklich vertraue, hier kennt) anfangen? In dem Fall würde ich für viele meiner Leser hier gewissermaßen für immer 'verschwinden'. Oder soll ich das hier und ein neues parallel führen? Na hat ja noch etwas Zeit, ein Jahr oder so... Aber eure Meinung zu dem Thema würde mich schon interessieren...
Viele Grüßle :)
Aurisa
LINKS:
*Zum Blog-Starteintrag:
http://aurisa.twoday.net/stories/1504914/comment
ich hatte gestern seit längerem mal wieder ein Gespräch im Chat mit einer Transidenten aus Brandenburg.
Ich kenne A schon ein Jahr oder länger. Sie hat inzwischen alles hinter sich, hat die Sache in nur einem Jahr durchgezogen, schneller geht es kaum noch, und so schnell geht es auch nur, wenn Ärzte, Gutachter, das Gericht und die Kassen alle mitspielen, was eher die Ausnahme als die Regel ist.
Zwar habe ich A noch nie persönlich kennengelernt, aber bei ihr bin ich mir - im Gegensatz zu gewissen anderen 'Transidenten' die ich im Chat kennengelernt habe - sicher, daß sie echt - sprich wirklich Transident - ist. Sie kennt sich sehr gut aus mit der Transidentität, ihr Bild passt zu ihrer Geschichte und sie erzählt mir niemals irgendwelchen Mist oder gar Lügen.
Darum halte ich auch alle Infos die ich von ihr bekomme für glaubwürdig.
Gestern hat sie mir u.a. erzählt, daß sie bei ihrem Arzt eine Statistik zu sehen bekommen hat, über die Komplikationen bei der geschlechtsangleichenden Operation.
Mir war schon klar, daß die OP nicht unproblematisch ist, auch wenn das viele Leute zu glauben scheinen, aber ich war dann doch überrascht, wie hoch die Komplikationsrate ist.
Bei 70 % dieser (Mann-zu-Frau) Operationen gibt es Komplikationen, und bei 10-15% der Operationen sind die Komplikationen schwer.
Mögliche Komplikationen können z.B. Harnröhrenverschluss, absterbendes Gewebe (der Neovagina), Abstoßung der Neovagina, Dickdarmdurchstoßund und ich weiß nicht was noch alles sein. Ob fehlendes Gefühlsempfinden nach der OP da als Komplikation mitgerechnet ist weiss ich nicht mal...
Es wird halt nicht einfach nur was abgeschnitten (das wäre kein großes Problem), sondern es soll auch etwas neues aufgebaut werden, und das ist nicht so einfach...
Auch sonst war das Gespräch mit ihr mal wieder sehr interessant.
Beispielsweise meint sie, ich sollte nicht so viel auf das Gerede von anderen Transidenten geben, wie ihr OP-Ergebnis geworden wäre. Das sei wie bei Männern die über ihre Autos redeten, da hätte auch jeder das tollste, seiner Meinung nach ;)... Na über Autos habe ich nie geredet, mir hat es gereicht, wenn meines gefahren ist ;), bin halt kein Mann ;).
Interessanterweise hat sie ihre OP ausgerechnet bei jemand machen lassen, der als... nun ja der nicht gerade den besten Ruf hat... Wie gesagt, sie wollte alles so schnell wie möglich hinter sich bringen, und die guten Operateure/-innen haben lange Wartelisten... Sie hatte dann auch so ca ein 3/4 Jahr ständig Schmerzen und mehrere nach-OP's, keine Ahnung ob das typisch ist, da muss ich in der TI-Gruppe bei den schon operierten mal rumfragen, aber ein 3/4 Jahr kommt mir doch ungewöhnlich lang vor... Na jedenfalls ist bei ihr jetzt endlich alles ok. Ich hoffe sie wird glücklich mit dem Ergebnis.
Wir sind dann auch mal wieder auf das Thema 'coming out' gekommen. Wie ihr ja wißt gehe ich sehr offen mit meiner TI um, witzigerweise meinte sie jetzt gestern, daß sie auch mal ne Phase hatte, wo sie überlegte, bei wem sie sich jetzt noch outen könnte ;).
Inzwischen dagegen hat sie so ziemlich die Nase voll von dem ganzen TI-Kram, und will eigentlich nur noch ganz normal als Frau leben.
Auch das ist normal denke ich. Das habe ich schon oft gehört. Sicher gibt es auch sehr viele, die es gar nicht erst schaffen den Weg zur Frau ganz zu gehen, und die immer irgendwo im 'Dazwischen' hängenbleiben. Wenn sie das bewußt tun ist das ja auch ok, aber wenn sie nur einfach nicht die Kraft finden diesem Weg zu gehen, dann finde ich das sehr traurig :(. Ja und dann gibt noch die, die nie übezeugend genug als Frau wirken werden und die deshalb zwangsweise immer von der Umwelt als Transe angesehen werden, und schließlich gibt es noch die 'Berufstransen' wie es mal jemand formuliert hat, d.h. die Transidenten, die überall raushängen lassen, daß sie Transident sind, weil sie die Reaktionen der Umwelt brauchen... Sowas möchte ich nicht werden, auch wenn ich mir momentan natürlich die positiven Reaktionen die ich bekomme, gut tun, aber auf Dauer... nein, auf Dauer wünsche ich mir einfach nur in Ruhe leben zu können.
Das hat mich dann auch mal wieder auf die Frage gebracht, was ich später nach der OP wohl machen werde, wegen meiner TI. Hier aus der Gegend wegziehen, woandershin, wo mich niemand kennt, will ich nicht, ich bin hier verwurzelt, ich gehöre nicht zu den Menschen die es in die weite Welt zieht. Aber wenn ich hier wohnen bleibe, dann werde ich für die Leute hier in D immer der 'umoperierte Kerl' bleiben, wie A es über sich und die Leute in ihrem Städchen formlierte. Sie wohnt momentan auf dem Land und will so bald wie möglich nach Berlin ziehen, sicher eine gute Entscheidung. Ich weiss jetzt noch nicht was ich mache, aber vielleicht ziehe ich ja nicht ganz weg, aber in der Gegend um. Immerhin wohnen im Großraum S auch mehrer Millionen Menschen. Ich denke mal, da müßte es doch möglich sein wohin zu ziehen, wo mich niemand kennt, aber wo ich noch nahe genug bin um weiter meine Bekannten aus der Gegend treffen zu können. Aber das ist noch Zukunftsmusik, vorher muß ich noch so einiges ins Reine bringen...
Bei der Gelegenheit ist mir auch gleich noch die Frage eingefallen, was ich denn nach der OP eigentlich mit meinem Weblog mache. Irgendwann wird sich das Thema TI bei mir - hoffentlich !!! - weitgehend erledigt haben, und wie gesagt, ich will nicht den Rest meines Lebens als 'Berufstranse' verbringen...
Also was mache ich dann? Diese Weblog beenden und ein neues unter einem ganz neuen Namen (den keiner, oder nur die Leute denen ich wirklich vertraue, hier kennt) anfangen? In dem Fall würde ich für viele meiner Leser hier gewissermaßen für immer 'verschwinden'. Oder soll ich das hier und ein neues parallel führen? Na hat ja noch etwas Zeit, ein Jahr oder so... Aber eure Meinung zu dem Thema würde mich schon interessieren...
Viele Grüßle :)
Aurisa
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http://aurisa.twoday.net/stories/1504914/comment
Aurisa - 9. Feb, 14:09
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